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Netflix-Film "Cuties": Pädophilie-Vorwurf – Nutzer drohen mit Kontolöschung

Pädophilie-Vorwurf  

Aufregung um Netflix-Film "Cuties"

11.09.2020, 11:16 Uhr | str, t-online

Netflix-Film "Cuties": Pädophilie-Vorwurf  – Nutzer drohen mit Kontolöschung. Die Hauptdarstellerinnen der Netflix-Serie "Cuties": Das Plakat zur Serie löste Entsetzen bei vielen Zuschauern aus.  (Quelle: AP/dpa/Netflix)

Die Hauptdarstellerinnen der Netflix-Serie "Cuties": Das Plakat zur Serie löste Entsetzen bei vielen Zuschauern aus. (Quelle: Netflix/AP/dpa)

Hunderttausende Netflix-Nutzer drohen damit, ihr Abo zu kündigen und fordern mit einer Petition die Löschung eines preisgekrönten Sozialdramas. Grund der Aufregung ist das Plakat zu dem Film, in dem Kinder die Hauptrolle spielen. 

Der französische Film "Cuties" (Originaltitel: "Mignonnes") handelt von 11 Jahre alten Mädchen. Die Zuschauer aber sollen laut der Altersfreigabe mindestens 18 Jahre alt sein. Denn: Der Film thematisiert die Sexualisierung kleiner Mädchen in Gesellschaft und Popkultur und geht dabei ziemlich schonungslos mit dem eigenen Sujet um. Mit anderen Worten: Es gibt freizügige Szenen, die angesichts des jungen Alters der Darstellerinnen nur schwer zu ertragen sind. 

Der Film ist preisgekrönt. Doch manche Kritiker sehen die Grenze zur Kinderpornografie überschritten. Vor allem ein Filmplakat schlug für viele Netflix-Kunden in den USA dem Fass den Boden aus: Darauf posieren die Mädchen in knapper Kleidung und sexy Popstar-Attitüde. 

Netflix räumt Fehler ein

Das Plakat löste bereits im August Entsetzen aus. Netflix entschuldigte sich für die Bildauswahl und räumte ein, dass es dem durchaus kritischen und vielschichtigen Sozialdrama nicht gerecht werde. Inzwischen wird der Film auf Netflix mit einer Szene illustriert, in der die Mädchen ausgelassen durch die Straßen tanzen.

Den empörten Netflix-Kritikern genügt das offenbar nicht. Sie fordern, dass der Film verbannt wird. Doch eine entsprechende Petition blieb ohne Erfolg. Seit dem 9. September ist der Film auf Netflix verfügbar. Kurz darauf trendete der Boykott-Aufruf "CancelNetflix" ("kündigt Netflix") auf Twitter. Noch am Freitagmorgen tobt die Debatte über die Grenzen der Kunstfreiheit und die sogenannte "Cancel Culture". Dabei geht es aber offenbar weniger um den Inhalt des Films, sondern um das misslungene Marketing durch Netflix. 

"Beste Regie" beim Sundance Film Festival 

Der Film handelt von der elfjährigen Amy, die in einer muslimischen Migrantenfamilie aufwächst. Doch dann schließt sie sich einer Tänzerinnen-Truppe mit gleichaltrigen Mädchen an und nimmt deren aufreizenden Kleidungs- und Lebensstil an – als eine Form der Rebellion gegen Konservatismus und Patriarchat. Es ist eine klassische "Coming-of-Age"-Erzählung, die allerdings ein krasses Schlaglicht auf die durch die Popkultur geförderte Hypersexualisierung junger, weiblicher Körper wirft. 

Laut der "Internet Movie Database" enthält der Film unzählige freizügige Szenen. Im Trailer sieht man die Mädchen häufig anzüglich tanzen. Nichts davon ist neu: Man kennt Stil und Bewegungen aus unzähligen Musikvideos. Doch das extrem junge Alter der Darstellerinnen löst bei den meisten Zuschauern Unbehagen aus – und das ist wohl auch so beabsichtigt. 

Eine Kampagne von rechts?

Der Film mit dem Originaltitel "Mignonnes" brachte der französisch-senegalesischen Filmemacherin MaÏmouna Doucouré den Preis für die beste Regie beim diesjährigen Sundance Film Festival ein. In einem Netflix-Clip erklärt die Macherin, was sie zu dem Film bewegt hat. 

Unterstützung erhalten Netflix und die Filmemacherin vor allem von liberaler Seite. Die Empörungswelle im Netz sei vor allem auf eine Kampagne durch rechtskonservative Kreise zurückzuführen, heißt es. Wer den Film und seine Hintergründe kenne, könne die Pädophilie-Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Nichtsdestotrotz droht Netflix finanzieller Schaden, wenn tatsächlich hunderttausende Kunden ihr Abo kündigen sollten. Laut dem konservativen US-Politiker Omar Navarro sollen bereits 600.000 Menschen die Petition gegen den Film unterschrieben haben. Bei einer monatlichen Abogebühr von 12,99 US-Dollar bringen sie dem Unternehmen 7,8 Millionen Dollar ein, rechnet Navarro vor.

Netflix machte allein im zweiten Quartal 2020 einen Umsatz von 6,15 Milliarden US-Dollar. Weltweit haben laut Statista rund 193 Millionen Nutzer ein kostenpflichtiges Abo bei dem Streamingdienst abgeschlossen. 

Verwendete Quellen:

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