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Trotz Corona: Lebensmittel sind online kaum gefragt

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Trotz Corona: Lebensmittel sind online kaum gefragt

29.12.2021, 11:51 Uhr | dpa, t-online, sha

Trotz Corona: Lebensmittel sind online kaum gefragt. Gorillas-Kurier bei der Arbeit (Symbolbild): Der Schnelllieferdienst litt zuletzt unter Personalmangel. (Quelle: imago images/Michael Gstettenbauer)

Gorillas-Kurier bei der Arbeit (Symbolbild): Der Schnelllieferdienst litt zuletzt unter Personalmangel. (Quelle: Michael Gstettenbauer/imago images)

Mode, Elektronik oder Reisen: Die Menschen hierzulande kaufen laut einer Umfrage fast alles im Internet ein. Nur bei Lebensmitteln sind sie zurückhaltend.

Die Verbraucher in Deutschland kaufen gerne im Internet ein. Elektronik, Klamotten oder Reisen sind laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ hierzulande beliebt wie in keinem anderen Land in Europa.

Nur ein Bereich interessiert die Deutschen kaum: Lebensmittel. Hier halten die meisten Menschen den Läden wie Rewe, Edeka, Aldi und Lidl die Treue.

"Beim Onlinehandel mit Lebensmitteln und anderen Konsumgütern ist Deutschland das Schlusslicht in Europa", fasst Handelsexperte Thomas Montiel Castro von NielsenIQ das Studienergebnis seines Unternehmens zusammen. Deutschland liege massiv zurück und daran habe auch Corona nichts geändert, sagt Castro.

Lieferdienste werden mehr

Die Aussage verblüfft, denn im Online-Lebensmittelhandel in Deutschland ist derzeit gefühlt so viel los wie nie zuvor. Eine fast schon unübersehbare Zahl von neuen Lieferdiensten wie Gorillas, Flink oder Picnic drängt mit Hunderten Millionen Euro Wagniskapital auf den Markt und macht den etablierten Lebensmittelhändlern Konkurrenz.

In immer mehr Städten fahren mittlerweile die kleinen Elektrowagen von Picnic und die Fahrradkuriere von Gorillas und Flink durch die Straßen und liefern Online-Bestellung ins Haus. Picnic beliefert nach eigenen Angaben mittlerweile über 250.000 Kunden in über 45 Städten Nordrhein-Westfalens. Flink bringt nach eigenen Angaben in 41 Städten bundesweit die bestellte Ware innerhalb von Minuten ins Haus.

Lieferung innerhalb weniger Minuten

Konkurrent Gorillas verspricht aktuell in 23 Städten die Lieferung der Bestellung innerhalb von nur zehn Minuten.

Und auch der Kölner Handelskonzern Rewe, der unter den etablierten deutschen Handelsketten beim Thema E-Commerce weit vorn ist, baut seine Online-Lieferung kontinuierlich aus. "Wir haben die Umsätze im E-Commerce in diesem Jahr erneut um rund 50 Prozent gesteigert – auf über 700 Millionen Euro", sagte Rewe-Chef Lionel Souque.

Rewe biete aktuell bereits in 75 Städten einen Lieferservice für online bestellte Waren und werde im kommenden Jahr dieses Angebot auch auf das Ruhrgebiet ausweiten - wo bisher noch eine große Lücke im E-Commerce-Angebot des Konzerns ist. Außerdem bietet die Handelskette in immer mehr Läden die Möglichkeit, online bestelle Ware fertig verpackt abzuholen.

Keine Konkurrenz zu Handelsketten

Die Konkurrenz von Gorillas, Flink, Picnic und anderen Anbietern sieht Souque gelassen. "Das wächst sehr schnell, ist aber noch total unprofitabel", meint der Manager. Doch räumt er auch ein: "Das wird nicht wieder verschwinden. Denn für einen Teil der Kunden sind solche Angebote sehr interessant. Aber am Ende werden nur ein oder zwei Anbieter überleben."

Rewe selbst hat sich mit einer Beteiligung von unter 10 Prozent an dem Schnelllieferdienst Flink beteiligt, um auch in diesem Bereich präsent zu sein. Doch gilt das Hauptaugenmerk von Rewe dem eigenen Liefer- und  Abholservice. Geld verdient der Handelskonzern mit dem E-Commerce-Angebot immer noch nicht. "Bis wir im Onlinehandel schwarze Zahlen schreiben, wird es noch ein paar Jahre dauern – aber das wird kommen", sagt Souque.

Lebensmittel nur im Notfall

Trotz dieser Bemühungen spielt der Onlinehandel mit Lebensmitteln und anderen Konsumgütern NielsenIQ zufolge in Deutschland nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Nicht einmal zwei Prozent der Umsätze bei Lebensmitteln und Konsumgütern entfallen nach den Zahlen der Marktforscher auf den E-Commerce. Zum Vergleich: In Großbritannien sind es demnach 13,8 Prozent und in Frankreich immerhin 10,8 Prozent.

"Konsumgüter werden im Internet hauptsächlich gekauft, wenn es gefühlt keine andere Möglichkeit gibt, an die Produkte zu kommen", sagt Montiel Castro zur Lage in Deutschland. Zum großen Teil gehe es um Nischenprodukte, die im Supermarkt nebenan schwer zu bekommen seien - oder darum, das Schleppen schwerer Lasten zu vermeiden.

Ein wichtiger Grund für den geringen Erfolg der Onlineangebote liegt, da sind sich die Experten einig, in der großen Zahl der Supermärkte, Discounter und Drogeriemärkte in Deutschland. Meist ist der nächste Laden nur ein paar Minuten Fußmarsch entfernt. Aber es gibt auch noch eine andere Ursache. Anders als in anderen EU-Ländern seien die meisten großen Handelsketten in Deutschland online nicht sehr präsent, sagt Montiel Castro.

Wann kommt der Durchbruch?

Nach einer aktuellen Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) haben nur rund 24 Prozent der Menschen in Deutschland online wirklich Auswahl zwischen Anbietern mit Auslieferung. "In Deutschland fehlt es noch an ausreichenden Konsumgüterangeboten im Internet. Gäbe es die, würden auch mehr Menschen ihre großen Wochenendeinkäufe online erledigen", sagt Montiel Castro.

Wann der große Durchbruch für den Onlinehandel auch beim Thema Lebensmittel kommt, liegt für den NielsenIQ-Experten deshalb vor allem im Verhalten von Edeka, Aldi und den anderen Anbietern. "Dazu müssen die großen Handelsketten ihr Onlineangebot deutlich ausbauen - und das im ganzen Land, nicht nur in einigen Ballungsgebieten."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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