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Bei Herzproblemen: Wie viel Sport dürfen Patienten treiben?


Dürfen Menschen mit Herzproblemen Sport treiben?

Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 26.04.2019Lesedauer: 3 Min.
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Paar beim Fahrradfahren: Menschen mit einer Herzerkrankung sollten in Bewegung bleiben.
Paar beim Fahrradfahren: Menschen mit einer Herzerkrankung sollten in Bewegung bleiben. (Quelle: blickwinkel/imago-images-bilder)
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Herzpatienten haben häufig Angst, ihr Herz mit Sport zu überlasten. Doch Schonen ist für das kranke Herz nicht gesund. Im Gegenteil: Die bestehende Herz-Erkrankung kann sich sogar verschlimmern. So viel Bewegung braucht ein krankes Herz.

Die koronare Herzkrankheit ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die das Herz mit Blut versorgen. Dabei verengen Ablagerungen aus Cholesterin und Kalk, sogenannte Plaques, die Gefäße. Kommt es zu einem kompletten Verschluss eines Gefäßes, ist ein Herzinfarkt die Folge.

Herzexperten zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine KHK zu entwickeln, für Männer fast 50 Prozent und für Frauen 32 Prozent. Wer sich regelmäßig bewegt, kann das Risiko für Ablagerungen in den Gefäßen senken: Entzündungsreaktionen werden gehemmt, der Cholesterinspiegel gesenkt, der Blutdruck reguliert und Übergewicht vorgebeugt.

Bewegung: Möglichst häufig und ausdauernd

Experten raten, Bewegung so oft wie möglich in den Alltag einzubauen – und sich Zeit für regelmäßiges Sporttraining zu nehmen. Vor allem Ausdauersportarten wie moderates Joggen, Walken, Radfahren, flottes Spazierengehen und Schwimmen tun dem Herz-Kreislauf-System gut.

Sportliche Aktivität bringt den Kreislauf in Schwung, versorgt den Körper mit Sauerstoff, fördert die Beweglichkeit, senkt erhöhte Blutdruck-, Blutzucker sowie Blutfettwerte (Cholesterin) und beeinflusst das Gewicht günstig. Auch der Herzmuskel profitiert von Bewegung. Er wird besser durchblutet und seine Leistungsfähigkeit trainiert.

Herzkrank? Vor dem Sport zum Arzt

„Empfohlen wird ein Training von mindestens 30 Minuten, vier bis fünf Mal in der Woche. Dadurch kann die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 20 Prozent verringert werden“, sagt Prof. Stephan Gielen vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Klinikum Lippe. Doch der Experte warnt: „Einfach lostrainieren sollten Herzpatienten aber nicht.“

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Wer herzkrank ist, muss zuerst seine Belastbarkeit von seinem Arzt bestimmen lassen und im Anschluss zusammen mit diesem einen Trainingsplan zusammenstellen. Wichtig für Herzpatienten zu wissen ist:

  • Welche Sportarten sind für mich geeignet?
  • Wie oft darf ich trainieren?
  • Wie lange darf meine Sporteinheit dauern?
  • Wie intensiv darf ich trainieren?

Auch Menschen mittleren Alters, die lange eine Sportpause gemacht haben und körperlich nicht aktiv waren, sollten sich vor Aufnahme von Ausdauersport ärztlich untersuchen lassen. Gibt der Arzt sein Okay, losgehen.

Bewegung bremst koronare Herzkrankheit

Ausdauertraining kann das Fortschreiten einer koronaren Herzkrankheit (KHK) bremsen. „In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass Bewegungsmangel ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten einer koronaren Herzkrankheit ist. Deshalb ist körperliche Aktivität inzwischen ein wichtiges Konzept zur Vorbeugung und Behandlung dieser Krankheit“, sagt Gielen.

Ausdauersportarten mit niedriger Intensität sind für Patienten mit koronarer Herzkrankheit am besten geeignet. Sportarten mit hohem Krafteinsatz, etwa Ballsportarten wie Tennis und Fußball, sollten Herzpatienten mit einer koronaren Herzkrankheit nicht ausüben. Sie können den Herzmuskel überlasten. Auch auf den Endspurt beim Joggen sollte man verzichten.

Welcher Sport bei Herzschwäche?

Bei einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist Schonung für das Herz ebenfalls nicht zu empfehlen. „Dank der Forschung weiß man heute, dass Schonung bei Herzschwäche ein Irrweg war. Studien zu körperlichem Training zeigen, dass Sport die Leistungsfähigkeit bei einer Herzschwäche je nach Trainingsumfang um 10 bis 25 Prozent verbessern kann“, erklärt Gielen. „Außerdem lässt sich die Sterblichkeit um über 30 Prozent verringern und Krankenhausaufenthalte lassen sich aufgrund der Herzschwäche um 28 Prozent senken.“

Der Kardiologe rät, bei einer chronischen Herzschwäche die ersten Sporteinheiten stationär unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen. Er empfiehlt Sportarten, die keinen großen Kraftaufwand erfordern. Dazu gehören:

  • Wandern
  • Spazieren gehen
  • Walken
  • Moderates Fahrradfahren

Ist Sport nach dem Herzinfarkt erlaubt?

Sport hilft nicht nur, einem Herzinfarkt vorzubeugen. Auch nach dem Infarkt ist Sport gesund. Das konnte unter anderem eine Studie der Schwedischen Sport- und Gesundheitsakademie Göteborg zeigen. Die Wissenschaftler werteten die Daten von über 22.000 Patienten aus, die zwischen 2005 und 2013 einen Herzinfarkt erlitten hatten. Die Teilnehmer, die nach dem Herzinfarkt sportlich aktiv waren, konnten ihr Risiko, vier Jahre nach dem Herzinfarkt zu sterben, gegenüber den Nicht-Sportlern um bis zu 59 Prozent senken. Studienautor Örjan Ekblom empfiehlt Herzpatienten mit Blick auf die Ergebnisse zwei oder mehr Sporteinheiten pro Woche.

Bei Brustschmerzen den Sport sofort beenden

Sport ist nur dann gut, wenn er auch guttut. Treten während der körperlichen Tätigkeiten Brustschmerzen, Atemnot oder Unwohlsein auf, sollten Herzpatienten das Training sofort stoppen und erst nach einer Kontrolle beim Arzt wieder aktiv werden. Generell sollten Patienten mit einem kranken Herzen, die Sport treiben möchten, regelmäßige kardiologische Kontrolluntersuchungen durchführen lassen. „Zunächst in 3-monatigen Abständen. Dann sind weitere halb jährliche oder jährliche Untersuchungen empfehlenswert“, rät Gielen.

Weiterführende Informationen finden Sie auf den Seiten der Deutschen Herzstiftung sowie in der Broschüre „Das schwache Herz“, die Sie kostenfrei bestellen können unter: bestellung@herzstiftung.de (Stichwort „Das schwaches Herz“) oder Telefon 069-955128400.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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