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Smartphone statt Bargeld: Apple Pay und Google Pay im Test

Apple Pay und Google Pay  

Die wichtigsten Infos zum Bezahlen per Smartphone

18.12.2018, 16:02 Uhr | dpa

Smartphone statt Bargeld: Apple Pay und Google Pay im Test. Bei der Einrichtung von Apple Pay wird auf dem Gerät eine virtuelle Kreditkartennummer erzeugt: Die eigentliche Kartennummer erfahren Händler gar nicht mehr. (Quelle: dpa/Robert Günther)

Bei der Einrichtung von Apple Pay wird auf dem Gerät eine virtuelle Kreditkartennummer erzeugt: Die eigentliche Kartennummer erfahren Händler gar nicht mehr. (Quelle: Robert Günther/dpa)

Münzen, Karte oder Smartphone? Seit diesem Jahr können Kunden in Deutschland auch mit dem Handy bezahlen. Doch wie genau sieht das aus – und ist das wirklich praktischer als Bargeld?

Statistisch gesehen führt ein Durchschnittsverbraucher in Deutschland rund 107 Euro Bargeld mit sich – darunter sechs Euro in Münzen. Und fast jeder Erwachsene (98 Prozent) hat auch eine Plastikkarte zum Bezahlen in der Geldbörse stecken. Dabei handelt es sich meist um eine Girocard, die von den meisten Besitzern noch "EC-Karte" genannt wird, obwohl das System schon vor über zehn Jahren umbenannt wurde.

Ginge es nach den Wünschen von Apple-Pay-Chefin Jennifer Bailey bräuchten die Menschen auch hierzulande beim Bezahlen immer seltener das Portemonnaie zu zücken. Zum Schlussspurt im Weihnachtsgeschäft hat der iPhone-Konzern auch in Deutschland sein Smartphone-Bezahlsystem eingeführt.

Apple-Konkurrent Google ist bereits seit dem Sommer mit seinem System Google Pay im Markt. Doch wie funktionieren die beiden Bezahldienste im Vergleich mit dem liebsten Zahlungsmittel der Deutschen – dem Bargeld?

1. Mit welchen Kreditkarten kann man die Bezahldienste nutzen?

In der Praxis unterscheiden sich die beiden System nur in Details. Sowohl auf einem Android-Smartphone als auch auf dem iPhone ist eine Kredit- oder Debitkarte in wenigen Minuten hinzugefügt – vorausgesetzt, dass die jeweilige Karte auch unterstützt wird. Apple geht mit der Unterstützung der Deutschen Bank, der HypoVereinsbank, N26, Comdirect, American Express und sieben weiteren Banken und Finanzdienstleistern an den Start.

Bei Google sieht die Liste ähnlich aus, nur dass dort statt der Deutschen Bank die Commerzbank mit an Bord ist. Über PayPal können aber auch andere Girokonten mit dem Bezahlsystem verbunden werden. Bei Apple und Google kann man mit Hilfe der Guthabenkarte von VIM das Smartphone zum Bezahlen einsetzen.

2. Wo kann man mit dem Smartphone zahlen?

Das Aufrüsten des Smartphones zur virtuellen Geldbörse ist also eine vergleichsweise einfache Aufgabe. Doch wo kann man sie überhaupt einsetzen? Bargeld wird in Deutschland quasi überall akzeptiert. Cafés wie das "Public Coffee Roasters" in Hamburg, die nur noch Kartenzahlungen akzeptieren, sind hierzulande die absolute Ausnahme, während in Schweden oder China es gang und gäbe ist, dass Bargeldgeldzahlungen abgelehnt werden.

Den Smartphone-Bezahlsystemen kommt zugute, dass die Europäische Union bereits vor drei Jahren die Gebühren für Debit- und Kreditkarten entschieden gedeckelt hat. Danach führten auch Discounter wie Aldi, Lidl und Netto Kassenterminals ein, die nicht nur Kreditkarten akzeptieren, sondern auch kontaktloses Bezahlen mit Hilfe der Funktechnik NFC ermöglichen.

Quasi alle NFC-Terminals – und das sind mehr als 820.000 in Deutschland – können damit auch Zahlungen über Smartphones entgegennehmen. Manchmal erscheint hier noch eine Fehlermeldung. Das sollte sich aber mit Updates in den kommenden Wochen erledigen.

3. Wie sieht das Bezahlen mit Google Pay und Apple Pay aus?

An der Kasse erntet man derzeit manchmal noch kritische Blicke, wenn man statt der gewohnten Plastikkarte das Smartphone oder gar die Smartwatch an das Terminal hält. Dabei ist insbesondere die Apple Watch besonders praktisch. Die muss man nur morgens einmal entsperren, danach kann man sie ohne weitere Legitimationsnachweise zum Zahlen verwenden. An der Kasse tippt man doppelt auf den Knopf an der Seite der Apple Watch, danach ist sie eine Minute lang für den Bezahlvorgang scharf geschaltet.

Auf dem iPhone muss man dagegen jede Zahlung mit dem Fingerabdruck (TouchID), der Gesichtserkennung (FaceID) oder der iPhone-PIN bestätigen. Ähnlich bequem funktioniert das auch bei Android-Smartwatches von Fossil, Diesel, Armani, Michael Kors, Skagen und einigen anderen Marken.

Eine Kundin hält ihr Smartphone ohne Berührung an das Bezahlgerät: Zahlreiche Banken unterstützen die mobilen Bezahldienste. (Quelle: dpa/Apple Inc.)Eine Kundin hält ihr Smartphone ohne Berührung an das Bezahlgerät: Zahlreiche Banken unterstützen die mobilen Bezahldienste. (Quelle: Apple Inc./dpa)

Die Blicke der Kassierer hellen sich schnell wieder auf, wenn sie sehen, wie flott man mit dem Smartphone oder der Smartwatch den fälligen Betrag beglichen hat – deutlich schneller jedenfalls, als man Schein und Münzen passend aus der Geldbörse kramen kann.

Google Pay setzt dabei die Bedienungshürde noch etwas niedriger als Apple an. Auf einem Android-Smartphone mit NFC-Chip werden Beträge bis 25 Euro in der Regel ohne zusätzliche Erkennungsmethode freigegeben, so wie bei einer kontaktlosen Kredit- oder Debitkarte. Bei höheren Beträgen werden aber auch auf den Android-Phones Fingerabdruck, PIN oder die Gesichtserkennung fällig.

4. Wie sicher ist das Bezahlen mit dem Smartphone?

Bei der Sicherheit müssen sich Apple Pay und Google Pay nicht hinter anderen Bezahlverfahren verstecken, ganz im Gegenteil. Bei beiden System werden nicht die eigentlichen Kreditkartendaten gespeichert und an den Händler übertragen, sondern nur eine Token genannte virtuelle Kreditkartennummer. Damit können die Daten auch nicht ausgespäht und für Betrugsversuche missbraucht werden.

Sollte das Smartphone gestohlen werden, löscht die Bank nur das virtuelle Gegenstück der Karte und muss nicht die eigentliche Kreditkarte sperren. Und auch der Vergleich zum Bargeld fällt hier zugunsten der Smartphones aus. Wird eine Geldbörse gestohlen, sieht man sein Geld in der Regel nie wieder.

5. Ist die Privatsphäre geschützt?

Wie sieht es bei den verschiedenen Bezahlverfahren mit dem Schutz der Privatsphäre aus? Hier gilt das Bargeld als unschlagbar, weil es zumindest beim Bezahlen gar keine Spuren hinterlässt. Auf dem Kontoauszug sieht man nur, wo man Geldscheine abgehoben hat.

Beim Bezahlen mit dem Smartphone wird die Anonymität immerhin gegenüber dem Händler gewahrt. Er erfährt nur, dass der Betrag freigegeben wurde und ist nicht in der Lage, die Daten für eine Profilbildung auszuwerten. Voll im Bild ist dagegen die Kreditkartengesellschaft oder die jeweilige Bank.

Apple betont, dass sie gar keine Details sehen, sondern lediglich den Datenstrom verschlüsselt durchleiten. "Wenn du mit einer Bankkarte bezahlst, speichert Apple Pay keine Daten zu deiner Transaktion, die auf dich zurückzuführen sind", heißt es im Supportdokument. Google weist seine Kunden dagegen darauf hin, dass bei jeder Transaktion über Google Pay etliche Daten erfasst werden können. Wer sich daran stört, sollte Google Pay besser nicht einsetzen.




6. Wie sieht es mit den Kosten aus?

Für die Verbraucher ist die Nutzung von Apple Pay oder Google Pay kostenlos. Und auch bei den Händlern fallen keine Zusatzkosten an. Der iPhone-Hersteller verlangt jedoch von den Banken Geld. Wie viel Apple kassiert, ist ein Branchengeheimnis. Für die USA gehen Experten von 0,15 Prozent der Transaktionssumme aus, in Europa dürfte der Wert niedriger sein, weil der zu verteilende Gebührenkuchen insgesamt deutlich kleiner ausfällt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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