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Coronavirus: Forscher warnen vor mehr Pandemien durch Tierkrankheiten

Entstehung von Corona  

Drohen weitere Pandemien durch Tierkrankheiten?

13.07.2020, 09:00 Uhr | dpa, sms

Coronavirus: Forscher warnen vor mehr Pandemien durch Tierkrankheiten. Schweine und Hühner: Nutztiere wurden bisher nicht vom Coronavirus infiziert.  (Quelle: imago images/K-P Wolf)

Schweine und Hühner: Nutztiere wurden bisher nicht vom Coronavirus infiziert. (Quelle: K-P Wolf/imago images)

Das Coronavirus soll von Wildtieren auf den Menschen übergegangen sein. Das könnte in Zukunft noch mehr Krankheiten betreffen. Allerdings gibt es auch Entwarnung für einige Haus- und Nutztiere.

Ursprünglich bei Tieren vorkommende Krankheiten könnten in Zukunft immer öfter auf den Menschen überspringen – ähnlich wie das mit großer Wahrscheinlichkeit beim Coronavirus SARS-CoV-2 geschehen ist. Davor warnen das UN-Umweltprogramm (UNEP) und das International Livestock Research Institute (ILRI) in einem Bericht.

Woher kommt das Coronavirus vermutlich? 

"Wenn wir weiterhin die Tierwelt ausbeuten und unsere Ökosysteme zerstören, können wir einen stetigen Strom dieser Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, in den kommenden Jahren erwarten", warnte UNEP-Chefin Inger Andersen. Der Bericht zeigt, dass unter anderem die zunehmende Nachfrage nach Fleisch, die steigende Urbanisierung und der Klimawandel dazu beitragen.

Die Lungenkrankheit Covid-19 ist demnach nur ein Beispiel für den Anstieg von Zoonosen – also von Krankheiten, die von Tieren auf Menschen überspringen. Das Coronavirus ist vermutlich von Fledermäusen über ein anderes Tier auf den Menschen übertragen worden. Auch Ebola und MERS sprangen von Tieren auf den Menschen über. Schleichkatzen stehen im Verdacht, das SARS-Virus 2003 auf den Menschen übertragen zu haben.

Coronavirus: "Höchst vorhersehbare Pandemie"

"Während viele auf der Welt von Covid-19 überrascht waren, waren wir, die über Tierkrankheiten forschen, es nicht", sagte Delia Randolph, eine Veterinär-Epidemiologin beim ILRI. "Dies war eine höchst vorhersehbare Pandemie." Seit den 30er-Jahren gebe es einen "klaren Trend" einer steigenden Zahl von menschlichen Krankheiten – und rund 75 Prozent davon stammen von Wildtieren. Oft sind dem Bericht zufolge domestizierte Tiere wie Vieh die Vermittler.

Schweine und Hühner: Nutztiere wurden bisher nicht vom Coronavirus infiziert.  (Quelle: imago images/K-P Wolf)Schweine und Hühner: Nutztiere wurden bisher nicht vom Coronavirus infiziert. (Quelle: K-P Wolf/imago images)

Für den Anstieg sind nach Angaben des Berichts mehrere menschliche Faktoren verantwortlich. Zum einen liegt es demnach an der weltweit zunehmenden Nachfrage nach Tierproteinen und der wachsenden Tierwirtschaft. Dadurch gebe es immer mehr und genetisch ähnlichere Tiere, die anfälliger für Infektionen seien. Auch die zunehmende Ausbeutung der Tierwelt durch das Jagen, den Handel und den Verzehr wilder Tiere spiele eine Rolle, hieß es.

Menschen kommen mehr mit Natur und Tieren in Kontakt

Ein weiterer Grund ist demnach das Bevölkerungswachstum und die rasante Urbanisierung. Städte wachsen, Wälder werden abgeholzt – dadurch kommen Menschen immer mehr mit der Natur und Tieren in Kontakt. In einigen Gegenden würden menschliche Aktivitäten "die natürlichen Puffer, die den Menschen einst vor diesen Erregern geschützt haben, niederreißen", sagte Doreen Robinson, die Leiterin der Abteilung für Wildtiere bei UNEP.

Randolph nannte als Beispiel Ebola: Ausbrüche der gefährlichen Krankheit konnten sich früher nicht groß ausbreiten, weil weniger Menschen in einem Gebiet lebten und diese viel weniger mobil waren. Doch das ist heute anders. Der Ebola-Ausbruch im Osten des Kongos konnte sich unter anderem wegen der Bevölkerungsdichte in der Region fast zwei Jahre lang halten.

Wärmere Temperaturen bieten ideale Bedingungen für Erreger

Auch der Klimawandel befeuert den Anstieg der Krankheiten. Wärmere Temperaturen können ideale Bedingungen für Erreger und Überträger schaffen, wie der Bericht erklärt. Klimatische Veränderungen könnten beeinflussen, wo etwa Fledermäuse und Affen, von denen einige Erreger ausgehen, und Moskitos – die Erreger oft übertragen – leben.

Diese Probleme müssten angegangen werden, um die Gefahr zunehmender Krankheiten wie Covid-19 zu reduzieren, mahnten die Forscher. Die Epidemien lediglich zu bekämpfen, wäre nicht nachhaltig. Das wäre, als würde man bei einem kranken Menschen "nur die Symptome behandeln, und nicht die zugrundeliegenden Ursachen", sagte Randolph.

Können Haustiere das Coronavirus übertragen?

Wie das Friedrich-Loeffler-Institut erklärt, gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass Hunde oder Katzen eine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 spielen. Diese Einschätzung teilen auch das European Centre for Disease Control und die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach müsse auch der Kontakt zwischen gesunden Menschen und Haustieren nicht eingeschränkt werden. Grundlegende Hygiene ist dennoch ratsam. So sollten Sie sich nach dem Kontakt mit Haustieren immer die Hände gründlich mit Seife waschen. 

Umgekehrt ist jedoch nicht auszuschließen, dass Ihr Haustier sich bei Ihnen infiziert. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich das Virus in den Tieren auch vermehren kann und von ihnen ausgeschieden wird. Wenn Sie selbst am Coronavirus erkrankt sind, sollten Sie dennoch darauf achten, den Kontakt zu Ihren Tieren zu verringern und die wichtigsten Hygieneregeln einzuhalten. Weltweit wurde das Virus bisher bei fünf Hunden nachgewiesen – keines der Tiere starb an Covid-19. Auch für die Infektion von Katzen gibt es mehrere Nachweise. In einem Zoo in New York wurden zudem Tiger und Löwen mit SARS-CoV-2 infiziert. Die Tiere zeigten laut Friedrich-Loeffler-Institut deutliche Krankheitssymptome wie trockenen Husten, erholten sich jedoch von der Infektion. 

Mehrere Studien zeigen, dass sich Frettchen und Katzen infizieren lassen und SARS-CoV-2 unter Versuchsbedingungen auch an Artgenossen weitergeben können. Diese Nachweise ändern daher derzeit die Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts nicht: Haustiere spielen nach dem jetzigen Kenntnisstand epidemiologisch keine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2. Diese Einschätzung teilt auch die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), die betont, dass die Pandemie über die Übertragung von Mensch zu Mensch entstanden ist. 

Können Nutztiere das Coronavirus übertragen?

Das Friedrich-Loeffler-Institut erklärt, dass es bisher keine Hinweise darauf gibt, dass sich Schweine, Hühner oder andere Nutztiere mit dem Coronavirus infizieren können. Das Institut hat allerdings mit Studien zur Infektion von Tieren begonnen. "Diese Tierversuche sind wichtig, um eine mögliche Gefährdung für Mensch und Tier abschätzen zu können und zu testen, ob sie sich zum Virusreservoir entwickeln könnten", heißt es vom Institut. Die ersten Zwischenergebnisse zeigen demnach, dass sich weder Schweine noch Hühner mit SARS-CoV-2 infizieren lassen. Studien an Rindern wurden begonnen.

Schweine: Nutztiere sind bisher nicht nachweislich mit dem Coronavirus infiziert worden.  (Quelle: imago images/Mario Hösel )Schweine: Nutztiere sind bisher nicht nachweislich mit dem Coronavirus infiziert worden. (Quelle: Mario Hösel /imago images)

Es gibt bei verschiedenen Tieren allerdings andere Coronaviren. Bei Schweinen wird beispielsweise die sogenannte epizootische Virusdiarrhoe durch ein Coronavirus ausgelöst. Diese Erreger stellen für den Menschen aber keine Gefahr dar und sind klar von SARS-CoV-2 zu unterscheiden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt zudem, dass auch eine Übertragung über kontaminierte Futtermittel auf Nutztiere bisher nicht nachgewiesen worden sei. Es ist daher auch unwahrscheinlich, dass Sie sich über Milch oder Fleisch infizieren könnten. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Friedrich-Löffler-Institut
  • World Organisation for Animal Health
  • Bundesinstitut für Risikobewertung 
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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