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Lohnquote: Definition, Bedeutung & Berechnung

Lohnquote  

Wie gerecht ist das Einkommen in Deutschland verteilt?

01.08.2021, 15:51 Uhr
Lohnquote: Definition, Bedeutung & Berechnung. Eine Frau öffnet ihr Portemonnaie (Symbolbild): Die Lohnquote soll angeben, wie das Einkommen in Deutschland verteilt ist. (Quelle: dpa/tmn/Christin Klose)

Eine Frau öffnet ihr Portemonnaie (Symbolbild): Die Lohnquote soll angeben, wie das Einkommen in Deutschland verteilt ist. (Quelle: Christin Klose/dpa/tmn)

Bei Löhnen und Gehältern ist nicht nur die Frage der absoluten Höhe entscheidend, sondern auch wie sich diese in der Gesellschaft verteilen. Um das zu zeigen, gibt es die Lohnquote. Doch das Konzept hat Grenzen.

Wenn die einen deutlich mehr haben als die anderen, kann das zum Problem werden. Ein Staat sollte deshalb darauf bedacht sein, dass es bei der Bezahlung gerecht zugeht – auch was die Verteilung angeht.

Dafür nutzt er unter anderem eine ökonomische Kennzahl: die Lohnquote. Wir erklären, was sie genau misst, wie man sie berechnet und warum sie nur begrenzt aussagekräftig ist.

Was ist die Lohnquote?

Die Lohnquote, auch gesamtwirtschaftliche Lohnquote genannt, ist eine volkswirtschaftliche Kennziffer. Sie gibt an, welchen Anteil die Arbeitnehmerentgelte am gesamten Volkseinkommen haben. Zu Arbeitnehmerentgelten zählen Bruttolöhne und -gehälter sowie die Sozialbeiträge der Arbeitgeber.

Die Lohnquote verdeutlicht damit, wie sich das Volkseinkommen auf die Arbeitnehmer einerseits und die Bezieher von Unternehmens- und Vermögenseinkommen andererseits aufteilt. Sie kann somit ein Indikator dafür sein, ob das Einkommen in einem Land gerecht verteilt. Der Staat kann so erkennen, ob er Geld umverteilen sollte – etwa durch Steuererleichterungen für Arbeitnehmer oder höheres Arbeitslosengeld.

Bei der Lohnquote unterscheidet man zwischen Brutto- und Nettolohnquote. Die Bruttolohnquote betrachtet die Löhne vor Abzug der Steuern und Sozialabgaben, die Nettolohnquote die Löhne nach deren Abzug.

Das Gegenteil der Lohnquote ist die Gewinnquote, die vor allem sämtliche Einkünfte aus unternehmerischer beziehungsweise selbstständiger Tätigkeit erfasst. Darüber hinaus berücksichtigt sie aber auch viele Vermögenseinkünfte wie Erträge aus Aktien, Zinsen oder Mieteinkünfte, die auch Arbeitnehmer erwirtschaften. Eine Alternative zur Lohnquote ist die Arbeitseinkommensquote, die auch die aus Arbeit entstandenen Einkommen der Selbstständigen erfasst.

Wie aussagekräftig ist die Lohnquote?

Die Lohnquote ist nur begrenzt aussagekräftig und daher als Verteilungsmaßstab umstritten. Das hat mehrere Gründe. Zum einen berücksichtigt sie nicht die Einkommen von Selbstständigen und Freiberuflern

Das hat zur Folge, dass sie nur deshalb steigt oder fällt, weil der Anteil der Angestellten im Vergleich zu den Selbstständigen steigt oder fällt. Dabei hat sich an den Einkommensverhältnissen gar nichts geändert.

Um dieses Problem zu beheben, gibt es die bereinigte Lohnquote. Dabei wird die Lohnquote ermittelt, die sich ergeben würde, wenn das Verhältnis zwischen Selbstständigen und Angestellten konstant bleibt (Berechnung siehe unten). So lassen sich die Lohnquoten im Zeitverlauf besser vergleichen.

Problematisch an der Lohnquote ist darüber hinaus, dass auch Einkünfte aus Kapitalanlagen wie Zinsen, Dividenden, Vermietung oder Verpachtung nicht berücksichtigt werden. 

Auch Mischformen zählen nicht mit hinein, also Arbeitnehmer, die zum Beispiel nebenbei als Kleinunternehmer selbstständig sind. Eine Aussage über die Vermögensverteilung trifft die Lohnquote also nicht.

Wie berechnet man die Lohnquote?

Die Lohnquote in Prozent ergibt sich aus dem Verhältnis der Arbeitnehmerentgelte zum gesamten Volkseinkommen, multipliziert mit 100. Das Volkseinkommen, auch Nettonationaleinkommen genannt, ist die Summe aller Erwerbs- und Vermögenseinkommen, die die Deutschen binnen eines Jahres erzielt haben.

Lohnquote = Arbeitnehmerentgelt / Volkseinkommen x 100

Bei der bereinigten Lohnquote wird herausgerechnet, dass sich die Struktur der Erwerbstätigen verändert. Dazu wird die Zahl der Erwerbstätigen und der abhängig Beschäftigten auf ein sogenanntes Basisjahr standardisiert, also der Anteil der Arbeitnehmer an den Erwerbstätigen für ein frei ausgewähltes Jahr konstant gehalten.

Außerdem muss die Lohnquote für das sogenannte Berichtsjahr ermittelt werden, also für das Jahr, für das man die Lohnquote berechnen möchte. Daraus ergibt sich folgende Formel:

Bereinigte Lohnquote = (Arbeitnehmerentgelt im Berichtsjahr x Anzahl der Arbeitnehmer im Basisjahr / Anzahl der Arbeitnehmer im Berichtsjahr) / (Volkseinkommen im Berichtsjahr x Anzahl der Erwerbstätigen im Basisjahr / Anzahl der Erwerbstätigen im Berichtsjahr)

Um die bereinigte Lohnquote in Prozent zu erhalten, wird das Ergebnis wieder mit dem Faktor 100 multipliziert.

Wie hoch ist die Lohnquote in Deutschland?

Die Bundesbank ermittelt die Lohnquote in Deutschland einmal im Monat auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts. Im Jahr 2020 betrug sie 73,7 Prozent. 2019 lag sie bei 72 Prozent und 2018 bei 70,6 Prozent.

Historisch hat sich die Lohnquote nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst kontinuierlich erhöht. Das deutet darauf hin, dass die Zahl der Beschäftigten immer weiter gestiegen ist. Mit der Wiedervereinigung 1990 ging die Lohnquote etwas zurück, zog danach aber wieder an.

Um die Jahrtausendwende lag sie dann bei deutlich über 70 Prozent, fiel während der Finanzkrise 2008/2009 aber unter 65 Prozent, weil viele Menschen ihren Job verloren. Seitdem ging es wieder langsam nach oben; seit 2018 liegt die Lohnquote wieder oberhalb von 70 Prozent.

Im Corona-Jahr 2020 wuchs sie sogar auf fast 74 Prozent an. Dieser relativ starke Anstieg lässt sich damit erklären, dass die Unternehmens- und Vermögenseinkommen in der Krise sanken, während die Arbeitnehmerentgelte dank Maßnahmen wie dem Kurzarbeitergeld vergleichsweise blieben.

Welche Höhe der Lohnquote ist wünschenswert?

Es gibt kein ökonomisch "richtiges" Niveau der Lohnquote. Welche Höhe angemessen ist, ist stets eine politische Frage. Grundsätzlich aber gilt: Sinkt die Lohnquote, wandert Einkommen von abhängig Beschäftigten zu Unternehmern – und umgekehrt.

Wegen der strukturellen Probleme der Lohnquote (siehe oben) ist sie aber nur bedingt aussagekräftig. So muss beispielsweise ein niedriger Wert nicht zwangsläufig bedeuten, dass das Einkommen ungerecht verteilt ist. Denn auch ein Arbeitnehmer mit geringem Einkommen kann zum Beispiel Einkünfte aus Vermietung oder aus Kapitalanlagen wie Aktien haben. Diese zählen aber nicht in die Quote hinein.

Um die Einkommensverteilung zu messen, nutzen viele Ökonomen deshalb auch andere Kennziffern wie zum Beispiel den Gini-Koeffizienten, der sich zwischen null und eins bewegt. Sollte das gesamte Einkommen einer Volkswirtschaft in der Hand einer Person landen, hat der Gini-Koeffizient einen Wert von eins, bekommen alle gleich viel, hat er einen Wert von null.

Verwendete Quellen:

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