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Johannes nahm schon mit zwölf Drogen

t-online, Anja Speitel; Carola Engler

04.08.2014Lesedauer: 6 Min.
Wenn das eigene Kind Drogen nimmt, bricht fĂŒr die Eltern oft eine Welt zusammen.
Wenn das eigene Kind Drogen nimmt, bricht fĂŒr die Eltern oft eine Welt zusammen. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Mindestens ein Prozent aller Deutschen konsumiert regelmĂ€ĂŸig Cannabis. Von harten Drogen wie Heroin oder Kokain sind etwa 0,2 Prozent abhĂ€ngig. Und man schĂ€tzt, dass ĂŒber fĂŒnf Prozent der BundesbĂŒrger ihren Alkoholkonsum nicht kontrollieren können. Klingt eigentlich wenig. Doch wenn das eigene Kind in die Drogenfalle gerĂ€t, ist das eine Katastrophe fĂŒr alle Beteiligten. Eine betroffene Familie erzĂ€hlt ihre tragische Geschichte - mit einem Happy End nach 13 Jahren.

Johannes ist ein Sonnenschein - und gleichzeitig ein Sorgenkind: Schon mit zwölf nahm er das erste Mal Drogen. SpĂ€ter schwĂ€nzte er die Schule, brach mehrere Lehrstellen ab, wurde in SchlĂ€gereien verwickelt und mehrfach beim Dealen erwischt. Es folgten etliche Therapien und immer wieder RĂŒckfĂ€lle. Dennoch ist er heute, mit 25, stabil und arbeitet erfolgreich in seinem Traumberuf.

Der Junge hatte von Anfang an kein leichtes Leben

Sein Vater Dirk Schmit* aus MĂŒnchen erzĂ€hlt: "Woran es lag, weiß ich nicht genau. Er war ein absolut lieber Junge. Aber Johannes musste viel mitmachen: Wir zogen wegen meines Berufes viel um, als er klein war; das hat ihn gestresst. Außerdem wurden wegen einer Fehlstellung seine FĂŒĂŸchen viele Monate lang eingegipst. Das war schrecklich fĂŒr ihn und er hatte oft große Schmerzen, auch danach. Er lief lange nur auf Zehenspitzen, weil es ihm sonst zu weh tat. Im Kindergarten galt er als auffĂ€llig: Er hatte ein Sprachproblem entwickelt, da er wegen seiner Fußschmerzen oft am Schnuller nuckelte. Wir gingen mit ihm zum LogopĂ€den und es wurde besser. Trotzdem empfahl man uns dringend, den Kleinen lieber in eine Sonderschule zu geben. Heute denke ich, dass das die erste falsche Entscheidung von vielen darauf folgenden war. Aber wir meinten es gut."

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Johannes fĂŒhlte sich ausgegrenzt

Dass sein Vater die Entscheidung fĂŒr die Sonderschule so einschĂ€tzt, bestĂ€tigt Johannes*: "Wir lebten inzwischen in einem Dorf im AllgĂ€u. Jeder kannte jeden. Alle anderen Kinder durften mit dem Schulbus in die normale Schule fahren. Nur ich wurde separat abgeholt. Das fĂŒhlte sich fĂŒrchterlich an. Meine Schule fand ich schlimm, es hat mich gelangweilt und gleichzeitig ĂŒberfordert. Gute Freunde fand ich da nicht, die waren alle ziemlich seltsam drauf, einige sogar schwer behindert. Noch dazu war mein sechs Jahre Ă€lterer Bruder der absolute Überflieger. Der hat stĂ€ndig Bestnoten heimgebracht. Wir haben uns zwar immer super verstanden, aber ich fĂŒhlte mich ihm unterlegen: Ich war langsamer, ich war ungelenker, kleiner, ich war schlechter in der Schule. Ich gehörte einfach nirgendwo dazu."

Die Eltern waren ĂŒberfordert

Als er zwölf wird, versucht Johannes sich Freundschaften und Erfolgserlebnisse zu erkaufen und klaut deswegen einen Geldbeutel. "Die Polizei stand plötzlich vor der TĂŒr", erinnert sich seine Mutter Ida*. "Das war schrecklich. Zudem hatten wir sowieso schon finanzielle Sorgen und enormen Stress im Beruf. Ich brauchte immer höhere Dosen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln."

FrĂŒher hatte sie diese Medikamente nur ab und zu geschluckt: "Ich bin da so reingerutscht. Wir lebten wegen des Berufs meines Mannes ein paar Jahre auf Mallorca. Ich sprach kein Spanisch, hatte kaum Freunde dort. Die Kinder waren noch klein - und anstrengend. FĂŒr alle anderen sah es wie ein Traum aus: Leben auf der Insel, Strand, Sonne. FĂŒr mich war es oft die Hölle. Ich war einsam und unglĂŒcklich. Um zu funktionieren nahm ich immer öfter Beruhigungsmittel. Und als Johannes abgerutscht ist, hab ich halt wieder zum BewĂ€hrten gegriffen, um das Leben wenigstens einigermaßen zu ertragen. Ich weiß, dass das keine Lösung ist, aber das redet sich so leicht."

Auch Johannes' Vater gleitet in Depressionen ab: "Schon seit meiner Jugend leide ich an einer bipolaren Störung: himmelhochjauchzend - zu Tode betrĂŒbt. Mit Psychopharmaka hatte ich das ganz gut im Griff. Doch damals bekam ich erneut schwere SchĂŒbe, musste meine Medikation Ă€ndern. Das half jedoch nichts, die Verzweiflung, die SelbstvorwĂŒrfe, die panische Angst blieben."

Den ersten Joint rauchte Johannes mit zwölf

Die Eltern wussten irgendwann nicht mehr weiter und schicken ihren jĂŒngsten Sohn auf Anraten der Ärzte schweren Herzens in ein betreutes Wohnheim. "Dort war es echt Scheiße", erinnert sich Johannes. "Und dort habe ich angefangen zu kiffen, mit zwölf. Aber dadurch gehörte ich endlich dazu, hatte ich wenigstens ein paar Freunde. Trotzdem wollte ich unbedingt raus da, ich wollte heim."

Nach zwei Jahren kommt Johannes wieder nach Hause. Er schließt die Schule mit Ach und Krach ab und beginnt eine BĂ€ckerlehre. Die schmeißt er jedoch nach eineinhalb Jahren wegen seelischer und körperlicher Probleme sowie ZerwĂŒrfnissen mit dem Meister. Johannes beginnt die nĂ€chste Lehre, bricht diese ebenfalls bald wieder ab und so weiter. Insgesamt sieben verschiedene Ausbildungsstellen hĂ€lt er nicht durch. Johannes ist inzwischen dĂŒnnhĂ€utig geworden, kann sich schlecht konzentrieren, hĂ€ngt lieber mit Freunden rum, kifft inzwischen tĂ€glich, nimmt auch mal andere Drogen wie Ecstasy, Magic Mushrooms, LSD.

Sich ausprobieren mĂŒssen ist fĂŒr Jugendliche normal

FĂŒr jede Mutter und jeden Vater ist es eine Horrorvorstellung, dass der geliebte eigene Sprössling in den Drogensumpf geraten könnte. Doch viele Jugendlichen probieren weiche Drogen wie beispielsweise Cannabis. Gleich ein Grund zur Sorge? "Nein," meint Siegfried Gift, Abteilungsleiter der Suchthilfe von Condrobs MĂŒnchen. "Grenzen ĂŒberschreiten, mal etwas Verbotenes tun, den Erfahrungshorizont erweitern, all das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Davon wird man normalerweise nicht suchtkrank." Der Fachmann rĂ€t dazu, lieber ein offenes Ohr und ein weites Herz fĂŒr alle Erfahrungen, TrĂ€ume und Ängste seines Teenagers zu haben, statt in Panik zu verfallen oder gar mit Strafen zu drohen. Denn: "Eine liebe- und verstĂ€ndnisvolle Kommunikation ist die allerbeste SuchtprĂ€vention."

Wann Eltern Hilfe von außen brauchen

Falls allerdings der Verdacht auf problematischen Konsum besteht, massive VerhaltensĂ€nderungen auftreten, ein GesprĂ€ch nicht möglich ist oder zu nichts fĂŒhrt, sollten sich Eltern nicht scheuen, Hilfe beim Jugendamt oder einer anderen Beratungsstelle zu suchen. "Viele Eltern warten zu lange, weil sie sich schĂ€men und Angst haben, dass man ihre Erziehungskompetenz anzweifelt. Dabei wollen die Mitarbeiter dieser Institutionen nur eines: Helfen! Das können und das tun sie auch", sagt Gift.

Ebenso rĂ€t er allen MĂŒttern und VĂ€tern, die von Selbstzweifeln und SchuldgefĂŒhlen geplagt sind, selbst therapeutische UnterstĂŒtzung in Anspruch zu nehmen. "Das ist kein Zeichen von SchwĂ€che, sondern von Verantwortungsbewusstsein und StĂ€rke."

Johannes fÀllt der Polizei immer wieder auf

Johannes geriet durch seinen Drogenkonsum immer mehr in die entsprechende Szene und wurde in SchlÀgereien verwickelt. Zudem erwischte ihn die Polizei mehrfach beim Verkauf von Marihuana: "Ich hab nie viel verkauft, nur wenige Gramm alle paar Monate im Auftrag von Freunden", sagt Johannes. "Blöderweise wurde ich halt öfter dabei geschnappt. Und klar verpfeife ich dann meine Freunde nicht, sondern nehme das auf meine Kappe." Jedes Mal kam er mit BewÀhrungsstrafen davon.

UnterstĂŒtzung von Eltern und BewĂ€hrungshelfern

"Ich hatte gute BewĂ€hrungshelfer", erinnert sich Johannes. "Meine Eltern und mein Bruder haben mir da auch immer toll zur Seite gestanden." Johannes wird sich langsam bewusst, dass er sein Leben vergeigt, wenn er so weiter macht. Er zieht sich von seinen drogenabhĂ€ngigen Freunden zurĂŒck, geht freiwillig in verschiedene Therapien, sogar stationĂ€r.

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"Die ideale Therapie gibt es leider nicht", weiß Gift. "FĂŒr jeden ist etwas anderes hilfreich." Sowohl Angehörigen wie auch Suchtbetroffenen rĂ€t der Experte, sich auch im Internet zu informieren. "Es gibt unzĂ€hlige Foren, wo man - auch anonym - seine Erfahrungen berichten, sich seine Probleme von der Seele reden und Empfehlungen geben kann."

Johannes glaubte trotz allem an seine TrÀume

Der RĂŒckhalt der Familie, Therapien und die Betreuung durch BewĂ€hrungshelfer bestĂ€rkten Johannes, sich niemals aufzugeben. Er will seine TrĂ€ume verwirklichen. Er ist jetzt, mit guten 25, auf einem guten Weg: Vor zwei Jahren ist er zu Hause ausgezogen, lebt nun in Köln und arbeitet mit Begeisterung als Visagist, seinem Traumberuf. Er hat die Drogensucht in den Griff bekommen: "Ich kiffe schon manchmal am Wochenende, einfach so, zum Spaß oder um runter zu kommen. Andere trinken halt Bier dafĂŒr. Komischerweise wird das weder geĂ€chtet noch geahndet bei uns - obwohl ich finde, dass Alkohol weitaus schlimmer zudröhnt, als ein Joint."

Das Fazit von Vater Dirk lautet: "Johannes ist ein hochsensibler, sehr intelligenter und ĂŒberaus freundlicher Junge. Fast schon zu freundlich. Deswegen gerĂ€t er auch immer in so seltsame Situationen. Er ist naiv. Ida und ich machen uns oft noch VorwĂŒrfe, weil wir vielleicht was falsch gemacht haben in seiner Kindheit und Jugend. Aber wir konnten ja nicht anders. Wir wollten immer nur das Beste. Wir lieben Johannes und sind sehr stolz, dass er seinen schwierigen Weg so genial gemeistert hat. Heute haben wir eine sehr enge Beziehung zueinander. Wir reden ĂŒber alles - zumindest ĂŒber fast alles. Das ist schon Gold wert."

* alle Namen der Familie von der Redaktion geÀndert

Weitere Infos: www.condrobs.de

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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