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Bundesweite Inzidenz unter 20: Warum sind die Corona-Zahlen gerade so niedrig?

Pandemie vor dem Ende?  

Was hinter den niedrigen Corona-Zahlen steckt

14.06.2021, 09:39 Uhr
Bundesweite Inzidenz unter 20: Warum sind die Corona-Zahlen gerade so niedrig?. Menschen in einer vollen Fußgängerzone: War es das jetzt mit der Corona-Pandemie? (Quelle: imago images/Ralph Peters)

Menschen in einer vollen Fußgängerzone: War es das jetzt mit der Corona-Pandemie? (Quelle: Ralph Peters/imago images)

Die Corona-Infektionszahlen in Deutschland sinken stetig. Vielerorts liegt die Inzidenz bereits unter 10. Wie lässt sich diese Entwicklung erklären? Steht das Ende der Pandemie nun kurz bevor? 

Gemessen an der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz scheint sich die Corona-Lage in Deutschland immer weiter zu entspannen. Der politisch bedeutsame Wert liegt nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntag bei 17,3.

Woran das liegt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Nach Ansicht von Experten kommen mehrere Ursachen zusammen, die die Infektionsraten sinken lassen. Ein Erklärungsansatz mit vier Punkten:

Impfungen zeigen Wirkung

Zum Abklingen der Infektionslage trägt vor allem die stark erhöhte Impfgeschwindigkeit bei. Mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland haben bislang mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das entspricht 48,1 Prozent der Gesamtbevölkerung, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht (Stand 12. Juni).

Den vollständigen Impfschutz hat nun demnach mehr als jeder Vierte (21,35 Millionen Menschen oder 25,7 Prozent). Folglich sind immer mehr Menschen gegen eine Covid-19-Erkrankung geschützt. Auch die Immunisierung durch eine überstandene Infektionen wirkt sich auf den Immunschutz in der Bevölkerung aus.

Teststrategie spielt eine Rolle

Ein weiterer Faktor, der sich auf die Infektionszahlen auswirkt, sind Schnelltests. Seit einigen Wochen wird deutlich mehr getestet – in Schulen, am Arbeitsplatz und bei manchen Freizeitaktivitäten.

Die Annahme, dass mehr Tests zwangsläufig zu steigenden Zahlen führen, stimmt aber nicht. Man findet zwar mehr Menschen, die infiziert sind und das Virus weitertragen können. Aber das wäre auch der Fall, wenn sie nicht getestet wären. Laut Experten senken daher mehr Tests langfristig die Infektionszahlen.

Risikovermeidung kurz vor der Impfung als Phänomen

Am meisten wird aber das Infektionsgeschehen davon beeinflusst, wie wir uns verhalten. Die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation hat einen überraschenden Grund für die sinkenden Zahlen ausgemacht. Sie habe bei ihren Prognosen einen Faktor unterschätzt, der offenbar erheblichen Einfluss habe, sagte sie im "Deutschlandfunk".

"Menschen, die einen Impftermin haben, stecken sich schon vor ihrer Impfung ganz wenig an, weil man in den zwei, drei Wochen nicht auf die letzten Meter noch krank werden möchte." Das sei ein Effekt, "der die Fallzahlen auch zusätzlich noch mal runterbringt", so Priesemann.

Zuvor wurde dieses Phänomen in Großbritannien beobachtet: Eine Studie zeigte, dass viele Menschen mit einem Impftermin in der Zeit davor alles tun, um eine Infektion zu vermeiden und Kontakte entsprechend herunterfahren.

Impfung gegen Covid-19: Die Immunisierung der Bevölkerung hat auch dank der Hausärzte deutlich an Fahrt aufgenommen. (Quelle: imago images/Wilhelm Mierendorf)Impfung gegen Covid-19: Die Immunisierung der Bevölkerung hat auch dank der Hausärzte deutlich an Fahrt aufgenommen. (Quelle: Wilhelm Mierendorf/imago images)

Wetter beeinflusst Infektionsgeschehen ebenso

Das RKI nennt auch die Saisonalität als weiteren möglichen Grund für die sinkenden Inzidenzen. Die warmen Temperaturen ziehen die Menschen nach draußen und es finden wieder mehr Aktivitäten im Freien statt. Dort ist die Infektionswahrscheinlichkeit deutlich geringer als in Innenräumen.

Allerdings macht dieser "Sommereffekt", wie der Charité-Virologe Christian Drosten ihn nennt, nur etwa 20 Prozent des Rückgangs der Corona-Infektionen aus.

War es das jetzt mit Corona?

Nach den bisherigen Pandemieerfahrungen betonen Experten, man müsse aufmerksam bleiben. Die Sorge vor einem Wiederanstieg der Zahlen und damit einer vierten Welle noch vor dem Herbst, halte er für berechtigt, erklärte etwa der Virologe Friedemann Weber von der Universität Gießen.

"Eine allzu frühe Entwarnung kann dazu führen, dass Corona nicht mehr ernst genommen wird und die Zahlen wieder ansteigen." Mit einer Welle im Sinne eines exponentiellen Anstiegs rechne er aber zunächst nicht, "eher könnte es zu einem Jojo-Effekt kommen".

Unklar, wie sich die Corona-Varianten ausbreiten

Ein großer Unsicherheitsfaktor stellt die Ausbreitung neuer, gefährlicher Virusvarianten dar. Die Delta-Variante aus Indien etwa gilt als noch ansteckender als ihre Vorgänger und hat sich in Großbritannien bereits stark verbreitet. Ob Deutschland in den nächsten Monaten eine ähnliche Entwicklung bevorsteht, lässt sich kaum vorhersagen.

Die Variante steht beim RKI jedenfalls unter besonderer Beobachtung. Manche Wissenschaftler sehen bei ihr das Potenzial zum Auslösen einer neuen Welle. Zahlen aus Deutschland deuten auf eine noch recht geringe Verbreitung hin. Doch das könnte sich schnell ändern. Auch weitere besorgniserregende Mutationen aus Südafrika und Brasilien könnten womöglich stärker zum Zuge kommen.

Kontaktbeschränkungen weiterhin wichtig

Der wesentlichste Faktor aber bleibt das Verhalten der Bevölkerung. Seitdem die Corona-Maßnahmen gelockert wurden, treffen wieder mehr Menschen aufeinander. Der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk vom Universitätsklinikum Halle warnt: "Solange die Durchimpfung noch nicht 80 Prozent erreicht hat, spielt für die Kontrolle der Pandemie die Kontakteinschränkung eine große Rolle." Auch die AHA-Regeln seien weiterhin eine wichtige Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Deutschlandfunk: "Modelliererin Priesemann: 'Noch lohnt es sich, die Grenzen wirklich zuzumachen'", 9. Juni 2021
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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