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Corona | Astrazeneca, Biontech, Moderna: Wie häufig sind Nebenwirkungen?

Biontech, Moderna, Astrazeneca, J&J  

Wie häufig sind Nebenwirkungen bei der Corona-Impfung?

12.05.2021, 17:22 Uhr
Corona | Astrazeneca, Biontech, Moderna: Wie häufig sind Nebenwirkungen?. Corona-Impfung in einer Hausarztpraxis: Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen wurden bislang beobachtet? (Quelle: dpa/Nicolas Armer)

Corona-Impfung in einer Hausarztpraxis: Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen wurden bislang beobachtet? (Quelle: Nicolas Armer/dpa)

Nach dem Wirbel um Astrazeneca beschäftigt viele Menschen, welche Nebenwirkungen bei der Corona-Impfung auftreten können. Ein Überblick über die bisher gemeldeten Reaktionen – von Fieber bis zu Hirnvenenthrombosen.

In Deutschland überwacht das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Sicherheit von Impfstoffen und Arzneimitteln. Dazu sammelt und bewertet die Abteilung Arzneimittelsicherheit Meldungen zu unerwünschten Effekten. Regelmäßig werden Sicherheitsberichte veröffentlicht, die auch alle in Deutschland gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen in Zusammenhang mit Covid-19-Impfungen enthalten.

Wichtig: Die folgenden Daten beziehen sich auf den aktuellen Sicherheitsbericht des PEI. Dieser betrachtet den Zeitraum vom 27.12.2020 bis zum 30.04.2021.

Bis zum 29. April wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 28,7 Millionen Impfungen in Deutschland durchgeführt, bis zum 9. Mai waren es sogar bereits mehr als 35 Millionen Dosen. Der bislang am häufigsten verabreichte Impfstoff ist BNT162b2 von Biontech/Pfizer. Dahinter folgen der Vektorvirenimpfstoff von Astrazeneca, das Moderna-Vakzin und das Mittel von Johnson & Johnson.

Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen gibt es durchaus, wie der aktuelle Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts zeigt: Das PEI listet darin mehr als 49.961 solcher Verdachtsfälle, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen. 4.916 davon wurden als schwerwiegend eingestuft.

Die zehn häufigsten Nebenwirkungen der Corona-Impfung

Bei den derzeit verimpften Corona-Wirkstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson wurden unterschiedliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen gemeldet. Nach Angaben des PEI handelt es sich dabei vor allem um "vorübergehende Lokalreaktionen und Allgemeinreaktionen", die bereits in klinischen Untersuchungen aufgefallen sind. Sie seien harmlos und nicht mit schwereren oder länger andauernden Erkrankungen verbunden.

Zu den zehn häufigsten Impfreaktionen bei allen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen gehören demnach:

  1. Fieber
  2. Kopfschmerzen
  3. Schüttelfrost
  4. Müdigkeit
  5. Grippeähnliche Symptome
  6. Muskelschmerzen
  7. Schmerzen an der Einstichstelle
  8. Schwindelgefühl
  9. Schwäche
  10. Übelkeit

Dabei fällt auf: Die Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Impfstoff. Fieber wird bei allen drei Mitteln als häufigste Nebenwirkung angegeben. Hinzu kommen

  • bei dem Biontech-Präparat Kopfschmerzen und Ermüdung,
  • beim Moderna-Impfstoff Schmerzen an der Einstichstelle und Hautausschlag,
  • beim Astrazeneca-Impfstoff grippeähnliche Symptome.

Zum Impfstoff von Johnson & Johnson liegen dem PEI erst wenige Daten zu möglichen Nebenwirkungen vor, da er hierzulande erst seit Kurzem verimpft wird. Nach Informationen der US-Zulassungsbehörde FDA gibt es Berichte über typische Impfreaktionen nach der Covid-19-Impfung mit J&J. Dazu zählen Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen sowie Übelkeit.

Welches Mittel verursacht am häufigsten Nebenwirkungen?

Die prozentual meisten Meldungen zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung erhält das Paul-Ehrlich-Institut bisher zum Mittel von Astrazeneca. Das zeigt die folgende Tabelle, die sich auf Daten bis zum 30. April stützt:

Fälle pro 1.000 ImpfungenDurchschnittBiontech/PfizerModernaAstrazenecaJohnson & Johnson
insgesamt1,70,91,84,51,4
schwerwiegend0,20,10,10,4-

Etwa drei Viertel der Verdachtsfallmeldungen betreffen Frauen – für alle Impfstoffe fast gleichermaßen. Das PEI führt das auf den höheren Frauenanteil bei den Impfungen zurück.

Bei Impfungen mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca soll es vor allem häufiger zu Fieber, Schüttelfrost und grippeähnlichen Beschwerden gekommen sein. Allerdings muss das nach Meinung des PEI nicht automatisch bedeuten, dass das Vakzin schlechter verträglich ist als die anderen Corona-Impfstoffe.

Da der Johnson & Johnson-Impfstoff in Deutschland erst seit Ende April gut 2.000 Mal verimpft wird, gibt es für dieses Mittel vergleichsweise wenig Daten. Bisher wurden noch keine schwerwiegenden Verdachtsfälle gemeldet.

Sind geschwollene Lymphknoten ein Grund zur Besorgnis?

Eine Impfung gegen Covid-19 kann Fallberichten zufolge auch zu geschwollenen Lymphknoten unter den Armen führen. Meist treten diese wenige Tage nach der Impfung auf. Doch für Betroffene sind sie im Normalfall kein Grund zur Sorge, so Mediziner. Denn Lymphknotenschwellungen seien genau wie Schmerzen an der Einstichstelle generell häufige Nebenwirkungen von Impfungen und daher keineswegs ungewöhnlich.

Diese Reaktionen zeigen, dass der Körper die Information über den Krankheitserreger, gegen den die Impfung wirken soll, verarbeitet. Das Immunsystem reagiert genau richtig: Es produziert Antikörper, die bei einer möglichen Infektion mit SARS-CoV-2 schützen. Verschwindet der geschwollene Lymphknoten aber nicht nach einiger Zeit von selbst, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Corona-Impfung: Jede Schutzimpfung kann unerwünschte Reaktionen auslösen.  (Quelle: dpa/Christopher Neundorf)Corona-Impfung: Jede Schutzimpfung kann unerwünschte Reaktionen auslösen. (Quelle: Christopher Neundorf/dpa)

Das ist über schwerwiegende Nebenwirkungen bekannt

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen nach der Covid-19-Impfung.

Hirnvenenthrombosen nach Impfungen mit Astrazeneca

Die Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca waren Mitte März vorübergehend ausgesetzt worden, Ende März wurden sie dann für bestimmte Altersgruppen eingeschränkt. Grund dafür sind sogenannte Sinusvenenthrombosen mit begleitender Thrombozytopenie, zum Teil auch mit Blutungen, die in Deutschland und anderen europäischen Ländern sehr selten nach der Impfung mit Astrazeneca beobachtet wurden.

Bis zum Berichtszeitpunkt wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 67 Fälle einer Hirnvenenthrombose berichtet, die nach Impfung mit Astrazeneca auftraten. Davon verstarben 14 Patienten. Die meisten Fälle betrafen laut PEI Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren.

Das PEI und die Europäische Arzneimittelagentur Ema haben einen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung mit Astrazeneca und den unerwünschten Reaktionen als möglich angesehen. Dennoch übertreffe der Nutzen des Impfstoffs die möglichen Risiken bei Weitem. Künftig gibt es einen Warnhinweis in der Liste der möglichen Nebenwirkungen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) änderte daraufhin Ende März ihre Impfempfehlung für Deutschland: Astrazeneca soll nun nur an über 60-jährige Personen verimpft werden. Gleichzeitig wurde das Vakzin für alle freigegeben. Wenn sich Jüngere für Astrazeneca entscheiden, sollen eine ärztliche Aufklärung und individuelle Risikoanalyse stattfinden.

Seltenen Nebenwirkungen: Warnhinweis auch für Johnson & Johnson

Auch der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson kann in seltenen Fällen ungewöhnliche Thrombosen verursachen, wie die Ema festgestellt hat. Trotzdem empfehlen die Experten den Impfstoff ohne Einschränkungen, da die Nebenwirkungen sehr selten seien. In Deutschland wurde das Vakzin für alle freigegeben, die Stiko empfiehlt auch diesen Impfstoff vor allem für über 60-Jährige.

Clarkson-Syndrom: Ema untersucht Astrazeneca-Vakzin

Derzeit untersucht die Europäische Arzneimittelagentur Ema, ob es einen Zusammenhang zwischen der Impfung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff und fünf Fällen des Clarkson-Syndroms gibt. Dabei handelt es sich um ein sehr seltenes und wenig erforschtes Phänomen. Wie die Ema ausdrücklich mitteilt, ist ein ursächlicher Zusammenhang noch nicht bestätigt. 

In den meisten Fällen leiden die Betroffenen zunächst an Schmerzen im Bereich des Bauches und an Übelkeit. Es können aber auch ernsthafte Komplikationen wie ein Herz-Kreislauf-Kollaps oder eine Niereninsuffizienz folgen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Mehr Anaphylaxie-Fälle nach Impfung mit Biontech

Im Zusammenhang mit den mRNA-Impfstoffen fällt auch immer wieder der Begriff Anaphylaxie. Damit ist eine plötzlich auftretende, starke allergische Reaktion gemeint, die sich auf den ganzen Körper ausbreiten kann. Schuld daran sind bestimmte Antikörper, die das Immunsystem "versehentlich" gegen eigentlich harmlose Substanzen gebildet hat.

In Deutschland sind bis Ende April 147 Fälle von Anaphylaxien nach Corona-Impfungen beobachtet worden. 113 davon betrafen den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Bei dem Impfstoff von Moderna wurden bisher zehn Fälle, bei Astrazeneca 42 Anaphylaxie-Fälle berichtet. Laut Berichten waren in mehreren Fällen jüngere Frauen betroffen.

Laut Robert Koch-Institut liegt die Häufigkeit dieser Nebenwirkung bei allen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen durchschnittlich zwischen 0,4 bis 11,8 pro eine Million Impfungen.

Zu den Anzeichen einer anaphylaktischen Reaktion zählen:

  • Kratzen im Hals
  • Schwellung der Zunge und des Rachens
  • Heiserkeit
  • erschwerte Atmung
  • Hautrötungen

Bei einer milden Form klingen die Beschwerden nach wenigen Stunden oder Tagen ab. Bei ernsten Verläufen können Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Krämpfe oder Atemnot hinzukommen. Im schlimmsten Fall droht ein Kreislaufzusammenbruch mit Todesfolge.

Ampullen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech, Astrazeneca und Moderna: Sie werden derzeit in Deutschland verimpft. (Quelle: dpa/Matthias Bein)Ampullen mit den Corona-Impfstoffen von Biontech, Astrazeneca und Moderna: Sie werden derzeit in Deutschland verimpft. (Quelle: Matthias Bein/dpa)

Herzerkrankung nach Biontech-Impfungen – bislang kein Zusammenhang

Wie Ende April bekannt wurde, hat das israelische Gesundheitsministerium Fälle von Herzmuskelentzündung (Myokarditis) in Verbindung mit dem Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer untersucht. Israelische Medien hatten zuvor über eine Analyse berichtet, der zufolge 62 Fälle von Myokarditis aufgetreten seien, vor allem bei jungen Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren. Das Ergebnis des Expertenteams lautete nach der Prüfung: Eine ungewöhnliche Häufung der Erkrankung sei nicht erwiesen.

Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden bis zum 30. April insgesamt 16 Fälle von Herzmuskelentzündungen gemeldet, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung gegen Covid-19 stehen. Bei der Mehrzahl der Berichte fehlten bislang Informationen zu möglichen alternativen Ursachen wie etwa Virusinfektionen und Begleiterkrankungen. Daher sei noch keine medizinische Bewertung der Meldungen möglich, so das PEI.

Der Impfstoffhersteller Pfizer teilte derweil mit, man sei über die Berichte in Israel informiert. "Wir haben keine Rate von Myokarditis beobachtet, die höher wäre, als man es in der allgemeinen Bevölkerung erwarten würde", hieß es in einer Mitteilung. "Ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung wurde nicht festgestellt. Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Beweis dafür, dass in Verbindung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff ein Risiko von Myokarditis besteht."

Todesfälle nach Covid-19-Impfungen

Vereinzelt wurde auch über Todesfälle bei Geimpften berichtet. Bis zum 30. April 2021 verstarben insgesamt 524 Personen im Zeitraum von wenigen Stunden bis zu 40 Tage nach der Impfung, durchschnittlich im Alter von 84 Jahren. Diese Zahl übersteigt laut PEI jedoch nicht den Wert, der statistisch im selben Zeitraum in dieser Altersgruppe zu erwarten ist. Die Fälle werden aber genauer untersucht.

Diese Nebenwirkungen treten bei anderen Schutzimpfungen auf

Dem RKI zufolge haben auch etablierte Impfstoffe Nebenwirkungen. Sie sind oft unangenehm, aber ungefährlich und stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen der Impfung. Wichtig sei, die möglichen Reaktionen genau zu kennen. Ein Überblick über die Nebenwirkungen von schon lange verabreichten Impfstoffen:

Grippe (Influenza)

Die saisonale Grippeimpfung gilt als sehr sicher. Milliardenfach wird sie weltweit verabreicht – die Impfwirksamkeit beträgt etwa 60 bis 70 Prozent. Sie kann aber – wie jede Impfung – eine Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle hervorrufen (bei zehn bis 40 Prozent). Auch Allgemeinsymptome wie Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen treten gelegentlich auf (bei fünf bis zehn Prozent). Schwere allergische Reaktionen wie Anaphylaxie sind sehr selten (bei weniger als einer von 10.000 geimpften Personen).

Masern, Mumps und Röteln

Der Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) wird schon an Kleinkinder verimpft. Die zweifache Masernimpfung verhindert nach Angaben des RKI bei etwa 98 bis 99 Prozent der Geimpften den Ausbruch einer Erkrankung und führt bei ihnen in der Regel zu einem lebenslangen Schutz. Selten gibt es eine lokale Reaktion auf den Stich. Aber eines von zehn Kindern reagiert mit Fieber. Dieses muss kontrolliert werden, da sehr hohes Fieber einen Fieberkrampf zur Folge haben kann (bei einem von 3.000 Kindern).

Pneumokokken

Auch der Pneumokokken-Impfstoff wurde speziell für Säuglinge entwickelt. Es gibt aber auch Mittel für Erwachsene, die von der Ständigen Impfkommission allen Erwachsenen ab einem Alter von 60 Jahren empfohlen werden. Die Pneumokokken-Vakzine weisen eine sehr hohe Wirksamkeit von 95 Prozent auf und gelten als gut verträglich. Als Nebenwirkungen der Impfung werden Fieber und auch Reaktionen wie Schwellung, Schmerzen und Rötung der Einstichstelle beschrieben. Schwere Nebenwirkungen nach der Pneumokokken-Impfung sind sehr selten (bei einem von 100.000 Kindern).

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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