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Lebensversicherung kündigen oder nicht? Das sollten Sie wissen

Fallstricke beachten  

Lebensversicherung kündigen? Das sind die Alternativen

29.06.2020, 12:01 Uhr | sm, t-online.de

Lebensversicherung kündigen oder nicht? Das sollten Sie wissen. Ein älteres Paar bespricht sich: Nicht immer ist eine Auszahlung der Lebensversicherung möglich. (Quelle: Getty Images/Mladen Zivkovic)

Ein älteres Paar bespricht sich: Nicht immer ist eine Auszahlung der Lebensversicherung möglich. (Quelle: Mladen Zivkovic/Getty Images)

Wer seine Lebensversicherung kündigen und sich auszahlen lassen möchte, erlebt häufig eine böse Überraschung. Der erhoffte Geldsegen entpuppt sich als viel kleiner als erwartet. Doch es gibt Alternativen.

Lange Zeit galten Lebens- oder Rentenversicherungen als solide und auch lukrative Bausteine der Altersvorsorge. Vier Prozent Zinsen samt Überschussbeteiligung überzeugten viele von der zusätzlichen privaten Rentenvorsorge. In der andauernden Niedrigzinsphase wurde jedoch der Garantiezins nach und nach gesenkt. Und auch an den Überschüssen werden die Kunden heute anders beteiligt als früher. So mancher Kunde überlegt, seine Versicherung zu kündigen. Das ist nicht in jedem Fall angeraten. Zudem gibt es Alternativen.

Arten der Lebensversicherung

Es gibt verschiedene Lebensversicherungen, die als ein Baustein der Altersvorsorge angeboten werden. Je nach Art werden sie rechtlich verschieden gehandhabt:

Bei einer Risikolebensversicherung ist eine Auszahlung grundsätzlich nicht möglich. Die Versicherungssumme wird nur im Todesfall des Versicherungsnehmers an dessen Hinterbliebene ausgezahlt.

Anders sieht es bei einer Kapitallebensversicherung aus. Hier wird mit den Beiträgen ein Kapital aufgebaut, das nach der Vertragslaufzeit zum Beispiel als private Altersvorsorge oder als Einmalzahlung ausgezahlt werden kann.

Niedrige Garantieverzinsung

Lebensversicherungen laufen über einen sehr langen Zeitraum. Ihre Verzinsung setzt sich aus dem Garantiezins und den Überschussbeteiligungen zusammen.

Der Garantiezins ist der Zinssatz, den die Versicherer ihren Kunden maximal auf den Sparanteil am Versicherungsbeitrag zusagen dürfen. Er wird bei Vertragsabschluss festgelegt und bleibt über die Laufzeit gleich. Da dieser garantiert wird, müssen die Gelder besonders sicher angelegt werden. Seit dem 1. Januar 2017 liegt der Garantiezins bei 0,9 Prozent – recht wenig im Vergleich zu früheren Hochzinsen. Das macht vor allem Altverträge weiterhin interessant.

Anders sieht es mit der Überschussbeteiligung aus. Sie ist nicht garantiert und hängt vom Anlageerfolg des Versicherungsunternehmens am Kapitalmarkt ab. Über die Höhe der Überschussbeteiligung entscheidet der Versicherer je nach Markt- und Wirtschaftslage sowie nach dem eigenen Anlageerfolg jedes Jahr neu.

Hohe Abschlussgebühren

Vor einer Kündigung gibt es verschiedene Punkte zu bedenken: Zum Beispiel die Abschlussgebühren bei Unterzeichnung der Vertragsunterlagen. Sie verteilen sich nicht prozentual über die Laufzeit des Versicherungsvertrages, sondern werden zu Vertragsbeginn mit den ersten Beiträgen verrechnet. Das bedeutet: Man sammelt in den ersten Jahren kaum Kapital an.

Aus diesem Grund liegt bei einer frühzeitigen Kündigung die Auszahlungssumme unter der Summe der bisher gezahlten monatlichen Beiträge. Hinzu kommt die Stornierungsgebühr und damit ein weiterer Kostenpunkt. Das heißt im Endeffekt: Die frühe Kündigung ist in der Regel ein Minusgeschäft.

Besteuerung der Rendite

Werfen wir einen Blick auf die Rendite: Eine angemessene Rendite lässt sich aus Steuersicht zumeist nur erwarten, wenn die Lebensversicherung frühzeitig abgeschlossen wurde und die festgelegte Laufzeit erreicht ist. Das liegt nicht nur an der niedrigen Verzinsung, sondern auch an der Besteuerung der Erträge durch den Staat.

Wichtig: Der Ertrag ist die Differenz zwischen den eingezahlten Beiträgen und der Versicherungssumme.

Steuerliche Vorteile werden nur unter bestimmten Voraussetzungen bei der Auszahlung gewährt. Der wesentliche Faktor hier: Der Zeitpunkt des Versicherungsabschlusses.

Verträge sind steuerfrei, wenn:

  • Abschluss bis 31.12.2004
  • Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr
  • Mindestlaufzeit von 12 Jahren
  • Summe wird in einem Betrag ausgezahlt

Verträge sind zur Hälfte steuerfrei, wenn:

  • Abschluss ab 01.01.2005
  • Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr
  • Mindestlaufzeit von 12 Jahren
  • Summe wird in einem Betrag ausgezahlt

Der steuerliche Vorteil entfällt, wenn die Lebensversicherung verkauft oder zur Begleichung von Forderungen abgetreten wird. Anders ist die Situation beim Rückkauf der Lebensversicherung durch die Versicherungsgesellschaft – wie bei einer Kündigung durch den Versicherungsnehmer. Sind zudem die oben genannten Bedingungen erfüllt, bleibt die steuerliche Begünstigung der Erträge erhalten.

Exkurs: Kapitalertragsteuer

Trotz Steuerbefreiung behält der Versicherer automatisch die Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 Prozent auf den Kapitalertrag ein und führt diese an das Finanzamt ab. Die zu viel entrichtete Kapitalertragsteuer können die Versicherten nur über die Abgabe einer Steuererklärung geltend machen. Allerdings gilt dann nicht mehr zum Beispiel der hälftige Steuersatz von 25 Prozent, sondern der individuelle Steuersatz des Steuerpflichtigen. Dies kann selbst bei Steuerpflichtigen mit einem hohen Einkommen günstiger sein und zu einer Steuererstattung führen.

Hier kommt auch der Sparerpauschbetrag ins Spiel: Dieser steht jedem Steuerpflichtigen in Höhe von 801 Euro (bei Zusammenveranlagten 1.602 Euro) zur Verfügung. Die Verrechnung des Sparerpauschbetrages bei der Lebensversicherung ist oftmals günstiger als bei den sonstigen Kapitalerträgen, die der Abgeltungsteuer unterliegen.

Alternativen zur Auszahlung der Lebensversicherung

Verkauf der Lebensversicherung

Eine Alternative zur Kündigung ist, die Lebensversicherung auf dem sogenannten Zweitmarkt zu verkaufen. Voraussetzung ist, die Police stammt von einem deutschen Versicherer. Der Käufer übernimmt den Versicherungsvertrag mit allen Rechten und Pflichten. Er zahlt die monatlichen Raten und kann später von der am Vertragsende ausgezahlten Überschussprämie profitieren. Der Vorteil für den Verkäufer liegt unter anderem in einem höheren Verkaufspreis als bei einer Kündigung und dem Wegfall der Stornogebühr. Wichtig ist dabei, darauf zu achten, dass beim Verkauf und der Übernahme des Versicherungsvertrages keine Gebühren anfallen.

Wichtig: Verkaufswillige sollten darauf achten, dass der Aufkäufer Mitglied im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt ist.

Beitragsfreistellung

Eine weitere Alternative zur Kündigung ist die Beitragsfreistellung: Ist zum Beispiel ein finanzieller Engpass der Grund für den Kündigungswunsch, kann man die Versicherung auch betragsfrei stellen lassen. Die monatlichen Raten werden dann für einen bestimmten Zeitraum, gegebenenfalls bis zum Ende der Laufzeit, ausgesetzt. Das bis dahin eingezahlte Kapital wird weiter verzinst.

Beleihung

Eine weitere Möglichkeit ist die Beleihung des Rückkaufswerts. Dabei nimmt der Versicherungsnehmer ein Darlehen auf seine Lebensversicherung auf. Dieser Schritt sollte allerdings gut überlegt sein. Das Darlehen wird auf das eigens angesparte Geld aufgenommen. Dafür werden in der Regel höhere Zinsen fällig (Darlehenszinsen) als im Zuge des Versicherungsvertrages gezahlt werden (Garantiezins). Übrigens: Einen Rechtsanspruch auf die Beleihung einer Lebensversicherung gibt es nicht.

Rückabwicklung bei fehlerhafter Widerspruchsbelehrung

Statt einer Kündigung kann auch eine Rückabwicklung geprüft werden – vor allem auf Grundlage formaler Fehler wie einer unwirksamen Widerspruchsbelehrung. Das war häufig bei Lebens- als auch Rentenversicherungen der Fall, die zwischen Juli 1994 und Ende 2007 abgeschlossen wurden – einschließlich Riester- und Rürup-Verträgen.

Fehlerhafte Widerspruchsbelehrung: Unwirksame Widerspruchsbelehrungen enthalten oft Formulierungen, nach denen ein Widerspruch innerhalb einer bestimmten Frist eingehen und auf postalischem Weg – also in Schriftform – erfolgen muss. Oftmals heben sich die Widerspruchsbelehrungen auch nicht ausreichend vom übrigen Text ab.

Aufgrund der Unwirksamkeit der Klauseln erlischt laut Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) das Widerrufsrecht der Kunden nicht und kann jederzeit geltend gemacht werden (AZ: IV ZR 76/11). Auch nach dem Ende des Versicherungsvertrages können bei einer fehlerhaften oder unvollständigen Widerspruchsbelehrung noch bis zu Tausende Euro drin sein.

Rückabwicklung: Die Versicherungsnehmer erhalten bei einer Rückabwicklung ihres Vertrages ihre eingezahlten Prämien samt angelaufenen Zinsen sowie die Abschluss- und Verwaltungsgebühren zurück. Die Summe für den Versicherungsschutz darf der Versicherer einbehalten.

 

 
Wann sich eine Auszahlung lohnen kann

Eine vorzeitige Auszahlung der Lebensversicherung lohnt sich grundsätzlich nur in wenigen Fällen. Ist der Versicherungsnehmer jedoch ständig im Dispo oder muss einen für die finanziellen Verhältnisse kostenintensiven Kredit bedienen, macht das Halten einer Lebensversicherung wenig Sinn.

Verwendete Quellen:
  • Verbraucherzentrale Hamburg
  • Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine
  • Initiative Marktwächter Finanzen
  • Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
  • Bund der Versicherten (BDV)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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