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Das Rentenniveau sinkt – ist meine Rente in Gefahr?

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 26.10.2020Lesedauer: 5 Min.
Rentensystem in Deutschland: Wie es derzeit noch funktioniert und warum es ein akutes Problem gibt. (Quelle: t-online)
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Oft heißt es in Deutschland, dass die Renten sinken. Ein zentraler Begriff in der Debatte ist das Rentenniveau. Doch was genau ist das eigentlich? Und kann ich von dem Rentenniveau auf meine persönliche Rente schließen?

Das Wichtigste im Überblick


Sei es beim Smalltalk beim BĂ€cker, im GesprĂ€ch mit Freunden in der Kneipe oder in Fernsehberichten – geht es um die Altersvorsorge, fĂ€llt ein Satz immer wieder: "Das Rentenniveau in Deutschland sinkt."

Doch was ist damit gemeint? Was ist das Rentenniveau ĂŒberhaupt?

Das Rentenniveau ist der zentrale Indikator dafĂŒr, wie sich die Rente eines Durchschnittsrentners im VerhĂ€ltnis zum Durchschnittseinkommen verhĂ€lt. Es handelt sich also um eine Prozentangabe. Deshalb gilt: RĂŒckschlĂŒsse auf die Höhe der persönlichen Rente können Sie anhand des aktuellen Rentenniveaus nicht ziehen.

Doch wozu ist das Rentenniveau dann gut? Wie hat es sich im Laufe der Zeit entwickelt? Und wie steht Deutschland im europÀischen Vergleich dar? t-online beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Rentenniveau.

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Was ist das Rentenniveau genau?

Das Rentenniveau zeigt das VerhÀltnis zwischen einer sogenannten Standardrente, auch Eckrente genannt, zum Einkommen eines aktuellen Durchschnittsverdieners an. Die Eckrente basiert auf der Regelaltersrente und gibt an, wie hoch die gesetzliche Rente eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren ist. Die Eckrente umfasst also genau 45 Entgeltpunkte.

Beim aktuellen Rentenniveau von rund 48 Prozent bedeutet das: Nach 45 Beitragsjahren erhalten Rentner mindestens 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes, der dann aktuell herrscht.

Sinkt das Rentenniveau, heißt das also nicht, dass die individuell ausgezahlte Rente sinkt (siehe unten). Es bedeutet lediglich, dass die Renten insgesamt langsamer steigen als die Verdienste.

Ist das Rentenniveau ein Netto- oder ein Bruttowert?

Das Rentenniveau wird als Nettowert vor Abzug von Steuern angegeben. Von der Standardrente werden die BeitrÀge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen; vom Durchschnittseinkommen die durchschnittlichen Abgaben zur Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung.

Steuern werden hingegen seit 2005 nicht berĂŒcksichtigt. Damals wurde auf die sogenannte nachgelagerte Besteuerung umgestellt – Renten werden seitdem nicht mehr einheitlich besteuert.

Wie hat sich das Rentenniveau in den vergangenen Jahren entwickelt?

Das Rentenniveau in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. So betrug es im Jahr 2000 noch 52,9 Prozent. 2011 lag es nur noch bei 50,1 Prozent. In den vergangenen fĂŒnf Jahren hat es sich aber bei rund 48 Prozent stabilisiert. Die Entwicklung des Rentenniveaus können Sie anhand dieser Grafik ablesen:

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Das Rentenniveau sinkt – sinkt auch meine Rente?

Nein. Das Rentenniveau ist vielmehr als statistische GrĂ¶ĂŸe zu betrachten – um zu verstehen, wie sich die Gesamtheit der Renten in Deutschland grundsĂ€tzlich entwickelt.

Auf die Höhe Ihrer persönlichen Rente können Sie vom Rentenniveau aus jedoch nicht schließen. Das heißt: Auch wenn das Rentenniveau sinken mag, kann es sein, dass Ihre eigene Rente dennoch steigt.

Diese hĂ€ngt von vielen verschiedenen Kriterien ab. Das wichtigste ist die Höhe der von Ihnen einst geleisteten BeitrĂ€ge, die sich an Ihrem Einkommen orientieren. Aber auch Erziehungszeiten spielen eine Rolle – oder ob Sie Zeit Ihres Lebens arbeitslos gewesen sind. Auch ist fĂŒr die Höhe Ihrer Rente wichtig, wann Sie genau in Rente gehen.

Warum sinkt das Rentenniveau?

Um zu verstehen, warum das Rentenniveau sinkt, ist es wichtig, zu wissen, was die Grundlage der gesetzlichen Rente in Deutschland ist, das sogenannte Umlageverfahren. Gemeint ist damit: Die heutigen Beitragszahler zahlen den jetzigen Rentnern die Rente. Wenn die jetzigen Beitragszahler selbst in Rente gehen, zahlen die kĂŒnftigen Beitragszahler ihre Rente. Deshalb spricht man auch von einem "Generationenvertrag".

Die Höhe der BeitrĂ€ge hĂ€ngt von den Einkommen der sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten ab. Je höher ihr Lohn, desto höher ist auch der Beitrag zur Rentenversicherung – und damit die Rente der Älteren, die nicht mehr arbeiten.

Die Rente steigt in der Regel aber nicht so stark wie die Löhne. Grund dafĂŒr ist, dass die Gesellschaft insgesamt Ă€lter wird. Die Folge davon: Es gibt immer weniger Beitragszahler – und dafĂŒr immer mehr Rentner. Kamen auf 100 Beitragszahler 2016 noch 48 Rentner, dĂŒrften es im Jahr 2045 nach einer Modellrechnung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) 70 sein.

Damit die Beitragszahler nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig belastet werden, sie also nicht immer mehr ihres Bruttolohns fĂŒr die Älteren abgeben mĂŒssen, senkt die Politik das Rentenniveau ab. Das heißt, die BeitrĂ€ge zur Rentenversicherung steigen nicht parallel zu den Löhnen. Die logische Konsequenz fĂŒr die Rentner: Langfristig haben Sie im Vergleich zum Durchschnittsverdiener weniger in der Tasche.

Wird das Rentenniveau weiter sinken?

Erst einmal nicht. Bis 2025 soll das Rentenniveau bei mindestens 48 Prozent gehalten werden. FĂŒr die Zeit danach hat die sogenannte Rentenkommission einige VorschlĂ€ge erarbeitet.

So soll das Rentenniveau aus Sicht dieses Gremiums nach 2025 zwischen 44 und 49 Prozent liegen. Ein Rentner soll nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst also mindestens 44 Prozent des Lohns erhalten, den die Beitragszahler zu diesem Zeitpunkt im Durchschnitt kassieren.

Gewerkschaften kritisieren schon lĂ€nger, dass das Rentenniveau durch die sogenannten KĂŒrzungsfaktoren in der Rentenanpassungsformel sinken wird. Damit ist auch der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor gemeint. Dieser berĂŒcksichtigt das VerhĂ€ltnis von Rentnern zu Beitragszahlern fĂŒr die jĂ€hrliche Rentenanpassung. Die Gewerkschaften fordern, den Faktor abzuschaffen – oder das Rentenniveau festzuschreiben.

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Wie hoch ist das Rentenniveau in Deutschland im Europa-Vergleich?

Das deutsche Rentenniveau mit dem in anderen LÀndern zu vergleichen, ist nicht einfach. Denn jedes Land berechnet die Rente auf eine andere Art und Weise. Auch die BeitrÀge sowie die Besteuerung der Rente sind sehr unterschiedlich.

Die Industriestaaten-Organisation OECD hat 2019 eine Studie veröffentlicht, bei der sie die sogenannte Netto-Rentenersatzquoten fĂŒr verschiedene Staaten errechnet hat. Diese Quote ist einfacher miteinander vergleichbar als das Rentenniveau.

Die Netto-Rentenersatzquote von 2019 sagt aus, wie hoch die Rente eines Arbeitnehmers ist, der 2018 mit 20 Jahren in den Arbeitsmarkt eintritt, wĂ€hrend seiner gesamten Arbeitszeit einen durchschnittlichen Lohn bekommt und mit 65 Jahren – im Jahr 2063 – in Rente geht.

Um dennoch einen groben Eindruck zu erhalten, wie hoch die Renten in anderen europÀischen LÀndern sind, eignet sich die Netto-Rentenersatzquote durchaus:

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Doch Vorsicht: Sie können diese Rate nicht direkt mit dem Rentenniveau vergleichen. Im Gegensatz zu dieser Quote ist das Rentenniveau allgemeingĂŒltig – und nicht speziell.

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