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Antikörperbehandlung: Risikopatienten sollten nach Corona-Infektion handeln

Antikörperbehandlung bei Corona  

Risikopatienten sollten nach ihrer Infektion schnell handeln

Von Christiane Braunsdorf

19.05.2021, 12:57 Uhr
Antikörperbehandlung: Risikopatienten sollten nach Corona-Infektion handeln. Eine Infusion kann Leben retten: Antikörper können besonders bei Risikopatienten schwere Verläufe verhindern. (Quelle: picture alliance / newscom | Star Tribune)

Eine Infusion kann Leben retten: Antikörper können besonders bei Risikopatienten schwere Verläufe verhindern. (Quelle: picture alliance / newscom | Star Tribune)

Bereits Ex-US-Präsident Donald Trump wurde bei seiner Coronavirus-Infektion mit Antikörpern behandelt. Mit ihnen können schwere Krankheitsverläufe vermieden werden. Risikopatienten sollten bei einem positiven PCR-Test frühzeitig handeln.

Im Januar verkündete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass sein Ministerium 200.000 Dosen neuer Corona-Medikamente gekauft hat: Sogenannte monoklonale Antikörper können – in der Frühphase der Erkrankung verabreicht – schwere Krankheitsverläufe nach einer Infektion mit dem Coronavirus verhindern. "Sie wirken wie eine passive Impfung. Die Gabe dieser Antikörper kann Risikopatienten in der Frühphase helfen, dass ein schwerer Verlauf verhindert wird", sagte Spahn der "Bild am Sonntag". 

Bis April durften diese Medikamente jedoch nur in Krankenhäusern bei Patienten eingesetzt werden, die dort wegen anderer Erkrankungen behandelt wurden und zusätzlich auch noch eine Corona-Infektion hatten. Dann wurde die Rechtsverordnung geändert. Nun können Patienten in der Frühphase kurz nach der Ansteckung mit SARS-CoV-2 auch ambulant mit den Antikörpern behandelt werden.

An der Berliner Charité geht man sogar neue Wege, um die Therapie zu den Corona-Patienten zu bringen: Das Universitätsklinikum öffnete eine Antikörper-Ambulanz, bei der sie sich über eine Hotline anmelden können. Doch auch bundesweit stehen neue Medikamente zur Verfügung.

Was sind monoklonale Antikörper?

Diese Abwehrstoffe, die das Virus außer Gefecht setzen sollen, werden im Labor hergestellt. Der Begriff monoklonal bedeutet, dass die Antikörper alle gleich sind und das Virus alle an der gleichen Stelle attackieren. Beim Coronavirus ist dieser Ort das Spike-Protein, über das der Krankheitserreger in die Zellen eindringt. Seine Vermehrung wird blockiert.

"Bei der aktuell in Deutschland vorherrschenden Mutante reicht ein Präparat, das nur eine Sorte Antikörper enthält (Bamlanivimab, Hersteller: Eli Lilly). Bei Menschen, die durch andere Varianten infiziert wurden (wie der brasilianischen oder südafrikanischen), wird ein Präparat mit zwei Antikörpergruppen gegeben (Casirivimab/Imdevimab, Hersteller: Regeneron)", erklärt Dr. Norbert Suttorp, Infektiologe und Pneumologe an der Charité im Gespräch mit t-online. Er baute die Covid-Antikörperambulanz an seiner Klinik auf. 

Wie werden die Medikamente verabreicht?

Über eine Infusion. Diese dauert etwa eine Stunde, danach wird der Patient noch eine Stunde nachbeobachtet. Suttorp: "Es zeigt sich eine 70-prozentige Wirksamkeit in der Verhinderung schwerer Verläufe. Das ist ein sehr guter Effekt. Die Nebenwirkungen sind nur leicht und eher allergischer Natur."

Für wen kommt die Behandlung infrage?

Dafür gibt es ein klares Patientenprofil. Behandelt werden Menschen mit einem positiven PCR-Test, der maximal drei Tage alt ist. Außerdem sollten sie nicht länger als fünf Tage leichte Symptome (wie Fieber oder Husten) zeigen. Und sie sollten mindestens einen der folgenden Risikofaktoren haben:

  • Alter über 50
  • Übergewicht ab einem BMI von 35
  • aktuell laufende Chemotherapie
  • Lungenerkrankungen
  • Nierenerkrankungen (in der Dialyse)
  • Menschen mit Down-Syndrom
  • eine Organtransplantation

Wichtig ist: Die Behandlung ist nur in der Frühphase der Infektion sinnvoll. Haben die Patienten zum Beispiel schon Atemnot, schlägt die Antikörpertherapie nicht mehr an.

Für wen ist die Therapie nicht geeignet?

Suttorp: "Menschen ohne Vorerkrankungen. Menschen, die in der Vergangenheit bereits einen schweren allergischen Schock hatten. Und zu Behandlungen von Schwangeren liegen derzeit keine Erkenntnisse vor."

Was kostet die Behandlung?

Das Medikament selbst kostet etwa 2.000 Euro. Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung. Bei der Antikörperinfusion handelt es sich nicht um eine Studie, sondern um ein Therapieangebot.

Wie bekomme ich die Behandlung?

"Bislang ist die Charité-Ambulanz meines Wissens bundesweit einmalig. Wir hoffen aber, Nachahmer zu finden, damit die vorhandenen 200.000 Dosen verabreicht werden können", sagt Suttorp. Bundesweit sind die Hausärzte weiterhin erste Ansprechpartner für Patienten, die den genannten Risikogruppen angehören und die die Kriterien zur Behandlung erfüllen. Sie sollten sich umgehend nach ihrem positiven PCR-Test mit ihrem Hausarzt in Verbindung setzen. In Berlin können sich diese Patienten auch bei der Ambulanz-Hotline der Charité unter 030-450 576 888 selbst melden.

Wichtig: Um die Infusion verabreicht zu bekommen, darf die angeordnete häusliche Quarantäne nach einem positiven PCR-Test unterbrochen werden. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt auch darüber, auf welchem Weg Sie zur Behandlung kommen können. Suttorp betont, dass infizierte Personen nicht mit Bus, Bahn oder Taxi anreisen sollten. "Wir raten zum eigenen Auto. Wenn dies nicht möglich ist, kann im Patientengespräch nach einer Lösung gesucht werden. Und: Auch nach der Behandlung bleiben die Patienten natürlich weiter in häuslicher Quarantäne."

Welche anderen Medikamente machen Hoffnung?

An der Charité gelten für Norbert Suttorp vor allem zwei Wirkstoffe als vielversprechend. Dexamethason, ein Kortison-Präparat, unterdrückt die Immunabwehr und reduziert überschießende Entzündungen. "Mit dem Einsatz dieses Medikaments kann die Sterblichkeitsrate bei Covid-infizierten, beatmeten Patienten um bis zu ein Drittel gesenkt werden", so Suttorp.

Des Weiteren läuft eine Studie zu Adrenomedullin. Es setzt bei einem Problem an, dass bei einer schweren Covid-19-Erkrankung in den Lungen zu beobachten ist: Die Lungengefäße werden undicht. Die Folge: Der Gasaustausch funktioniert nicht mehr. "Adrenomedullin ist eine Substanz, die die Gefäße dicht hält. Hier sehen die Studien sehr ermutigend aus", sagt Suttorp.

In einer groß angelegten Studie untersucht die WHO drei weitere Medikamente genauer:

Infliximab wird bislang zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Arthritis und Morbus Crohn eingesetzt. Der monoklonale Antikörper blockiert einen zentralen Entzündungsbotenstoff.

Imatinib wird bislang in der Krebstherapie, besonders bei Leukämie eingesetzt. Die Hoffnung ist, dass mit seiner Hilfe der durch das Coronavirus im Körper ausgelöste Zytokinsturm gebremst werden kann und damit Entzündungsreaktionen gedämpft werden können.

Artesunat ist aus der Malariabekämpfung bekannt. Auch bei dieser Tropenkrankheit kommt es über die vermehrte Zytokinausschüttung zu Entzündungen, die Artesunat blockieren könnte.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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