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Gürtelrose nach Corona-Impfung: Neue Nebenwirkung oder Zufall?

Vor allem ältere Menschen betroffen  

Gürtelrose nach Corona-Impfung: Neue Nebenwirkung oder Zufall?

29.09.2021, 09:11 Uhr
Gürtelrose nach Corona-Impfung: Neue Nebenwirkung oder Zufall?. Impfung gegen Covid-19: Noch nie zuvor wurde so stark auf Nebenwirkungen geachtet wie seit Beginn der Impfkampagne. (Quelle: imago images/ZUMA Wire)

Impfung gegen Covid-19: Noch nie zuvor wurde so stark auf Nebenwirkungen geachtet wie seit Beginn der Impfkampagne. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Seit Beginn der Corona-Impfungen werden viele Symptome als mögliche Nebenwirkungen diskutiert. Das Paul-Ehrlich-Institut berichtet nun über Verdachtsfälle von Gürtelrose. Ist die Erkrankung eine Folge der Impfung?

Je mehr Impfungen gegen Covid-19 verabreicht werden, desto mehr Impfreaktionen werden an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeldet. Aktuell beobachten Ärzte eine auffällige Zunahme der Gürtelrose bei geimpften Patienten. Das PEI hat die Verdachtsfälle überprüft und nun eine erste Einschätzung abgegeben.

Gürtelrose – auch unter dem Begriff Herpes zoster bekannt –  wird durch das Varizella-zoster-Virus ausgelöst, das bei Erstkontakt, meist im Kindesalter, Windpocken verursacht. Nach Abklingen der Erkrankung verbleibt das Virus lebenslang in den Nervenzellen und kann zu einem späteren Zeitpunkt als Herpes zoster wieder auftreten.

In Deutschland müssen laut RKI jährlich mehr als 300.000 Menschen wegen Gürtelrose behandelt werden. Die Erkrankung tritt in allen Altersgruppen auf, am häufigsten sind über 50-Jährige betroffen.

Kann die Corona-Impfung Gürtelrose auslösen?

Demnach gibt das Institut in Bezug auf Herpes zoster nach einer Covid-19-Impfung Entwarnung. "Für die folgenden Erkrankungen ergab sich aufgrund der Zahl der Meldungen an das Paul-Ehrlich-Institut kein Risikosignal innerhalb von 14 beziehungsweise 30 Tagen nach allen vier zugelassenen Covid-19-Impfstoffen: akute demyelinisierende Enzephalomyelitis, akuter Herzinfarkt, Arthritis, Enzephalitis, Fazialisparese, Herpes zoster, Lungenembolie ohne Angabe einer Thrombozytopenie und Transverse Myelitis", heißt es im aktuellen Sicherheitsbericht.

Die Gürtelrose wird also bislang als unerwünschte Reaktion von besonderem Interesse angeführt, aber nicht als Nebenwirkung der Impfung eingestuft.

Auch Experten sehen keinen direkten Zusammenhang bestätigt. Der Epidemiologe Professor Timo Ulrichs erklärte dazu "ntv": "Einen direkten Zusammenhang kann man aber ausschließen". Ob da indirekte Prozesse eine Rolle spielen, sei jedoch noch unklar. Aus diesem Grund sei es wichtig, solche Zwischenfälle an das Paul-Ehrlich-Institut zu melden.

Nur so sei es möglich, ausreichend Daten zu sammeln und zu bewerten, um die Gürtelrose entweder als seltene Nebenwirkung nach einer mRNA-Impfung zu benennen oder eben als solche auszuschließen.

Was hinter der Erkrankung Gürtelrose steckt

Eine Gürtelrose ist eine Zweiterkrankung, die durch das Varizella-zoster-Virus ausgelöst wird. Dieses Virus verursacht bei einer Erstinfektion – meistens im Kindesalter – Windpocken. Nach der Windpocken-Erkrankung bleibt das Virus im Körper und nistet sich in den Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks oder in den Hirnnerven ein.

Jahrzehntelang kann das Virus dort "vor sich hin schlummern". Doch wird es durch Infektionskrankheiten oder andere Faktoren wie starker Stress, Immunschwäche oder Medikamente reaktiviert, kann es eine Gürtelrose auslösen. Dann wandern die Viren am betroffenen Nerv entlang in die Haut und rufen die typische Entzündung mit Hautausschlägen hervor.

Gürtelrose: Die Infektionskrankheit betrifft vor allem ältere Menschen. (Quelle: Getty Images/franciscodiazpagador)Gürtelrose: Die Infektionskrankheit betrifft vor allem ältere Menschen. (Quelle: franciscodiazpagador/Getty Images)

Kann Herpes zoster nach Covid-19-Impfung reaktiviert werden?

Auch durch eine Covid-19-Impfung wird das Immunsystem angeregt. Geimpfte sollten sich deshalb nach dem Piks schonen und ihre Körper nicht belasten. Es kursiert deshalb die Annahme, dass das Immunsystem, das die schlummernden Herpes-zoster-Viren in Schach hält, durch die Immunisierung "abgelenkt" sein könnte und es so zur Reaktivierung nach der Corona-Impfung kommt.

Doch dieser Zusammenhang ist bisher nicht belegt. Um andere Ursachen wie fortgeschrittenes Alter oder extremen Stress als Auslöser auszuschließen, müssen weitere Studien erfolgen. Schließlich könnte die zeitliche Nähe der Gürtelrose-Fälle und der Corona-Impfung auch ein Zufall sein.

Denn fest steht: Je mehr Personen gegen Covid-19 geimpft werden, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Erkrankungsereignisse zeitlich mit der Impfung zusammenfallen.

Herpes zoster sollte immer behandelt werden

Oft verläuft die Gürtelrose auch ohne Behandlung komplikationslos und verschwindet nach zwei bis vier Wochen von allein wieder. Doch es können auch langwierige Komplikationen wie weitere Hautinfektionen oder eine Hirnhautentzündung auftreten. Da der Verlauf der Erkrankung nicht vorhersagbar ist, raten Ärzte dazu, die Gürtelrose in jedem Fall schnell und fachgerecht zu behandeln. Welche Medikamente dabei infrage kommen, lesen Sie hier.

Wer sich gegen Gürtelrose impfen lassen sollte

Seit einigen Jahren gibt es wirksame Impfstoffe gegen Gürtelrose. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung allen Personen ab 60 Jahren. Bestimmte Risikogruppen können die Impfung bereits ab 50 Jahren bekommen. Dazu zählen Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Diabetes oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Die Kosten für die Impfung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Verwendete Quellen:
  • Paul-Ehrlich-Institut (PEI): Sicherheitsbericht vom 20.09.2021
  • Robert Koch-Institut (RKI)
  • ntv: "Ist Gürtelrose durch mRNA-Impfung möglich?", 21. September 2021
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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