Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Beruf & Karriere >

Arbeitszeugnis anfordern: Diese Fristen sollten Sie einhalten

Antrag, Fristen, Korrekturen  

So lassen Sie sich ein Arbeitszeugnis ausstellen

Von Caroline Benzel

30.12.2020, 14:42 Uhr
Arbeitszeugnis anfordern: Diese Fristen sollten Sie einhalten. Arbeitszeugnis: Automatisch bekommen Arbeitnehmer das Dokument nicht. (Quelle: dpa/tmn/Andrea Warnecke)

Arbeitszeugnis: Automatisch bekommen Arbeitnehmer das Dokument nicht. (Quelle: Andrea Warnecke/dpa/tmn)

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht auf ein Arbeitszeugnis, sobald das Arbeitsverhältnis endet. Der Arbeitgeber muss das Zeugnis aber nicht automatisch ausstellen. Was Sie beachten sollten.

Arbeitszeugnisse zu deuten ist eine Wissenschaft für sich. Formulierungen wie "volle Zufriedenheit" statt "vollste Zufriedenheit" können ebenso zu Rechtsstreitigkeiten führen, wie Arbeitgeber, die sich weigern, ein Arbeitszeugnis auszustellen.

Wir erklären, welche Fallstricke sonst noch lauern, was der Unterschied zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Arbeitszeugnis ist und wann Sie ein Recht auf Änderungen haben.

Hat der Arbeitnehmer das Recht auf ein Arbeitszeugnis?

Viele Arbeitnehmer haben den Irrglauben, dass sie nach Ende ihrer Beschäftigung automatisch ein Arbeitszeugnis bekommen. Dem ist allerdings nicht so.

Richtig ist, dass jeder Beschäftigte laut Bürgerlichem Gesetzbuch das Recht hat, ein Arbeitszeugnis zu bekommen – das muss aber angefordert werden, wenn der Arbeitgeber nicht von sich aus aktiv wird.

Gut zu wissen: Der gesetzliche Anspruch ein Arbeitszeugnis steht prinzipiell jedem zu, unabhängig, ob es sich um einen Festangestellten, einen Praktikanten oder einen Auszubildenden handelt. Auch befristet Beschäftigte oder Teilzeitangestellte haben dasselbe Recht auf ein Arbeitszeugnis wie eine Vollzeitkraft.

Was unterscheidet ein qualifiziertes Zeugnis von einem einfachen Arbeitszeugnis?

Üblich und aussagekräftig ist das so genannte qualifizierte Arbeitszeugnis. Hier werden nicht nur Angaben zur Dauer des Beschäftigungsverhältnisses und den grundsätzlichen Aufgaben des Angestellten gemacht, sondern auch Leistungen und das Sozialverhalten beurteilt. Für künftige Bewerbungen ist das qualifizierte Arbeitszeugnis in der Regel am aussagekräftigsten.

Anders das einfache Arbeitszeugnis: Hier steht wirklich nur drin, welche Tätigkeit der Arbeitnehmer über welchen Zeitraum ausgeübt hat. Ein solches Zeugnis empfiehlt sich eigentlich nur dann anzufordern, wenn schon klar ist, dass ein qualifiziertes Arbeitszeugnis negativ ausfallen wird.

Wann kann ich das Arbeitszeugnis beantragen?

Das Arbeitszeugnis sollten Sie schriftlich anfordern, sobald sie wissen, dass das Arbeitsverhältnis endet. Falls Sie selbst kündigen, können Sie das Zeugnis bereits in Ihrem eigenen Kündigungsschreiben beantragen. Ansonsten fragen Sie das Zeugnis an, sobald Sie wissen, dass ein Vertrag nicht verlängert wird oder Ihnen die Kündigung vorliegt.

Wie kann die Forderung aussehen?

Sie müssen keine lange Abhandlung schreiben, um ein Arbeitszeugnis anzufordern. Ein Muster könnte so aussehen:

  • "Sehr geehrte/r …., vom "XY" bis zum "XY" war ich bei Ihnen als "YZ" beschäftigt. Hiermit möchte ich Sie um die Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses bis zum "Frist setzen" bitten."

Eine Variante:

  • "Wie besprochen hänge ich Ihnen einen Entwurf des qualifizierten Arbeitszeugnisses als Word-Dokument an diese Mail. Dieser Entwurf muss lediglich noch um die Zeugnisbewertungen durch Sie ergänzt werden. Bei Rückfragen können Sie sich jederzeit an mich wenden. Ich freue mich darauf für die produktive und gute Zusammenarbeit der letzten Jahre ein entsprechendes Arbeitszeugnis zu bekommen."

Welche Fristen gelten?

Wenn Sie es versäumt haben, direkt nach dem Zeugnis zu fragen, haben Sie laut gesetzlicher Frist drei Jahre ab Ende Ihres Arbeitsverhältnisses Zeit, ein qualifiziertes Zeugnis zu bekommen. Das zumindest ist die gesetzliche Regelung. Wenn aber in Ihrem Arbeits- oder Tarif-Vertrag eine andere Frist steht, so hat diese Frist Vorrang.

Auch hat das Landesarbeitsgericht Hamm geurteilt, dass die Frist statt drei Jahren nur ein Jahr betragen kann, um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis zu bekommen (LAG Hamm vom 09.09.2000, Az.: 4 Sa 714/99).

Anders sieht es mit einem einfachen Arbeitszeugnis aus – das muss der Arbeitgeber ausstellen, solange noch Unterlagen zu dem Mitarbeiter vorliegen.

Wann kann ich ein Zwischenzeugnis anfordern?

Ein Zwischenzeugnis sollten Sie immer anfordern, wenn Sie die Gelegenheit dazu haben. Denn wenn Sie ein gutes Zwischenzeugnis haben, wird es später schwierig, ein weniger gutes Endzeugnis zu schreiben, falls Sie und das Unternehmen sich nicht im Guten trennen. Einen Anspruch haben Sie indes nur, wenn ein triftiger Grund vorliegt.

Dazu gehören etwa der Wechsel des Vorgesetzten, eine Versetzung innerhalb des Unternehmens oder eine Beförderung. Auch wenn Sie eine Weiterbildung machen oder betriebliche Umstrukturierungen anstehen, ist es Zeit für ein Zwischenzeugnis.

Das gilt auch, wenn sie eine längere Pause aufgrund von Elternzeit oder eines Sabbaticals einlegen. Auch wenn Sie sich auf eine neue Stelle bewerben, können Sie ein Zwischenzeugnis anfordern, doch ist das in der Regel taktisch eher unklug.

Die meisten Arbeitgeber wissen, dass Sie aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus nicht direkt ein Zeugnis vorlegen können.

Wann hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Korrekturen?

Wenn der Name falsch geschrieben ist, falsche Aufgaben im Zeugnis stehen, Rechtschreibfehler auftauchen oder andere Formalien nicht richtig sind, dann kann der Arbeitnehmer eine Korrektur verlangen. Das gilt auch, wenn Leistungen nicht richtig angegeben oder bewertet worden sind.

Als maximale Frist für mögliche Korrekturen gilt in der Regel drei Jahre. Diese kann aber auch vorher verstreichen, etwa wenn das Unternehmen nicht mehr existiert. Es ist deshalb schlauer, Korrekturen möglichst schnell einzufordern.

Ist der Arbeitnehmer nicht bereit, die Korrekturen durchzuführen, dann empfiehlt es sich, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht aufzusuchen. Der kann einschätzen, wie erfolgsversprechend die Änderungswünsche sind und gegebenenfalls Klage vor dem Arbeitsgericht einreichen.

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Alba Modatchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal