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Zukunft der Kryptowährungen: "Die Märkte sind auf Drogen"


Zukunft des Bitcoins – "Die Märkte sind auf Drogen"

  • Nele Behrens
Von Nele Behrens

22.01.2021Lesedauer: 4 Min.
Qualitativ geprüfter Inhalt
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Ein physischer Bitcoin: Die Kryptowährung befindet sich in der Corona-Krise im Höhenflug.
Ein physischer Bitcoin: Die Kryptowährung befindet sich in der Corona-Krise im Höhenflug. (Quelle: Martin Wagner/imago-images-bilder)
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Mit jüngsten Kursturbolenzen hat die Kryptowährung für Aufsehen gesorgt. Zwei Experten erklären, warum der Bitcoin bald den Siegeszug antreten könnte.

Das Wichtigste im Überblick


  • Wie entwickelt sich der Bitcoin künftig?
  • Woher kommt der Bitcoin-Hype?
  • Wird der Bitcoin bald ein "echtes" Zahlungsmittel?
  • Will die EZB Regulierungen für Bitcoin?
  • Ist Bitcoin das neue digitale Gold?

Große Namen lassen sich in den vergangenen Monaten auf einmal mit der einstigen "Schmuddel"-Währung Bitcoin ein: Erst gab Paypal der Kryptowährung Rückenwind nun überrascht auch noch der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock mit dem Schulterschluss zur Digitalwährung.

  • Börse & Märkte: Alle Kurse der Finanzmärkte

Ende Januar aktualisierte Blackrock die Prospekte für zwei Fonds, mit denen Anleger nun auch in Kryptowährungen investieren können. "Blackrock wird von steigenden Kursen ausgehen, auch andere US-Banken haben eine andere Meinung zu Bitcoin als noch vor drei Jahren", sagt Timo Emden, zertifizierter Blockchain-Experte von der Frankfurt School of Finance und Inhaber von Emden Research.

Tatsächlich sanken die Kurse aber kurz darauf – Bitcoin rutschte sogar unter die 30.000-Dollar-Marke. Für Emden ist das kein Grund zur Sorge. "Selbst wenn wir bei 25.000 Dollar ankommen, heißt es nicht, dass die Rally beendet ist", so Emden.

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Wie entwickelt sich der Bitcoin künftig?

Von einer Trendwende kann zumindest laut Emden keine Rede sein, eine Korrektur dagegen sei realistisch. "Wo der Kurs am Anfang des Jahres stand, das war jenseits von Gut und Böse", ist sich der Bitcoin-Experte sicher. Den rasanten Anstieg zum Jahreswechsel führt er auf Privatanleger zurück, die aufgrund des steigenden Kurses am Erfolg der Kryptowährung teilhaben wollen. Der Fachbegriff dafür: "FOMO – Fear Of Missing Out".

Bereits 2017 führte dieses Phänomen zu einer Blase, die für einige mit einem harten Knall platzte. Doch der neue Boom ist trotz der FOMO-Blase im Januar nicht mit 2017 zu vergleichen. "Jetzt sind große Adressen im Markt, wie Paypal und Vermögensverwalter, die Bitcoin wegen der Technologie als wichtiges Asset sehen", so Emden.

Woher kommt der Bitcoin-Hype?

Einen großen Anteil hat die Corona-Krise dabei. Denn die Geldpolitik der amerikanischen Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) mit immer neuen Hilfen für die Wirtschaft – und wohl auf weitere Jahre niedrigen Zinsen – führe bei den Anlegern zu einem Umdenken und einer höheren Risikobereitschaft. "Die Märkte sind auf Drogen, vollgepumpt mit Liquidität", erklärt Emden. Aufgrund der Krise entwickele sich eine Blase, die womöglich platzen könnte. "Dann könnten Kryptowährungen den Siegeszug antreten", sagt Emden.

Auch Ben Bilski, Gründer und CEO der Trading-Plattform NAGA, mit der Anleger Aktien, Fonds und Kryptowährungen handeln können, sieht für Kryptowährungen eine nachhaltige Zukunft. "Mit jedem Tumult in der Weltpolitik wird der Bitcoin mehr Anhänger bekommen und wird sich so immer mehr als Eigenwährung etablieren", prognostiziert der Fintech-Gründer.

Das sieht auch Blockchain-Experte Emden: "Der Bitcoin ist die Investment-Antwort auf die Corona-Krise." Das Vertrauen in die EZB sei irreversibel beschädigt.

Wird der Bitcoin bald ein "echtes" Zahlungsmittel?

Das heißt aber nicht, dass der Bitcoin nun unaufhaltsam nach oben schießen werde. "Die Branche braucht noch Zeit. Es wird immer wieder Crashs geben", sagt Bilski. Auch Blockchain-Experte Emden geht von weiteren Schwankungen aus. Allerdings fallen diese prozentual gesehen seit 2013 immer kleiner aus. Dieser Trend werde sich fortsetzen.

Laut Bilski fehlt es aktuell auch noch an realem Geld im Markt. Aktuell sind etwa eine Billion Dollar im Kryptomarkt angelegt. Viele konnten ihren Dollar-Einsatz durch das Wachstum massiv erhöhen und sind daher weniger anfällig für Schwankungen. "Vor nicht allzu langer Zeit konnte man einen Bitcoin für 700 Dollar kaufen. Diesen Anlegern sind Schwankungen von 10 Prozent egal", erklärt Bilski.

Doch die Währung bräuchte mehr Stabilität, damit Unternehmen sie als Zahlungsmittel risikofrei akzeptieren könnten. Die sogenannten Early Adopters Anleger, die frühzeitig in Bitcoin investiert haben – müssten daher erst einmal aus dem Markt heraus.

Auch Emden sieht die Konzentration an Bitcoins kritisch, die bei den frühen Einsteigern liegen. "Die Macht einiger ist sehr groß, den Kurspreis künstlich zu beeinflussen", erklärt er. Es bräuchte daher mehr institutionelle Anleger wie Blackrock oder Paypal, um die Kryptowährung zu stabilisieren.

Will die EZB Regulierungen für Bitcoin?

Diese könnten allerdings durch Regulierungen der EZB abgeschreckt werden. Erst kürzlich kritisierte EZB-Chefin Lagarde den Bitcoin als "funny business" und auch die amerikanische Fed machte deutlich, dass sie die Kryptowährungen enger an die Leine nehmen möchte. "Die Regulierungen werden kommen. Die Anonymität ist aktuell ein Luxus, der nicht lange bleiben wird", sagt Bilski.

Experte Emden geht allerdings nicht davon aus, dass die EZB den Bitcoin "totregulieren" wird – auch wenn sie es theoretisch könnte. "Es wird die eine oder andere Drohgebärde geben, aber die EZB wird selbst Interesse an der Technik haben", meint Emden.

Zudem könnte es Interessenkonflikte und Machtkämpfe zwischen großen Investoren und der EZB geben, wenn diese versuche, den Bitcoin zu entwerten. Emden stellt aber auch klar: "Am Ende würde Blackrock den Kürzeren ziehen."

Ist Bitcoin das neue digitale Gold?

Auch wenn Fans die Kryptowährung als digitales Gold bezeichnen, ist der Bitcoin als langfristige Wertanlage noch viel zu schwankend, stellt Emden klar. Dabei sei die Beschränkung auf 21 Millionen Bitcoins durchaus ein Faktor, der Bitcoin zu einer Art digitalen Gold machen könnte. "Das Potenzial ist definitiv da – langfristig, aber nicht kurz- oder mittelfristig."

Denn der Bitcoin ist eben noch nicht an einem Punkt angelangt, an dem er nicht mehr aufzuhalten ist – auch wenn diese Grenze laut Emden nicht mehr weit entfernt ist. Noch immer könnten sich Anlieger zurückziehen und der Bitcoin verfallen. "Man muss sich immer vor Augen halten: Es kann zum Totalverlust kommen", betont Emden.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Timo Emden
  • Gespräch mit Ben Bilski
  • Faz
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