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Corona | Impfreihenfolge: Wonach wird entschieden, wer zuerst geimpft wird?

Immunität gegen Coronavirus  

Wonach wird entschieden, wer zuerst geimpft wird?

25.04.2021, 11:21 Uhr
Corona | Impfreihenfolge: Wonach wird entschieden, wer zuerst geimpft wird?. In einer Hausarztpraxis in Stuttgart wird gegen Corona geimpft: Mittlerweile können viele Hausärzte ihre Patienten zur Corona-Impfung einladen.  (Quelle: imago images/Wilhelm Mierendorf)

In einer Hausarztpraxis in Stuttgart wird gegen Corona geimpft: Mittlerweile können viele Hausärzte ihre Patienten zur Corona-Impfung einladen. (Quelle: Wilhelm Mierendorf/imago images)

Mittlerweile sind in Deutschland fast sechs Millionen Menschen vollständig gegen Covid-19 geimpft – vielen ist jedoch nicht ganz klar, wann sie an der Reihe sind. Schon bald soll die Impfpriorisierung sogar aufgehoben werden.

Seit Ende Dezember werden die Menschen in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. Mittlerweile werden drei Impfstoffe verabreicht, von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca, und auch die Hausärzte werden in die Impfkampagne eingebunden. Trotzdem sind bisher nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung vollständig gegen SARS-CoV-2 geimpft. Viele fragen sich, wann sie an der Reihe sein könnten und die Regierung kündigt an, dass schon bald die Priorisierung aufgehoben werden könnte. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Welche Gruppen werden wann geimpft? 

Da der Corona-Impfstoff zunächst nur begrenzt verfügbar ist, gibt es aktuell noch eine Reihenfolge, nach der besonders gefährdete Gruppen zuerst geimpft werden. Davon sind zunächst diejenigen betroffen, die ein besonders hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf von Covid-19 haben, die durch ihren Beruf besonders gefährdet sind oder engen Kontakt zu gefährdeten Gruppen haben. Nach der Coronavirus-Impfverordnung gibt es drei Gruppen: Impflinge höchster, hoher oder erhöhter Priorität. Das bedeutet im Einzelnen: 

  • Höchste Priorität: Über 80-Jährige, Bewohner und Personal von Pflegeheimen, Personen, die regelmäßig selbst impfen, Pflegekräfte und medizinisches Personal beispielsweise auf Intensivstationen, bei Rettungsdiensten oder in Impfzentren. 
  • Hohe Priorität: Über 70-Jährige, Menschen mit schweren Vorerkrankungen oder Behinderungen, beispielsweise nach einer Organtransplantation, bei einer geistigen Behinderung, einer Krebserkrankung oder chronischen Lungenerkrankungen, enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen, Schwangeren oder Vorerkrankungen sowie Personen aus der Kinderbetreuung, Bewohner und Mitarbeiter aus Flüchtlings- oder Obdachlosenunterkünften.
  • Erhöhte Priorität: Über 60-Jährige, Personen mit Vorerkrankungen wie HIV, Krebs, Autoimmunerkrankungen, Rheuma, Schlaganfall, Asthma, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes oder Adipositas. Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen, Mitarbeiter von Verfassungsorganen wie der Bundeswehr, Polizei, Zoll, Feuerwehr oder auch aus Justiz und Rechtspflege, Lebensmitteleinzelhandel oder Wahlhelfer.

Mittlerweile wird der Stand der Impfungen in den einzelnen Gruppen nicht mehr aktualisiert, da aktuell Menschen in verschiedenen Zielgruppen geimpft werden und einige Personen auch zu mehreren Priorisierungsgruppen gleichzeitig zählen können. Mit Stand von Ende März waren beispielsweise rund 50 Prozent der älteren Menschen geimpft sowie 40 Prozent der Gesundheits- und Pflegeberufe, 13 Prozent der Bewohner in Pflegeheimen und sechs Prozent der Menschen mit Vorerkrankungen. Mittlerweile dürften die Zahlen deutlich gestiegen sein. 

Wonach entscheiden Hausärzte, wen sie impfen? 

Seit einigen Wochen wird in Deutschland nicht nur in Impfzentren, sondern auch bei den Hausärzten geimpft. Diese entscheiden dann selbst, welche Patienten sie wann impfen. "Solange der Impfstoff nur in geringen Mengen vorhanden ist, sollte die Priorisierung den Hausärztinnen und Hausärzten eine Leitlinie sein", erklärte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt dazu auf Anfrage von t-online. "Sie ist aber keineswegs als starres Regelwerk zu verstehen, das ganz genau vorgibt, wer wann die Impfung erhält. Impfen nach Schema F gibt es in der Praxis so nicht." Letztlich bedeute Priorisierung nichts anderes, als die vorrangig zu impfen, "die zur besonders gefährdeten Patientengruppe zählen".

"Dadurch, dass die Hausärztinnen und Hausärzte ihre Patientinnen und Patienten in der Regel sehr gut kennen, samt ihrer Lebensumstände und ihrer Krankheitsgeschichte, wissen sie zumeist sehr genau, wer schnellstmöglich geschützt werden muss", führt Weigeldt aus. Und das lasse sich oft nicht nur am Alter festmachen, gerade, weil der Faktor Vorerkrankungen mit Blick auf Covid-19 eine wichtige Rolle spiele.

Wann kann die Impfreihenfolge unterbrochen werden? 

Viele fragen sich, warum beispielsweise der junge, fitte Nachbar oder ein Promi, der kerngesund wirkt, schon geimpft wurden, die eigene Mutter mit Vorerkrankungen aber vielleicht noch nicht an der Reihe war. Das kann laut Hausärzteverband auch ein glücklicher Zufall sein: "Wenn dann abends mal Impfstoff übrig bleibt und die nächsten Patienten auf der Warteliste nicht erreichbar sind, dann findet man eben Ersatz – alles ist besser, als Impfstoff wegzuschmeißen", betont Weigeldt. Aber das sei aktuell, da der Impfstoff ja noch sehr knapp ist, "eher selten der Fall".

Bei Prominenten sieht der Vorsitzende des Hausärzteverbandes zudem einen möglichen Vorteil: "Es kann natürlich einen positiven Effekt auf die Impfkampagne haben, wenn sich Personen der Öffentlichkeit oder Politiker öffentlichkeitswirksam impfen lassen – das sollte aber, solange der Impfstoff noch Mangelware ist, nicht dazu führen, dass Risikopatienten Impfstoff vorenthalten wird." Grundsätzlich wird sich also an die Reihenfolge gehalten. 

Auch in der Impfverordnung ist ausdrücklich geregelt, dass von der Reihenfolge "in Einzelfällen" abgewichen werden kann, "wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen und zur kurzfristigen Vermeidung des Verwurfs von Impfstoffen notwendig ist". In Hotspots an der Grenze kann zudem die gesamte Bevölkerung geimpft werden, um zu verhindern, dass das Virus ins Landesinnere getragen wird. 

Wie lange wird es die Priorisierung überhaupt noch geben? 

Die Corona-Impfverordnung orientiert sich grundsätzlich an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko). Demnach soll die Priorisierungsempfehlung so lange gültig sein, bis genügend Impfstoff verfügbar ist. "Mittelfristig ist es das Ziel, allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu einer Impfung zu bieten", heißt es.

"Nach jetzigem Kenntnisstand und wenn noch weitere Impfstoffe zugelassen werden, gehen wir davon aus, dass im Sommer jedem in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden kann", heißt es dazu vom Bundesgesundheitsministerium. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwartet spätestens für Juni eine Freigabe der Corona-Impfungen für alle Impfwilligen in Deutschland. Momentan gehe er davon aus, "dass wir im Juni die Priorisierung aufheben können", sagte Spahn am Donnerstag im Bundesrat in Berlin. Er wäre froh, wenn es noch früher möglich sei, fügte er hinzu. Erste Bundesländer haben zudem bereits die Priorisierung für den Astrazeneca-Impfstoff aufgehoben. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Anfrage Hausärzteverband
  • zusammengegencorona.de: "Impfreihenfolge: Wer wird in welcher Priorisierungsgruppe wann geimpft?"
  • Bundesregierung: "Diese Reihenfolge gilt bei der Impfung"
  • Bundesministerium für Gesundheit: "Fragen, Antworten und Zahlen zur Covid-19-Impfung"
  • infektionsschutz.de: "Die Impfreihenfolge"
  • impfdashboard.de: "Aktueller Impfstatus"
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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