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Corona ist schuld: Droht uns in diesem Jahr eine starke Grippewelle?

Folgen der Corona-Maßnahmen  

Droht uns in diesem Jahr eine starke Grippewelle?

Von Christiane Braunsdorf

03.08.2021, 10:32 Uhr
Corona ist schuld: Droht uns in diesem Jahr eine starke Grippewelle?. Grippe: In diesem Jahr könnte die saisonale Welle stärker ausfallen. (Quelle: Getty Images/South_agency/ E+)

Grippe: In diesem Jahr könnte die saisonale Welle stärker ausfallen. (Quelle: South_agency/ E+/Getty Images)

Aufgrund der Anti-Corona-Maßnahmen fiel die Grippewelle in der vergangenen Saison aus. Das könnte weitreichende Folgen haben. Experten warnen vor einer besonders heftigen Influenza-Welle im Herbst und Winter.

Maskentragen, Abstandhalten, Hygienemaßnahmen  – diese seit Aufkommen des Coronavirus verordneten Maßnahmen zu seiner Eindämmung wirken auch gegen die saisonale Grippe. Das ließ sich besonders in der vergangenen Saison beobachten. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut (RKI) verzeichnete im Herbst/Winter 2020/2021 gerade mal 585 labordiagnostisch nachgewiesene Grippefälle, 17 Menschen starben an der Viruserkrankung. 

Zum Vergleich: In der Saison 2019/2020 wurden 187.500 Fälle bestätigt, 1.000 Menschen starben. Die Welle 2017/18 galt als die schwerste der letzten 30 Jahre. Nach RKI-Schätzungen starben 25.000 Menschen.

In der Bevölkerung fehlt der Immunschutz

Doch die in der letzten Saison ausgefallene Grippesaison könnte in diesem Herbst Probleme bereiten. Andy Pekosz, Professor für Mikrobiologie an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, erklärte im US-amerikanischen TV-Sender NBC: "In diesem Jahr wurde nicht wie üblich ein bedeutender Teil der Bevölkerung mit Grippe infiziert und so immun. Das könnte bedeuten, dass die Anfälligkeit der Bevölkerung für Grippe zunehmen wird." Auch in den USA  fiel die Grippewelle wegen der Anti-Corona-Maßnahmen aus. Im gesamten Land gab es lediglich 600 Influenza-Todesfälle, im Jahr davor waren es noch 22.000.

Der fehlende Immunschutz könnte ein besonders starkes Grippejahr begünstigen. Auf der Seite des Online-Netzwerkes "Together against Flu" ("Zusammen gegen Grippe") erläutert Dr. Richard Webby von der Abteilung für Infektionskrankheiten am St. Jude Children's Research Hospital in Memphis: "Jedes Jahr während der Grippesaison können sich fünf, zehn oder sogar bis zu 30 Prozent der Menschen in einer Population mit dem Virus infizieren. Was wir jetzt in der nördlichen Hemisphäre haben, sind Grippesaisons mit sehr geringer Aktivität. Wir konnten nicht die Immunität in diesen zehn, 20 oder 30 Prozent der Bevölkerung aufbauen. Das, was wir als Immunität der Bevölkerung gegen Grippe bezeichnen, könnte also etwas niedriger sein als üblich."

Robert Koch-Institut zeigt sich zurückhaltend

Das RKI will noch keine Prognose für die kommende Influenza-Saison abgeben. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland teilte es mit: "Es ist richtig, dass Teilen der Bevölkerung durch die ausgefallene letzte Grippewelle die jüngste 'Boosterung' fehlt. Aber wann und in welchem Ausmaß die weltweite Zirkulation der Grippeviren wieder in Gang kommt und welches Virus beziehungsweise welche Subtypen sich dann verbreiten, weiß man nicht."

Einen Vorteil hat die ausgefallene Grippesaison allerdings: Je weniger Grippeviren zirkulieren, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit von Mutationen. Für den Grippeimpfstoff könnte dies bedeuten: Er könnte in diesem Jahr besonders wirksam sein. Die Grippeschutzimpfung bleibt somit das beste Mittel zum Schutz. 

Grippeimpfung hat positiven Effekt auf Corona-Infektion

Zumal Studien auch einen anderen positiven Aspekt des Influenza-Piks ergaben: Er könnte auch vor schweren Krankheitsverläufen bei Covid-19 schützen und sogar eine Schutzwirkung vor der Infektion mit dem Coronavirus haben. Forscher der Universität Michigan registrierten in einer gegen Grippe geimpften Gruppe eine Corona-Infektionsrate von vier Prozent, in der ungeimpften Vergleichsgruppe waren es fünf Prozent.

Wissenschaftler der University of Miami fanden heraus: Wer gegen Grippe geimpft war, hatte ein geringeres Risiko für schwere Covid-19-Krankheitsverläufe. Das Risiko, in die Notaufnahme gebracht werden zu müssen, war zum Beispiel um 58 Prozent niedriger als bei Ungeimpften. Die Wahrscheinlichkeit, auf der Intensivstation zu landen, war um 20 Prozent gesenkt. 

US-Unternehmen plant Zulassung eines Kombiimpfstoffes

Dennoch: Der beste Schutz vor Infektionen mit den Grippe- und Coronaviren bleibt die Impfung. Und auch hier gibt es gute Nachrichten: Das US-Unternehmen Novavax plant die Zulassung eines Kombiimpfstoffes gegen das Grippe- und das Coronavirus noch in diesem Herbst. Die mitunter notwendig werdenden Auffrischungsimpfungen gegen SARS-CoV-2 könnten so gleichzeitig mit dem Grippeimpfstoff verabreicht werden.

Das auf dieser Basis von Novavax produzierte Corona-Vakzin zeigt auch eine hohe Wirksamkeit. Nach den Ergebnissen der hausinternen Studien liegt sie bei 90,4 Prozent. Bei der Gruppe der geimpften Studienteilnehmer traten also rund 90 Prozent weniger Erkrankungen auf als bei Probanden, die keine Impfung, sondern nur einen Placebostoff erhalten hatten.

Vor mittelschweren oder schweren Krankheitsverläufen soll sogar ein hundertprozentiger Schutz erreicht werden. An der Studie nahmen fast 30.000 Menschen in den USA und Mexiko teil.

Das Unternehmen kombinierte seinen Anti-Corona-Wirkstoff mit einem Grippeimpfstoff. 400 der Studienteilnehmer erhielten diese Vakzine zeitgleich. Dabei stellte sich heraus: Die Immunantwort veränderte sich bei der Grippeimpfung nicht. Die Wirksamkeit der SARS-CoV-2-Impfung sank leicht auf 87,5 Prozent. Damit könnte gegen beide Virenarten eine hohe Schutzwirkung mit nur einer Spritze erreicht werden. 

Und: Sollten die Corona-Schutzmaßnahmen auch im Herbst und Winter beibehalten werden, könnte die Grippewelle erneut schwächer ausfallen als befürchtet. 

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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