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St. Petersburg: Insider berichtet aus russischer Trollfabrik


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Sextape mit Hillary und Obama – von Amateuren produziert

Von ap
Aktualisiert am 22.02.2018Lesedauer: 4 Min.
Ein "Business-Center" in St. Petersburg: hier soll sich die Trollfabrik befinden.
Ein "Business-Center" in St. Petersburg: hier soll sich die Trollfabrik befinden. (Quelle: Reuters-bilder)
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Im Fokus des US-Sonderermittlers Mueller stehen Internet-Propagandisten aus Sankt Petersburg. Viele ihrer Kampagnen waren offenbar amateurhaft – so auch ein angebliches "Sextape".

Vom gefälschten Sextape mit führenden Demokraten bis zur Facebook-Seite, auf der in schlechtem Englisch für eine Abspaltung von Texas geworben wird – die Ideen der russischen "Trolle" kannten keine Grenzen. Ziel soll gewesen sein, die Bevölkerung der USA zu spalten und so die Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Ein genauerer Blick lässt aber vermuten, dass viele der Ideen selbst den leichtgläubigsten Internet-Nutzern zu blöd gewesen sein dürften.

Der in der Russland-Affäre eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller erhebt schwere Vorwürfe gegen die "Internet Research Agency" in Sankt Petersburg – auch unabhängig davon, ob enge Vertraute von US-Präsident Donald Trump mit deren Machenschaften in Verbindung gestanden haben könnten. Die bemerkenswertesten Auswüchse der berüchtigten "Trollfabrik" wurden allerdings von verschiedenen Medien sowie von ehemaligen Mitarbeitern publik gemacht.

Ex-Trolle berichten von amateurhaft geplanten Kampagnen

Einer von ihnen, Alan Baskajew, erzählte im vergangenen Jahr dem unabhängigen russischen TV-Sender Rain von einem Video, in dem ein falscher US-Soldat auf einen Koran schieße. Es seien sogar Schauspieler engagiert worden, um eine sexuelle Beziehung zwischen Barack Obama und Hillary Clinton vorzutäuschen. "Niemand hätte das geglaubt", sagte Baskajew lachend.

Die Existenz des angeblichen Pseudo-Sextapes konnte bei Recherchen der Nachrichtenagentur AP nicht bestätigt werden. Wohl aber fand sich das besagte Video mit dem Koran, gepostet in einem amerikanischen Waffen-Forum im September 2015. Dass es sich dabei um eine Fälschung handelt, ist jedoch mehr als offensichtlich: Die Uniform ist veraltet, der Helm ähnelt dem eines Radfahrers und das Englisch des vermeintlichen Soldaten ist so schlecht, dass kaum ein Wort zu verstehen ist. Der russische Dienst des britischen Senders BBC identifizierte den "Schauspieler" 2016 als einen Barkeeper aus Sankt Petersburg – ein Freund eines Angestellten der "Internet Research Agency".

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Das Büro des unabhängigen russischen Fernsehsenders "TV Doschd": Hier packte der ehemalige Troll Baskajew seine Geschichte aus.
Das Büro des unabhängigen russischen Fernsehsenders "TV Doschd": Hier packte der ehemalige Troll Baskajew seine Geschichte aus. (Quelle: Reuters-bilder)

Das "New York Times Magazine" berichtete 2015 über weitere Flops aus russischer Produktion. In einem Fall sollte mit Video-Material von einem angeblichen Terroranschlag des IS auf eine Chemiefabrik in Louisiana offenbar Panik verbreitet werden. In einem anderen Beispiel wird eine Schießerei in Atlanta simuliert – und zwar so, dass Erinnerungen an die Tötung des schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch einen Polizisten geweckt werden, was 2014 in Ferguson in Missouri gewaltsame Proteste zur Folge gehabt hatte.

Keine Anklage gegen die Trollfarbiken

In der Anklageschrift von Mueller gegen 13 russische Staatsbürger werden sie zwar nicht erwähnt, aber derartige Amateurvideos wurden auch noch während des Wahlkampfs 2016 veröffentlicht. Das amerikanische Online-Portal "The Daily Beast" konnte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben nachweisen, dass die beiden Mitglieder eines auf Youtube präsenten Rap-Duos namens "Williams and Kalvin" in Wahrheit Agenten einer russischen "Troll"-Operation waren.

In ihren Internet-Videos hatten die vermeintlich aus Atlanta stammenden Rapper – mit deutlichem nigerianischen Akzent – politische Botschaften verbreitet. Clinton wurde als Rassistin beschimpft. "Lasst uns für Trump stimmen, denn dieser Typ ist ein Geschäftsmann, er ist kein Politiker", sagte der, der sich als Williams ausgab. "Es ist an der Zeit, etwas zu verändern."

Trolle machen zahlreiche Rechtschreibfehler

Die "Trollfabrik" aus Sankt Petersburg schaffte es tatsächlich sogar, aus der Ferne Kundgebungen auf amerikanischem Boden zu organisieren. Meist blieb die Zahl der Teilnehmer allerdings sehr gering. Das dürfte auch mit der Qualität der Kampagnen zu tun haben. Denn während zum Teil zwar ein verblüffend hoher Aufwand betrieben wurde, waren die sprachlichen Kompetenzen der "Trolle" oft haarsträubend.

Selbst die als separatistisches Projekt gestaltete Facebook-Seite "Heart of Texas", die zu den beliebtesten der "Internet Research Agency" zählte, war voller Schreibfehler. In einem der Posts, die der Journalist Casey Michael später zusammenstellte, hieß es: "Hillary Clinton hinter Gittern ist ein Traum von Tausenden von Amerikanern und möge der Gott dieser Traum wird wahr" ("Hillary Clinton behind bars is a dream of thousands of Americans and may the god this dream come true"). An anderer Stelle schrieben die "Trolle": "Texas ist ein Himmel von Erde, ein Land geben zu uns von Herrgott selbst" ("Texas is a heaven of Earth, a land give to us by Lord himself"). Die russische Sprache kennt keine Artikel ("der"/ "die"/ "das"/ "ein"/ "eine"). Deswegen fällt es Russen schwer, diese im Englischen richtig zu setzen.

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Den Berichten Baskajews nach zu urteilen ist es wenig verwunderlich, dass die Qualität der Kampagnen oft zu wünschen übrig ließ. Der ehemalige "Trollfabrik"-Mitarbeiter sprach von Hauruck-Aktionen mit schlechter Internet-Verbindung, bei denen erstellte Fake-Profile immer wieder auch von den Facebook-Administratoren gelöscht wurden.

Wilde Parties bei den Nachtschichten

Und wenn die Manager abends das Büro verlassen hätten, seien die Mitarbeiter der Nachtschicht, die meisten Anfang zwanzig, vollkommen ausgeflippt, berichtete Baskajew. Über die Lautsprecher seien Hymnen der Terrormiliz IS ertönt und im Scherz habe man sich gegenseitig nationalistische ukrainische Parolen zugerufen. In der Anklageschrift von Mueller heißt es, die "Trollfabrik" habe auch Agenten in die USA geschickt. Das hatte Baskajew bereits im vergangenen Jahr dem Sender Rain bestätigt. Er gehe aber nicht davon aus, dass sie dort etwas erreicht hätten, betonte er. "Sie haben wahrscheinlich nur gesoffen und gefeiert."

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Verwendete Quellen
  • AP
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