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Corona-Folgen: Infektion kann Hirnschäden und Schlaganfälle verursachen

Auch bei gesunden Menschen  

Corona-Infektion kann Hirnschäden und Schlaganfälle verursachen

22.07.2020, 16:12 Uhr
Corona-Folgen: Infektion kann Hirnschäden und Schlaganfälle verursachen. Hirnscan: Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist in der Lage, verschiedene Bereiche des Körpers anzugreifen – so auch das Gehirn und das Nervensystem. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/sudok1)

Hirnscan: Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist in der Lage, verschiedene Bereiche des Körpers anzugreifen – so auch das Gehirn und das Nervensystem. (Quelle: sudok1/Thinkstock by Getty-Images)

Das Coronavirus kann auch das Gehirn angreifen und so neurologische Ausfälle wie Riechstörungen oder Schlaganfälle verursachen. Forscher der Charité haben dafür eine mögliche Erklärung gefunden.

Viele Corona-Patienten sind nach der akuten Erkrankung nicht beschwerdefrei. Sie klagen über langanhaltende Symptome wie etwa Müdigkeit oder Kopfschmerzen.

Doch das Virus kann nicht nur vorübergehende neurologische Begleitsymptome verursachen. Auch Folgeerkrankungen können aus einer Covid-19-Erkrankung resultieren. Das erklärt nun die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Schlaganfall und Gehirnentzündung bei Covid-19

Neuere Studien und Fallberichte beschreiben zunehmend Auswirkungen von Covid-19 auf das Gehirn. Viele Covid-Patienten berichten über einen verminderten Geruchs- und Geschmackssinn, der monatelang andauern kann. Experten vermuten, dass in diesen Fällen neurologische Störungen der Auslöser sind, also Ausfälle des Nervensystems.

Doch neben einer Beeinträchtigung des Geruchs- und Geschmacksvermögens kann eine Corona-Infektion offenbar auch schwerwiegendere Folgen haben: Laut der DGN kann es zu "diffusen Hirnschädigungen mit neurologischen und psychiatrischen Auffälligkeiten, zu einer Entzündung von Gehirn und Rückenmark oder zu Schlaganfällen kommen".

Das Kuriose sei dabei, dass nicht nur Covid-19-Patienten mit Herz-Kreislauf-Risiken einen Schlaganfall erleiden würden. Auch bei jungen, "gefäßgesunden" Menschen könne ein Hirnschlag auftreten.

Häufigkeit der neurologischen Auffälligkeiten weiter unklar

"Noch ist für einige der neurologischen Manifestationen nicht klar, wie häufig sie bei Covid-19 wirklich sind", sagt Professor Peter Berlit, Generalsekretär der DGN in einer Pressemitteilung.

Doch selbst wenn der Anteil laut den bisherigen Erkenntnissen prozentual nur etwa dem von SARS oder MERS entspräche, sei die absolute Zahl von neurologischen Erkrankungen bei Covid-19 angesichts der enorm hohen Infektionsraten weltweit als hoch einzustufen. Dies müsse bei der Versorgung der Patienten unbedingt berücksichtigt werden, so Berlit.

Studie: 87 Prozent nach Covid-19 nicht beschwerdefrei

Beunruhigend sei zudem die Erkenntnis, dass die neurologischen Symptome oft bestehen bleiben. Das zeigt eine aktuelle Studie aus Italien. Sie untersuchte, ob und welche Beschwerden bei Covid-19-Patienten nach der Klinikentlassung bestehen blieben. 87 Prozent der Erkrankten wiesen im Nachgang noch Symptome auf.

Die häufigsten neurologischen Folgen waren in dieser Studie:

  • Müdigkeit oder Fatigue, also eine anhaltende starke Erschöpfung (etwa 53 Prozent)
  • Beeinträchtigungen des Geruchssinns (etwa 16 Prozent)
  • Geschmacksstörungen (etwa 11 Prozent)
  • Kopfschmerzen (etwa 10 Prozent)
  • Schwindel (etwa 5 Prozent)

Die Ergebnisse wurden im englischsprachigen Fachblatt "JAMA" veröffentlicht.

Kopfschmerzen: Nach einer Covid-19-Erkrankung klagen einige Patienten über anhaltende Schmerzen. (Quelle: Getty Images/NickyLloyd)Kopfschmerzen: Nach einer Covid-19-Erkrankung klagen einige Patienten über anhaltende Schmerzen. (Quelle: NickyLloyd/Getty Images)

Spanische Grippe führte ebenfalls zu Langzeiterkrankungen

Der DGN zufolge führte auch die Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 als Influenzavirus eine Pandemie auslöste, bei vielen Betroffenen zu bleibenden neurologischen Problemen. Über eine Million Menschen litten noch ein Jahrzehnt lang an den Folgen – der sogenannten Europäischen Schlafkrankheit, eine Entzündung im Gehirn.

"Das zeigt, dass eine neurologische Nachbetreuung von Covid-19-Patienten mit entsprechend weiterführender Diagnostik enorm wichtig ist", meint Professor Berlit.

Wie lassen sich neurologische Symptome erklären?

Dass Coronaviren generell neurologische Symptome hervorrufen können, zeigte sich bereits beim SARS-Ausbruch in den Jahren 2002 und 2003. Die Viren wurden damals in den Gehirnzellen nachgewiesen, nicht aber in den benachbarten Blut- oder Lymphbahnen, schreibt die DGN. Das spreche für einen Infektionsweg über die Nervenzellen und nicht über Blut- oder Lymphgefäße.

Bei dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 hingegen sei ein direkter Virusnachweis im Nervenwasser bislang aber nur in Einzelfällen gelungen. Daraus schlussfolgern die Experten, dass vor allem indirekte Reaktionen des Körpers auf das Virus bei der Entstehung der neurologischen Symptome eine Rolle spielen könnten.

"So erklärt vermutlich die deutliche Aktivierung des Gerinnungssystems bei Covid-19 zumindest einen Teil der Schlaganfälle" erläutert Professor Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN in der Pressemitteilung.

Studie der Berliner Charité findet Hinweis auf Fehlreaktion des Immunsystems

Eine entscheidende Rolle könnte dabei das Immunsystem spielen. Das zeigen Untersuchungen einer Arbeitsgruppe der Charité an elf Intensivpatienten mit Covid-19 und neurologischen Symptomen auf spezielle Antikörper. Das Ergebnis: Die Forscher fanden tatsächlich Hinweise darauf, dass sich das Immunsystem bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten gegen körpereigene Nervenzellen richten kann. Die Daten der Studie wurden am 6. Juli als Preprint veröffentlicht.

Warum sich die körpereigene Immunabwehr bei manchen Patienten auch gegen gesunde Nervenzellen richtet, können die Charité-Forscher bislang noch nicht sicher erklären. 

Noch seien nicht alle Mechanismen geklärt, die bei Covid-19-Patienten zu einer neurologischen Beteiligung führen, so DGN-Generalsekretär Professor Berlit. Weitere Befunde von größeren Patientenzahlen seien nötig, um die Ursachen zu erforschen. Der von den Charité-Forschern vermutete krankheitsauslösende Prozess erscheine aber plausibel und eröffne zudem Therapieoptionen. Denn bei viral ausgelösten Autoimmunreaktionen könne man erfolgreich mit Immuntherapien behandeln.

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