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Phänomen Tiktok: Gefeiert und kritisiert

Weltweiter Hype um Video-App  

Phänomen Tiktok: Gefeiert und kritisiert

Von Saskia Leidinger

05.12.2019, 16:53 Uhr
Phänomen Tiktok: Gefeiert und kritisiert. Tiktok Logo auf einem Smartphone: Die App hat weltweit 800 Millionen Nutzer täglich. (Quelle: Reuters/Dado Ruvic)

Tiktok Logo auf einem Smartphone: Die App hat weltweit 800 Millionen Nutzer täglich. (Quelle: Dado Ruvic/Reuters)

Sie tanzen, sie singen und spielen Streiche. Die chinesische Video-App TikTok ist bei Jugendlichen weltweit beliebt. Auch Stars machen beim Hype mit. Doch die Plattform ist umstritten.

TikTok ist eine App, in der kurze Videos von 15 bis 60 Sekunden Länge gepostet werden können. Das besondere an diesen Videos ist, dass sie häufig mit Musik untermalt sind, oder mit kurzen Zitaten aus Film und Fernsehen. Eine Art Mini Playback Show als App. Für Dalia Maya, die auf TikTok über drei Millionen Follower hat, liegt der Erfolg von TikTok in der Kreativität der Videos und dem Comedy-Faktor. Nutzer können die Videos zusätzlich kommentieren und liken.  

Vor kurzem erreichte die App die wichtige Marke von einer Milliarde monatlicher Nutzer und das in so kurzer Zeit, wie keine andere App zuvor. In Deutschland soll sie monatlich 5,5 Millionen Nutzer haben, die meisten davon sind Frauen. Die Zwillinge Lisa und Lena sind durch TikTok in Deutschland berühmt geworden. Auch Stars wie Lena Meyer-Landrut und die Bundesliga-Vereine FC Bayern und Borussia Dortmund posten Videos auf TikTok.

Ist TikTok kostenlos?

TikTok ist zwar kostenlos, aber seit Anfang 2019 testet die Plattform Werbeanzeigen. Daneben gibt es Videofilter und Challenges, die von Unternehmen gesponsert werden können. Zum Ansehen der Videos wird kein Account benötigt. Offiziell ist die App erst ab 13 Jahren und bei Minderjährigen mit dem Einverständnis der Eltern erlaubt.

Wie funktioniert TikTok?

Bei TikTok können Nutzer fünfzehn- bis sechszigsekündige Videos hochladen und diese dann mit diversen Filtern, Spezialeffekten und Musik bearbeiten. Neben Karaoke und Tanz-Videos sind Clips beliebt, die auf andere Videos reagieren, sogenannte Duette. Auch Challenges, bei denen die User ein Thema oder eine Aufgabe vorgegeben bekommen, finden sich auf der Plattform. Das Unternehmen sagt über sich selbst: "TikTok ermöglicht es Menschen, ihre Kreativität auszuleben und ermutigt seine Nutzer, ihre Leidenschaft und ihre Persönlichkeit in ihren Videos mit anderen zu teilen".

Wem gehört TikTok?

TikTok gehört der chinesischen Firma Bytedance mit Sitz in Peking. 2017 kaufte Bytedance-Inhaber Zhang Yimin die App Musical.ly und baute diese zu TikTok um. Es ist die erste App eines chinesischen IT-Unternehmens, die weltweit erfolgreich ist. Für den chinesischen Markt gibt es eine eigene App mit dem Namen Douyin.

Ist TikTok sicher?

Accounts und Videos, die auf TikTok hochgeladen werden, sind zunächst für alle öffentlich sichtbar. In den Einstellungen lässt sich das Konto allerdings auf privat umstellen. Kontrovers ist der Umgang der Plattform mit den Daten ihrer Nutzer.

In einer Klage gegen Bytedance wird dem chinesischen Konzern vorgeworfen, Daten auf chinesischen Servern zu speichern und die Videos zu nutzen, um Menschen über die Gesichtserkennung verfolgen zu können. Das Unternehmen schreibt dazu auf Nachfrage von t-online.de: "Nutzerdaten von TikTok werden in den USA und Singapur gespeichert und verarbeitet. Daten, die wir erheben, unterliegen zu keinem Zeitpunkt chinesischer Gerichtsbarkeit. Darüber hinaus haben wir ein eigenes Team, das daran arbeitet, robuste Cybersecurity-Richtlinien sowie Daten- und Sicherheitsverfahren einzuhalten". 

Laut Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" verfolgt TikTok über Nutzer-IDs, wer ein Video teilt und wer es sich angesehen hat. Auch spezifische Daten zu den genutzten Smartphones liest die App mit und kann so ein sehr genaues Nutzerprofil erstellen und damit in Zukunft personalisierte Werbung schalten.

Derweil untersucht die US-Regierung, ob TikTok zur Spionage seitens der chinesischen Regierung genutzt werden kann. TikTok widerspricht den Vorwürfen.

Illegal gespeicherte Daten

Die App wird auch für ihren Umgang mit den Daten Minderjähriger kritisiert. Die Nutzer von TikTok sind jünger als bei anderen Plattformen, teilweise sogar unter dreizehn. Dafür wurde die Plattform schon häufiger kritisiert. Sie kontrolliere nicht ausreichend das Alter der Nutzer, so der Vorwurf. Hinzu kommt, dass die US-Aufsichtsbehörden gegen Bytedance, beziehungsweise die Vorgängerversion Musical.ly, eine Millionenstrafe verhängt haben.

5,7 Millionen US-Dollar soll Bytedance zahlen, da sie illegal Bilder, Sprachaufzeichnungen und Geodaten von Kindern unter dreizehn gespeicherten hatten. TikTok antwortet auf Nachfrage von t-online.de, dass "das Alter einer Person im Rahmen des Registrierungsprozesses angegeben werden muss. Personen, die unter 13 Jahre alt sind, können bei TikTok kein Profil erstellen".

Diskriminierung und Zensur?

Neben dem Datenschutz wird TikTok wegen seines Umgangs mit Minderheiten kritisiert. Auch wird dem Unternehmen häufig Zensur vorgeworfen. Laut einer Analyse der Moderationsrichtlinien seitens "Netzpolitik.org" beschneidet TikTok die Reichweite von Menschen mit Behinderung mit der Begründung, dass diese Personengruppen Opfer von Mobbing werden könnten.

TikTok will dadurch diese Gruppen angeblich schützen. Tatsächlich sollen die Moderatoren Videos, auf denen Menschen zu sehen sind, die Anzeichen für Autismus oder das Downsyndrom zeigen, in die Risikogruppe vier einstufen. Das führt dazu, dass diese Videos nicht mehr im Feed von Nutzern auftauchen und somit kaum noch zu sehen sind.

Moderationsregeln von Tiktok. (Quelle: Netzpolitik.org)Moderationsregeln von Tiktok. (Quelle: Netzpolitik.org)

Organisationen, die sich für die Rechte von Behinderten einsetzen, kritisieren diese Richtlinien als "übergriffig". Auch führe TikTok laut "Netzpolitik.org" eine Liste mit Accounts, die entsprechend in der Reichweite eingeschränkt sind. Dabei handele es sich vor allem um Accounts von Menschen, die übergewichtig sind, oder sich als LGTBQI outen.

TiktTok bestätigt dieses Vorgehen und versichert gegenüber t-online.de, die Regeln mittlerweile geändert zu haben. "Diese Regelung war nie für einen langfristigen Zeitraum gedacht und während wir damit gute Absichten verfolgten, wurde uns schnell klar, dass dieser Ansatz zu weitgehend war. Aus diesem Grund haben wir sie durch eine neue, differenzierte Regelung zur Bekämpfung von Mobbing ersetzt".

TikTok wird darüber hinaus politische Zensur vorgeworfen. Ein Video der 17-jährigen Feroza Aziz wurde vorübergehend gelöscht. In dem Video prangert sie die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang an. Nach Kritik entschuldigte sich die Plattform.

Doch auch andere Themen wie das Tiananmen Massaker lassen sich auf TikTok nicht finden, wie eine Untersuchung der Welt am Sonntag zeigt. Ebenfalls gibt es nur wenige Videos zu den Hongkong-Protesten auf der Plattform, die auch in den Zugriffszahlen zumeist unter 100 liegen. Eine Ausnahme ist das Video der Tagesschau.

Tiktok- und Instagram-Screenshots vom 04.12.2019. (Quelle: t-online.de)Tiktok- und Instagram-Screenshots vom 04.12.2019. (Quelle: t-online.de)

Sucht man beispielsweise nach Videos des Hongkong-Aktivisten Joshua Wong, so werden bei TikTok keine Videos angezeigt, im Gegensatz zu Instagram, die dem amerikanischen Facebook-Konzern gehört und eine ähnliche junge Zielgruppe anspricht. TikTok bestreitet auf Nachfrage, dass diese Inhalte gelöscht werden. Auf die Frage, ob die Videos auch in der Reichweite eingeschränkt werden äußerte sich das Unternehmen nicht explizit.

Auf ihrer Website schreibt das Unternehmen dazu: "TikTok moderiert keine Inhalte basierend auf politischen Angelegenheiten oder Sensitivitäten. Unsere Moderationsentscheidungen werden von keiner ausländischen Regierung, auch nicht der chinesischen Regierung, beeinflusst. Wir entfernen oder stufen keine Videos von Hongkonger Protesten herab und auch nicht von Aktivisten".

Verwendete Quellen:

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