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Mitmach-Netzwerk Helium lockt Anwender mit KryptowÀhrung

Von dpa
22.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Ein Funk-Hotspot des Helium-Netzwerks vor einer Karte der Netzabdeckung in Europa.
Ein Funk-Hotspot des Helium-Netzwerks vor einer Karte der Netzabdeckung in Europa. (Quelle: Christoph Dernbach/dpa./dpa)
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San Francisco/DĂŒsseldorf (dpa) - Beim "Internet der Dinge" herrscht GoldgrĂ€berstimmung. Allein im vergangenen Jahr wurden nach SchĂ€tzungen von Marktexperten ĂŒber 15 Milliarden Euro umgesetzt, um AlltagsgegenstĂ€nde mit dem Internet und untereinander zu vernetzen.

Das Spektrum reicht vom smarten Halsband fĂŒr den Hund ĂŒber den GetrĂ€nkeautomaten bis zu einem Schiffscontainer, vom vernetzten Straßenscooter ĂŒber ein Heizungsthermostat bis zu einem Sensor in einem öffentlichen MĂŒlleimer, der sich via Funk selbststĂ€ndig meldet, wenn er geleert werden soll.

Die goldene Zukunft steht aber noch bevor. WĂ€hrend das Potenzial von neuen Smartphone-VertrĂ€gen fĂŒr menschliche Anwender langsam ausgereizt ist, zeigt die Wachstumskurve fĂŒr das "Internet of Things" (IoT) steil nach oben. ZuwĂ€chse von 20 Prozent im Jahr und mehr werden erwartet. Mittlerweile buhlen nicht nur konventionelle Telekomanbieter um den Zukunftsmarkt, sondern auch neue Akteure. Sie suchen ihr GlĂŒck nicht wie die Telekom oder Vodafone auf den lizenzpflichtigen Funkwellen von LTE und 5G, sondern im freien Frequenzspektrum von 868 MHz. FĂŒr das "LoRaWAN" (Long Range Wide Area Network), mit dem Strecken von mehreren Kilometern ĂŒberwunden werden können, mĂŒssen keine Funklizenzen ersteigert werden.

Napster-GrĂŒnder steht hinter Helium

Am rasantesten wĂ€chst in diesem Bereich das Helium-Netzwerk. Die Firma Helium Systems in San Francisco wurde von Shawn Fanning mitgegrĂŒndet, der in den frĂŒhen Jahren des Internets mit Napster die Musikindustrie an den Rand des Absturzes brachte. Ähnlich wie bei der Musik-Tauschbörse Napster setzte Fanning bei Helium nicht auf zentrale Strukturen, sondern auf die Macht der dezentralisierten Massen. Die meisten der Gateways, die das Funknetz von Helium mit dem Internet verbinden, werden nĂ€mlich nicht von Partnerfirmen betrieben, sondern von Privatleuten. Deshalb bezeichnet sich Helium auch selbstbewusst als "The People’s Network", also als Volksnetzwerk.

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Doch warum sollten Freiwillige bei Helium mitmachen? Die Antwort ist einfach: Geld. Das Netzwerk lockt die Mitstreiter mit Token der KryptowĂ€hrung HNT. Sie kann auch in Dollar oder Euro umgetauscht werden. FĂŒr einen HNT-Token erhĂ€lt man derzeit rund 20 Euro.

Beim "SchĂŒrfen" von HNT kommt es nicht wie beim Bitcoin auf energiehungrige Rechenoperationen an, um das System aufrechtzuerhalten. Eine Helium-Gateway braucht nicht mehr Strom als eine Energiesparlampe. Außerdem benötigt man einen Internet-Anschluss. Belohnt werden die Gateway-Betreiber zum einen fĂŒr die bloße Netzabdeckung ("Proof of Coverage"). Außerdem werden sei an den Erlösen beteiligt, die kommerzielle Kunden von Helium wie das Scooter-Unternehmen Lime fĂŒr den Transport ihrer Daten bezahlen.

650.000 Hotspots in 164 LĂ€ndern

Die Aussichten auf stĂ€ndig fließende Einnahmen haben in den vergangenen Monaten einen Run auf Helium ausgelöst. Das Netzwerk besteht inzwischen aus mehr als 650.000 Hotspots in rund 47.000 StĂ€dten und 164 LĂ€ndern. Kompatible Gateways, die um die 500 Euro kosten, sind derzeit quasi ausverkauft. Kleine RestbestĂ€nde werden zu horrenden Preisen auf Ebay angeboten, die das Helium-Mining in den meisten FĂ€llen unrentabel machen. Gerade GroßstĂ€dte wie New York, London oder Berlin sind inzwischen so gut abgedeckt, dass sich hier die freiwilligen Miner gegenseitig stark Konkurrenz machen - was die Einnahmen fĂŒr jeden einzelnen drĂŒckt. In guten Randlagen ohne viel Konkurrenz dagegen können HNT-Token im Wert von 20 Euro am Tag oder mehr erzielt werden.

Das Potenzial von Helium hat sich inzwischen nicht nur bei Privatleuten rumgesprochen, die auf keinen Fall das nĂ€chste große Ding der Kryptoszene verpassen wollen. Auch Risikokapitalgeber und kommerzielle Netzbetreiber sind elektrisiert. Bekannte Namen wie Khosla Ventures, First Mark Capital, Munich Re Ventures und GV (frĂŒher Google Ventures) sind bei Helium als Investoren an Bord.

In Deutschland hat der DĂŒsseldorfer Sendernetz-Betreiber Uplink Network das neue Netzwerk fĂŒr sich entdeckt. Das Unternehmen betreibt eigentlich vor allem Antennen und Sendeanlagen fĂŒr den Hörfunk. Inzwischen betreut Uplink aber auch Helium-Gateways sowie Antennen und bietet komplette Lösungen fĂŒr Datenfunk-Projekte an.

GĂŒnstigere DatenĂŒbertragung

Uplink-Chef Michael Radomski hofft darauf, dass Vorbilder aus dem Ausland auch in Deutschland Schule machen. In Amsterdam beispielsweise setzt der Flughafen Schiphol die LoRaWAN-Technik zur Nachverfolgung von GepĂ€ck und Waren ein. In Lyon werden Besucherströme in Museen und KaufhĂ€usern damit gemessen. Und in Schaffhausen in der Schweiz nutzt die Stadtverwaltung die Technik zur Kontrolle von ParkplĂ€tzen. Dabei sei das LoRaWAN-Netzwerk Helium deutlich gĂŒnstiger als die DatenĂŒbertragung mit dem klassischen Mobilfunk. "Wir leisten einen Beitrag dazu, dass der Zugang zum Helium-Netzwerk preiswerter und einfacher genutzt werden kann", sagt Radomski.

Die klassischen Mobilfunker wollen Firmen wie Helium oder Uplink nicht kampflos das Internet der Dinge ĂŒberlassen. Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland, sieht sein Unternehmen im Wettbewerb gut aufgestellt: "Die Zahl der Maschinen, Roboter und Sensoren, die wir vernetzen, steigt pro Jahr um mehr als 20 Prozent. Schon heute funken mehr als 140 Millionen GegenstĂ€nde in unserem Netz." Als internationaler Telekommunikationskonzern könne sein Unternehmen deshalb weltweite Dienste im Internet der Dinge anbieten. Das sei zum Beispiel fĂŒr Logistik-Unternehmen, die Container oder Pakete vernetzen, von hoher Bedeutung. "Lizenzierte Netze bringen im Internet der Dinge die maximale QualitĂ€t und die höchstmögliche Sicherheit."

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