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Verunreinigte Blutdrucksenker: Was Sie tun sollten

INTERVIEWExperte klärt auf  

Verunreinigte Blutdrucksenker: Was Sie tun sollten

Von Alexandra Grossmann

25.02.2019, 18:26 Uhr
Verunreinigte Blutdrucksenker: Was Sie tun sollten.  Bei einigen Chargen einer Blutdrucksenkers wurden kürzlich Verunreinigungen mit wahrscheinlich krebserregenden Stoffen festgestellt.  (Quelle: Getty Images/Steevy84)

Bei einigen Chargen einer Blutdrucksenkers wurden kürzlich Verunreinigungen mit wahrscheinlich krebserregenden Stoffen festgestellt. (Quelle: Steevy84/Getty Images)

Zum zweiten Mal in diesem Jahr mussten blutdrucksenkende Medikamente zurückgerufen werden, nachdem bereits ein anderes Mittel 2018 ebenfalls unter Verdacht stand, krebserregende Substanzen zu enthalten. Der Kardiologe Thomas Meinertz erklärt im t-online.de-Interview, was Betroffene tun müssen.

t-online.de: Herr Meinertz, wieder ist ein Medikament zurückgerufen worden – wie schon im Januar ist der Wirkstoff Irbesartan der Firma Heumann betroffen. Wie sollen Verbraucher reagieren, wenn sie hören, dass eventuell krebserregende Substanzen in ihrem Blutdrucksenker enthalten sind?
Die Patienten, die bisher Irbesartan in der verunreinigten Form eingenommen haben, sollen das Medikament nicht weiter einnehmen, sondern von ihrem Arzt auf ein anderes Präparat eingestellt werden, von dem man weiß, dass es nicht verunreinigt ist. Da gibt es viele verschiedene Alternativen. Nach meinem Eindruck gibt es einige Patienten, die auf Irbesartan eingestellt sind, aber andere Sartane wie Candesartan und Valsatan beispielsweise werden häufiger verordnet.

Die Deutsche Herzstiftung mit Sitz in Frankfurt am Main hat rund 100.000 Mitglieder. Ziel der Patientenorganisation ist es, das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland zu reduzieren und die Lebensqualität von Herzpatienten zu verbessern. Mehr unter www.herzstiftung.de

Ist es denn ohne Weiteres möglich, von einem Mittel auf ein anderes umzusteigen?
Ja, das ist problemlos machbar. Im Prinzip haben die Sartane alle die gleiche Wirkung. Sie sind austauschbar und unterscheiden sich nur in ihrer Pharmakokinetik, das bedeutet, dass die Länge der Wirkdauer und die Dosierung nicht die gleichen sind.

Wie kommt es, dass ausgerechnet blutdrucksenkende Mittel schon mehrmals zurückgerufen werden mussten?
Es gab schon vergangenen Sommer die Vermutung, dass nicht nur Valsartan, sondern auch andere Sartane von der Verunreinigung betroffen sein könnten. Es gab den Verdacht, dass es sich um Präparate dieser Wirkstoffgruppe handelt, die bei einem bestimmten chinesischen Hersteller nach einem neuen Syntheseverfahren hergestellt worden waren. Ich vermute, auf diesem Weg wurde jetzt auch Irbesatan verunreinigt.

Gesetzt den Fall, es ist Freitag, und es ist kein Kontakt zu einem Arzt möglich – kann ein Betroffener sich auch selbst helfen?
Falls ein Patient ad hoc keine Beratung bekommt, würde ich empfehlen, das verdächtige Präparat Irbesartan abzusetzen. Schon die psychologische Wirkung ist problematisch, wenn jemand weiß, dass er ein möglicherweise krebserregendes Medikament einnimmt. Dann würde ich ein anderes Sartan nehmen, das mit Sicherheit nicht verseucht ist. Man kann sich sehr schnell ein Ersatzpräparat eines anderen Sartans mit gleicher Wirkung verschreiben lassen.

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des Mitglieds im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung gehören insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen.

Können Betroffene sich auch an die Apotheke wenden?
Auf jeden Fall. Die Apotheker sind meist sehr gut informiert. Sie können Auskunft darüber geben, welches Vergleichspräparat man nehmen kann. In aller Regel wissen sie auch, was ähnlich effektiv ist und eine gleichstarke Blutdrucksenkung hat wie die Dosis, die der Patient bisher eingenommen hat. Das einzige Problem ist vielleicht das Rezept, aber das kann der Patient auch nachliefern. Wenn ein Apotheker weiß, dass der Patient partout nicht drei oder vier Tage warten möchte mit dem Risiko einer deutlichen Blutdruck-Steigerung, dann wird ihm der Apotheker das Medikament geben mit der Bitte, das Rezept später einzureichen.


Kann ein Patient solch ein Medikament alternativ zwei oder drei Tage einfach weglassen und warten, bis er einen Termin beim Arzt bekommt?
Nein, denn dann steigt der Blutdruck an. Die Wirkung ist immer länger als die Halbwertszeit, das heißt, die Wirkung ist nicht von einem Tag auf den anderen weg, sondern erst nach drei bis vier Tagen. Es ist eine Ermessensentscheidung des Patienten, wie er mit der psychologischen Belastung zurechtkommt. Mancher Patient sagt, er lässt lieber den Blutsdruck ansteigen, als ein kontaminiertes Medikament einzunehmen.

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Herzstiftung

 

 

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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