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Scheitert Schwedens Sonderweg an der zweiten Welle?

  • Melanie Rannow
Von Melanie Rannow

Aktualisiert am 15.11.2020Lesedauer: 3 Min.
Shoppingmeile in Stockholm: Nach wie vor soll es in Schweden keine Maskenpflicht geben.
Shoppingmeile in Stockholm: Nach wie vor soll es in Schweden keine Maskenpflicht geben. (Quelle: TT/imago-images-bilder)
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Schweden ging in der Corona-Krise bisher einen viel beachteten Sonderweg mit weniger BeschrÀnkungen. Doch obwohl nun die Neuinfektionen dramatisch an

Bei den Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie gehen die LĂ€nder unterschiedliche Wege. Schweden verfolgt im Gegensatz zu den meisten europĂ€ischen Staaten mit seinem sogenannten Sonderweg eine deutlich lockerere Strategie – und erntet angesichts der Corona-Lage viel Kritik. Denn das Land wird aktuell von einer zweiten Corona-Welle getroffen. Die Regierung aber handelt nur zögerlich.


Coronavirus-Fotoshow: Das sind die wichtigsten Symptome

Husten: Ein trockener Husten ist ein besonders hĂ€ufiges Symptom fĂŒr das Coronavirus. Der Husten kann zusĂ€tzlich zu Atemnot fĂŒhren.
Fieber: Eine erhöhte Temperatur ist ebenfalls ein hĂ€ufiges Symptom fĂŒr Covid-19. Viele Patienten haben zudem Gliederschmerzen oder fĂŒhlen sich schwach.
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Corona-Zahlen steigen – wieder mehr Ältere infiziert

Bisher gab es laut Johns Hopkins-UniversitĂ€t insgesamt mehr als 177.355 bestĂ€tigte Corona-Infektionen in Schweden (Stand: 14. November 2020). Besonders von der Pandemie betroffen ist die Region Stockholm, wo rund eine Million Menschen leben. Dort kommt es laut schwedischen Medienberichten vor allem zu Corona-AusbrĂŒchen in Altenheimen.

Sieben-Tage-Inzidenz: Schweden, USA und Deutschland im Vergleich

Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner verdeutlicht einmal mehr, wie rasant sich die zweite Welle in Schweden ausbreitet. Sie liegt (Stand: 14. November 2020) bei 298,8. Damit ist sie geringer als die der USA (312,2). Dennoch hat die Zahl der Neuinfektionen pro Tag in Schweden einen neuen Höchststand erreicht.

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Blick auf die Todeszahlen: Deutlich mehr FĂ€lle in Schweden

6.164 Menschen starben in Schweden an Covid-19 (Stand 14. November 2020). Im Vergleich zu anderen LÀndern ist das eine sehr hohe Zahl, gemessen an der Einwohnerzahl von 10,2 Millionen. In Deutschland leben etwa acht Mal so viele Menschen. Hier zÀhlte das Robert Koch-Institut bislang 12.404 TodesfÀlle im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

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Im Sommer sah es so aus, als ob Schweden im Kampf gegen das Virus auf einem guten Weg sei. Die Kurve der TodesfÀlle stieg nicht mehr stark an, es gab nur noch wenige Covid-19-Tote. Doch zum Herbstbeginn kehrte sich dieser Trend wieder um.

Regierung reagiert mit milden Maßnahmen

Schwedens Regierung hat erkannt, dass der bisherige Sonderweg angepasst werden muss, um die steigenden Corona-Infektionszahlen aufzuhalten.

Der Chefepidemiologe Anders Tegnell warnte die Bevölkerung bereits Anfang November vor den kommenden Wochen: "Dies ist ein harter Herbst, und es wird wahrscheinlich noch schlimmer werden, bevor es vorbei ist." Es könne bald "pechschwarz" aussehen, deshalb mĂŒsse man reagieren, sagte auch Schwedens MinisterprĂ€sident Stefan Löfven am 11. November auf einer Pressekonferenz.

Angesichts der AusbrĂŒche in Altenheimen wurden in Stockholm deshalb die Besuche dort verboten. Auch alle stĂ€dtischen Museen und Kunsthallen der schwedischen Hauptstadt schließen im November. FĂŒr das gesamte Land gilt zudem ein Alkoholverkaufsverbot in Bars und Restaurants ab 22 Uhr. Die von Löfven angekĂŒndigten Maßnahmen sollen am 20. November in Kraft treten und bis Ende Februar andauern.

Abstand halten: Die schwedische Regierung setzt vorrangig auf Appelle an die Bevölkerung.
Abstand halten: Die schwedische Regierung setzt vorrangig auf Appelle an die Bevölkerung. (Quelle: TT/imago-images-bilder)

Appelle an die Vernunft und keine Maskenpflicht

Ansonsten setzt Schweden weiter auf die Vernunft und das Mitwirken der Bevölkerung. Die Regierung spricht bisweilen eher Empfehlungen aus und verzichtet auf Verbote. Die Schweden "sollen" Kontakte reduzieren und den öffentlichen Nahverkehr, Einkaufszentren sowie Veranstaltungen meiden, aber "mĂŒssen" nicht.

Das Tragen einer Maske gilt weiter als freiwillig. Kritiker werfen insbesondere dem Staatsepidemiologen Anders Tegnell vor, keine Empfehlung fĂŒr eine generelle Maskenpflicht auszusprechen. Tegnells Argument dagegen lautet: Der Nutzen von Masken sei wissenschaftlich nicht belegt.

Landesweiter Lockdown ausgeschlossen?

Europaweit verhĂ€ngen viele Regierungen den Lockdown, um der Corona-Pandemie entgegenzuwirken. Schweden aber hĂ€lt das nicht fĂŒr angebracht: "Lockdowns sind keine langfristige Lösung", sagte der Epidemiologe Anders Tegnell im GesprĂ€ch mit "Zeit Online". Er sehe hĂ€rtere Maßnahmen generell kritisch. Schweden benötige eine Strategie, die langfristig durchzuhalten sei.

Anders Tegnell: Der Epidemiologe gilt als die Stimme der Zuversicht in Schweden.
Anders Tegnell: Der Epidemiologe gilt als die Stimme der Zuversicht in Schweden. (Quelle: TT/imago-images-bilder)

Erst als die Infektionszahlen nach dem Sommer deutlich anstiegen, erklĂ€rte Tegnell, regionale EinschrĂ€nkungen fĂŒr einen kurzen Zeitraum seien denkbar.

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Ob die schwedische Regierung und Staatsepidemiologe Tegnell ihre Sonderweg-Strategie weiter nachbessern und ob diese letztlich die Pandemie eindÀmmen kann, bleibt abzuwarten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
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