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So gut wirken die Corona-Impfstoffe gegen die Delta-Variante

Im Überblick  

So gut wirken die Corona-Impfstoffe gegen die Delta-Variante

25.07.2021, 15:19 Uhr
So gut wirken die Corona-Impfstoffe gegen die Delta-Variante. Corona-Impfung: Mittlerweile gibt es einige Studien dazu, wie gut die einzelnen Vakzine auch gegen die Mutanten wirken. (Quelle: imago images/Rainer Unkel)

Corona-Impfung: Mittlerweile gibt es einige Studien dazu, wie gut die einzelnen Vakzine auch gegen die Mutanten wirken. (Quelle: Rainer Unkel/imago images)

Mehr als 70 Prozent der Corona-Neuinfektionen in Deutschland sind mittlerweile auf die sogenannte Delta-Variante zurückzuführen. Viele fragen sich daher jetzt, ob eine Impfung überhaupt noch schützt. 

Seit einigen Monaten grassiert nicht mehr nur das Coronavirus in Deutschland – wir haben es mittlerweile mit verschiedenen Mutanten des Virus zu tun. Als besonders besorgniserregend stuft das Robert Koch-Institut dabei die sogenannte Delta-Variante ein, die zuerst in Indien nachgewiesen wurde. Doch wie wird eine Variante überhaupt identifiziert und wie gut wirken die zugelassenen Impfstoffe? t-online hat die wichtigsten Fragen und Antworten. 

Wie häufig gab es bisher die Delta-Variante in Deutschland und wie wird sie gezählt?

Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) ist die Delta-Variante bereits seit Ende Juni 2021 die dominierende Mutante in Deutschland. Im letzten Bericht vom 14. Juli 2021 lag der Anteil bereits bei 74 Prozent. In der Vorwoche waren es noch 60 Prozent. 

Um das zu zählen, werden in vielen Ländern wie auch in Deutschland die positiven PCR-Tests sequenziert. Das bedeutet, dass die Reihenfolge der Bausteine im genetischen Code des Coronavirus untersucht wird. So können Wissenschaftler sehen, ob sich der genetische Code verändert hat, also eine Mutation oder eine ganz neue Mutante entstanden ist. Dann können die Fälle der Delta-Variante ebenso wie die der anderen Varianten gezählt werden. Mittlerweile werden etwa zehn Prozent aller Proben auf Varianten hin untersucht. 

Wie gut wirken Kreuzimpfungen? 

Viele, die zunächst mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft wurden, haben bei der zweiten Impfung einen mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna erhalten. Diese Mischung aus zwei Impfstoffen nennt sich Kreuzimpfung. 

Eine Studie zu Kreuzimpfungen zeigt, dass sie stärker gegen die Virusvarianten Alpha, Beta und Gamma schützt. Bei den ausschließlich mit Astrazeneca Geimpften blieb die Immunantwort hingegen eher schwach. "Wir prüfen nun die Immunantwort auf die Virusvariante Delta", kündigte einer der Wissenschaftler an.  


Wie gut wirken einzelne Impfdosen? 

Das RKI berichtet, dass alle aktuell in Deutschland verimpften Vakzine wirksam gegen die neuen Varianten wie auch Delta sind. Es besteht demnach ein Schutz gegen Erkrankungen und schwere Verläufe. Allerdings wurde bei einer "unvollständigen Impfserie", also nur einer von zwei notwendigen Dosen eine "stark verringerte Wirksamkeit" gegen die Delta-Variante nachgewiesen. Das bedeutet, ein relevanter Teil der Bevölkerung hat bisher noch keinen Immunschutz gegen das Virus. 

Biontech/Pfizer und Astrazeneca

Ein vollständiger Impfschutz mit zwei Dosen der Mittel von Biontech/Pfizer und Astrazeneca verhindert einer britischen Datenanalyse zufolge sehr gut schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante des Coronavirus. Die Effektivität sei in etwa so hoch wie bei der zuvor dominierenden Alpha-Variante, teilte die Behörde Public Health England (PHE) bereits im Juni mit.

Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung wurde bei den vollständig Geimpften jeweils um mehr als 90 Prozent verringert – verglichen mit dem von Ungeimpften. Die Untersuchung bestätige, wie wichtig es sei, die zweite Impfung zu erhalten, sagte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Vor allem beim Astrazeneca-Impfstoff fiel die Schutzwirkung nach der ersten Dosis der Auswertung zufolge noch merklich geringer aus.

Für die PHE-Studie wurden zwischen dem 12. April und dem 4. Juni insgesamt 14.019 symptomatische Infektionen mit der Delta-Variante in England berücksichtigt, von denen 166 in Krankenhäusern behandelt wurden. Zuvor hatte bereits eine im Fachjournal "Nature" veröffentlichte Studie ergeben, dass der Impfstoff von Biontech und Pfizer vor der zuerst in Indien aufgetretenen Corona-Variante Delta (B.1.617.2) gut schützt.

Eine britische Studie bestätigte die Ergebnisse am 22. Juli noch einmal: Zwei Dosen des Impfstoffs Covid-19 von Biontech/Pfizer oder Astrazeneca seien gegen die hochgradig übertragbare Delta-Variante des Coronavirus fast genauso wirksam wie gegen die bisher dominierende Alpha-Variante, heißt es in der im "New England Journal of Medicine" veröffentlichten Untersuchung.

Demnach sind zwei Impfungen mit Biontech/Pfizer zu 88 Prozent wirksam, um eine symptomatische Erkrankung durch die Delta-Variante zu verhindern, verglichen mit 93,7 Prozent gegen die Alpha-Variante. Die Zweifachimpfung mit Astrazeneca schützt zu 67 Prozent wirksam gegen die Delta-Variante, verglichen mit 74,5 Prozent gegen die Alpha-Variante.

Biontech-Chef "Anpassung des Impfstoffs nicht notwendig"

Auch Biontech-Chef Uğur Şahin erklärte bereits im Juni, trotz einer zunehmenden Verbreitung von Virusvarianten sei derzeit keine Anpassung seines Covid-19-Impfstoffs nötig. "Um vorbereitet zu sein und schnell reagieren zu können, falls eine dritte Dosis oder eine Anpassung an einen neuen Virusstamm erforderlich werden sollte, analysieren wir kontinuierlich die Wirksamkeit des Impfstoffs, auch gegen neu auftretende Varianten", sagte Şahin auf der Hauptversammlung des Mainzer Biotechunternehmens. "Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Anpassung unseres Impfstoffs an kursierende Varianten notwendig ist."

Noch wisse man nicht, wann und wie oft eine Auffrischungsimpfung nötig sein werde. Er gehe aber davon aus, "dass eine dritte Impfung für die Auffrischung der Immunität von hohem Wert ist", sagte Şahin. Das Wissen über das Coronavirus nehme stetig zu. "Wir beobachten, dass die Immunität mit der Zeit nachlassen wird und neue Varianten entstehen." 

Zusätzlich arbeitet der Konzern offenbar bereits an einem Impfstoff, der speziell gegen die Delta-Variante entwickelt wird. 

Johnson & Johnson

Bisher gibt es zu diesem Impfstoff noch keine wirklich aussagekräftigen Studien. Doch wie die niederländische Zeitung "de Volkskrant" berichtet, wirkt der Impfstoff von Johnson & Johnson schlechter gegen die Delta-Variante, als zunächst angenommen. Die Zeitung verweist auf eine Studie aus New York, die allerdings nicht an geimpften Menschen erprobt wurde, sondern im Reagenzglas. Für ihre Studie verglichen die Wissenschaftler die Blutproben von zehn Personen, die mit Janssen geimpft worden waren, mit dem Blut von 17 Personen, die den Pfizer- oder Moderna-Impfstoff erhalten hatten. Gegen die Delta-Variante des Virus schien die "Janssen-Gruppe" sechs- bis siebenmal schlechter abzuschneiden als die von Pfizer und Moderna. Die Zahlen seien ein wichtiger Hinweis darauf, dass diejenigen, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden, viel weniger geschützt seien als diejenigen, die mit Biontech oder Moderna geimpft wurden.

Doch: "Keine Panik", erklärt die Immunologin Marjolein van Egmond aus Amsterdam, "Das muss man natürlich im Auge behalten, aber der eigentliche Test besteht darin, zu sehen, ob sich Menschen, die mit Janssen geimpft wurden, anstecken. Und darüber gibt es einfach zu wenig Informationen." Zudem zeige die Studie auch, dass eine Impfung immer noch besser sei als keine Impfung und auch das Janssen-Vakzin schütze vor Krankenhausaufenthalten und Tod. 

Moderna

Bereits Anfang Juli berichtete das Unternehmen selbst von den Ergebnissen aus Studien, die zeigten, dass die Neutralisationsfähigkeit im Fall der Delta-Variante zwar abgeschwächt sei, aber noch hoch genug. 

Auch einer Studie von Juni zufolge soll der Impfstoff von Moderna gegen die Delta-Variante wirken. Die Forscher haben dafür Experimente durchgeführt, die jedoch auch zeigten, dass die Mutante resistenter gegen Antikörper ist als andere Formen des Virus. Die Forscher kombinierten das Virus mit Antikörper-beladenem Blutserum von Menschen, die mit dem Impfstoff von Moderna geimpft wurden. Auf diese Weise konnten sie untersuchen, wie gut durch die Impfung induzierte Antikörper das Virus "neutralisieren" oder die Infektion von Zellen blockieren können.

"Diese Impfstoffe wirken", wird Mehul Suthar, Immunologe an der Emory University in Atlanta, Georgia, der die Forschung leitete, in der Studie zitiert. Dennoch unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit, die Impfstoffreaktion auf SARS-CoV-2-Mutationen weiter zu überwachen. "Aufgrund des Mutationsspektrums, das sich innerhalb des Spike-Proteins angesammelt hat, funktionieren die Antikörper einfach nicht so gut", sagt Suthar. Antikörper, die durch Impfung erzeugt wurden, waren bei der Delta-Variante in diesen Tests jedoch sieben Mal weniger wirksam als bei der Ursprungsvariante des Virus. Trotzdem konnten alle Geimpften das Virus "einigermaßen neutralisieren". 

Bisher handelt es sich bei dieser Studie zum Impfstoff von Moderna um eine Preprint-Studie, die noch von Experten begutachtet werden muss. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagenturen dpa, Reuters
  • nature.com: "Covid vaccines can block variant hitting Asia, lab study finds", 17. Mai 2021. 
  • augsburger-allgemeine.de: "Immunologe hält Einfachimpfung von Johnson & Johnson für ausreichend gegen Delta-Variante", 21. Juni 2021. 
  • de Volkskrant: "Onderzoek: Janssen beschermt slechter tegen deltavariant, extra prik mogelijk toch nodig", 21. Juli 2021. 
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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