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Neue Corona-Schnelltests: Das sind die Tücken der Antigen-Tests

Neue Corona-Teststrategie  

Das sind die Tücken der Antigen-Schnelltests

Von Melanie Weiner, Nicole Sagener

07.10.2020, 14:14 Uhr
Neue Corona-Schnelltests: Das sind die Tücken der Antigen-Tests. Corona-Test: Antigen-Tests sollen das positive oder negative Ergebnis innerhalb von Minuten anzeigen. (Symbolbild) (Quelle: Getty Images/ Mohd Zakir/Hindustan Times )

Corona-Test: Antigen-Tests sollen das positive oder negative Ergebnis innerhalb von Minuten anzeigen. (Symbolbild) (Quelle: Mohd Zakir/Hindustan Times /Getty Images)

Neue Schnelltests sollen künftig neben PCR- und Antikörpertests helfen, die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland einzudämmen. Zwar haben diese Antigen-Tests klare Vorteile – es gibt aber auch einen Haken.

In Deutschland gab es bisher zwei etablierte Testverfahren, um das Coronavirus nachzuweisen: die PCR-Testung und Antikörper-Tests. Angesichts der stetig steigenden Zahl der Neuinfektionen hat die Bundesregierung nun eine überarbeitete Strategie im Umgang mit der Corona-Pandemie angekündigt. Ein Aspekt der künftigen Strategie: neue Antigen-Schnelltests.

Point-of-Care-Antigen-Tests als Ergänzung der PCR

Die Schnelltests sind nicht als Ersatz des PCR-Tests gedacht, der weiterhin als "Goldstandard" bei den Testmethoden auf das Coronavirus SARS-CoV-2 gilt. Stattdessen sollen sie nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums idealerweise ab Mitte Oktober die PCR-Testungen ergänzen. Die Idee dahinter: Insbesondere in Krankenhäusern oder Pflegeheimen könnten sie bei Personal, Besuchern und Patienten schnelle Ergebnisse liefern. Weil die Testung direkt vor Ort möglich ist, wird sie auch als Point-of-Care-Antigen-Test bezeichnet.

"Wir haben lange darauf gewartet, dass Antigen-Tests zur Verfügung stehen", sagte Michael Müller, Vorstandsvorsitzender der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), bei einer Pressekonferenz Anfang Oktober. 

Doch klar ist: Antigen-Tests können nicht mit 100-prozentiger Sicherheit jeden Infizierten als positiv identifizieren – und sind damit nicht so verlässlich wie die PCR-Tests. Inwieweit können diese Schnelltests also bei der Eindämmung der Pandemie in Deutschland helfen?

Corona-Krise: Erschreckender Trend in Deutschlands Nachbarländern

Wer in den kommenden Herbstferien Urlaub machen will sollte das nahe Ausland wohl besser meiden. Denn aktuelle Infektionszahlen zeigen in unseren Nachbarländern einen teils erschreckenden Trend. (Quelle: t-online)

Steigende Neuinfektionen: Die Animation zeigt einen erschreckenden Corona-Trend in Deutschlands Nachbarländern. (Quelle: t-online)


Wie funktioniert die Testmethode?

Die Testung funktioniert ähnlich simpel wie ein Schwangerschaftstest: Es wird ein Abstrich aus dem Mund- oder Nasen-Rachenraum durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt. Anschließend wird die Probe auf einen Teststreifen aufgetragen. Nach einer gewissen Zeit ist dann das Ergebnis leicht ablesbar.

Abbildung eines Coronavirus SARS-CoV-2 (Quelle: ALM/t-online)Abbildung eines Coronavirus SARS-CoV-2 (Quelle: ALM/t-online)

Zum Vergleich: Bei den im Labor eingesetzten PCR-Tests wird die virale RNA nachgewiesen. Antikörper-Tests können Antikörper gegen das Coronavirus anzeigen, die zuvor an den Proteinen angedockt sind (siehe Grafik).

Bei einem Antigen-Test hingegen werden künstlich hergestellte Antikörper genutzt, die an die Proteine andocken. Diese Reaktionen zwischen den im Testsystem vorhandenen Antikörpern und den Virusbestandteilen können sichtbar gemacht werden – aber nicht auf der RNA- sondern auf der Protein-Ebene. Das sogenannte Nucleocapsid-Protein ist ein Eiweiß, das die virale RNA des Coronavirus ummantelt.

Wo könnten Antigen-Tests noch eingesetzt werden?

Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) empfehlen Antigen-Tests, wenn das Ergebnis kurzfristig zugänglich gemacht werden muss. Einsatzgebiete für die Tests könnten die Arztpraxis, das Gesundheitsamt, eine Rettungsstelle oder Labore sein, so ALM-Vorstand Michael Müller. 

Auch bei einem leicht erkrankten Kind könnte der Antigen-Test helfen, zu entscheiden, ob das Kind in die Kita darf oder nicht. Denn fällt der Test negativ aus, ist das Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an Covid-19 erkrankt.

Der Virologe Christian Drosten schlug im NDR-Podcast Mitte September vor, diese Tests an den Eingangstüren von Seniorenwohnheimen durchzuführen. "Wir haben dann plötzlich doch die Möglichkeit, vielleicht unerträglichen Zuständen wie zum Beispiel, dass die Älteren gar nicht mehr besucht werden können, doch noch auf eine andere Art und Weise zu begegnen und damit umzugehen", sagte Drosten.

Was sind Vorteile des Verfahrens?

Der größte Vorteil der Antigen-Tests ist ihre Zeitersparnis. Sie können nicht nur schneller durchgeführt werden als PCR-Tests, sondern liefern auch schnelle Ergebnisse. Einige Anbieter sprechen von einem Testergebnis in 15 Minuten.

Antigen-Tests könnten ALM zufolge auch die Labore entlasten, die weiterhin an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiten. Denn sie sind vor Ort anzuwenden und bedürfen keiner tagelangen Diagnostik im Labor.

Worin liegen die Schwierigkeiten?

Die Antigen-Tests werden aktuell noch genauer auf Tauglichkeit und Qualität untersucht. Bislang ist der Stand: Die Sensitivität der Antigen-Test ist etwas geringer als die der PCR-Methode.  Es gilt daher als wichtig, einen positiven Antigen-Test noch einmal durch einen PCR-Test zu bestätigen, um zu sehen, ob die jeweilige Reaktion auch Covid-19-typisch ist.

"Wir wissen, dass wegen der unterschiedlichen Methode die Antigen-Tests weniger Infizierte genauso gut erkennen wie die PCR. Wenn es gute Antigen-Tests gibt, werden sie aber auch ihren Einsatz finden und dazu dienen, die PCR-Kapazitäten in den Laboratorien zu entlasten", so der ALM-Vorsitzende Michael Müller. 

Hinzu kommt, dass diese Tests nur anschlagen, wenn die Antigene des Betroffenen hoch konzentriert sind. Da Infizierte mit einem leichten oder asymptomatischen Covid-19-Verlauf aber oft eine niedrigere Viruslast und folglich auch eine geringere Antigen-Konzentration aufweisen, könnte der Test bei ihnen womöglich falsch negativ ausfallen.

Der ALM-Vorsitzende Müller mahnt zudem: Auch ein negativer Antigen-Test gebe nicht die Freiheit, die AHA+L+C-Regeln, also die Regeln zum Abstandhalten, zu Hygiene, Alltagsmaske, Lüften sowie der Verwendung der Coronawarn-App, zu vernachlässigen.

Können Antigen-Tests auch zu Hause genutzt werden?

Antigen-Tests dürfen bislang nur durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt werden. Eine Anwendung für den Privatgebrauch ist bisher nicht möglich, denn der Test ist nicht leicht handhabbar.

Verwendete Quellen:
  • Pressemitteilung der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM)
  • Pressekonferenz der ALM
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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