Sie sind hier: Home > Gesundheit > Corona >

Beta, Delta und nun Omikron: Was hinter Corona-Escape-Varianten steckt

Nach Beta, Gamma und Delta  

Omikron ist wohl deutlich ansteckender

06.12.2021, 10:26 Uhr
Beta, Delta und nun Omikron: Was hinter Corona-Escape-Varianten steckt. Mikroskopische Ansicht des Coronavirus: Die neue Omikron-Variante von SARS-CoV-2 wird als sehr gefährlich eingeschätzt. (Quelle: imago images/MiS)

Mikroskopische Ansicht des Coronavirus: Die neue Omikron-Variante von SARS-CoV-2 wird als sehr gefährlich eingeschätzt. (Quelle: MiS/imago images)

Im Zuge der neu aufgetretenen Omikron-Variante fallen immer wieder die Wörter "Immunescape" oder "Escape-Variante". Was steckt dahinter und worin liegt die Gefahr?

Grundsätzlich kommt es bei Viren regelmäßig zu Mutationen. Auch das Coronavirus ist schon tausendfach mutiert. Jedes Mal entsteht dabei eine neue Variante.

Wir kennen bereits Alpha, Beta, Gamma, Delta und weitere, die sich in einzelnen Ländern oder auch weltweit verbreitet haben. Einige von ihnen gelten als sogenannte Escape-Varianten.

Corona-Escape-Varianten: Was macht sie so gefährlich?

Unter "Escape-Variante" versteht man im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie eine Veränderung, also eine Mutation des ursprünglichen SARS-CoV-2-Virus, die eine Bekämpfung des Virus durch das Immunsystem erschwert beziehungsweise verhindert.

Die größte Gefahr besteht in einer sogenannten Reinfektion. Das heißt, dass sich auch Menschen anstecken können, die bereits eine Infektion mit einer früher kursierenden Corona-Variante hinter sich haben. Zudem kann sich das Virus so verändern, dass sich auch Geimpfte damit infizieren.

Was wir über die bisherigen Escape-Varianten wissen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat insgesamt fünf Varianten als "variants of concern" (VOC) eingestuft. Dazu zählen Alpha, Beta, Gamma, Delta und Omikron. Das Robert Koch-Institut (RKI) bezeichnet diese als "besorgniserregende Varianten". Drei von ihnen – Beta, Gamma und Delta – sind bislang als Escape-Varianten identifiziert worden.

Bei ihnen sorgen bestimmte Mutationen im Spike-Protein dafür, dass die Viren leichter in Zellen eindringen können. Sie sind also ansteckender und infizieren mehr Menschen als das ursprüngliche Coronavirus.

Außerdem weisen sie sogenannte Immun-Escape-Mutationen auf. Diese Veränderungen im Erbgut führen dazu, dass Antikörper, die nach einer Impfung oder einer Infektion gebildet wurden, die Viren weniger gut erkennen und unschädlich machen können. Folglich kann die Wirksamkeit der Impfung abgeschwächt werden.

Was über Beta, Gamma und Delta im Einzelnen bekannt ist:

Beta – B.1.351

Im Oktober 2020 wurde die Variante B.1.351 in Südafrika identifiziert, wo sie schnell zum vorherrschenden Virustyp wurde. Aus diesem Grund wurde sie zunächst als südafrikanische Variante bezeichnet.

Beta besitzt nachweislich Mutationen, die zu einer erhöhten Übertragbarkeit führen. Zudem weist die Variante die beiden Mutationen E484K und K417N im Spike-Protein auf, die auf eine Immunflucht hindeuten. Mehrere Studien zeigten, dass Menschen, die einen Corona-Impfstoff erhalten haben, weniger gut vor einer Infektion mit Beta geschützt sind. Der Grund: Die durch die Impfung gebildeten neutralisierenden Antikörper waren gegen das veränderte Virus weniger wirksam. Entgegen vieler Befürchtungen wurde Beta allerdings nie ein dominanter Virustyp.

Gamma – P.1

Die Gamma-Variante zirkulierte zunächst im brasilianischen Bundesstaat Amazonas, weshalb sie als brasilianische Variante betitelt wurde. Sie weist ebenfalls eine Vielzahl an Mutationen im Spike-Protein auf – einschließlich E484K, die als besonders besorgniserregend eingestuft wurde.

Deshalb gingen Forscher bei Gamma von einer erhöhten Übertragbarkeit und etwas weniger Schutz durch eine Impfung aus. Doch auch Gamma konnte sich international nicht als dominante Variante durchsetzen.

Delta – B.1.617.2

Im Mai 2021 erklärte die WHO die in Indien entdeckte Viruslinie B.1.617.2 zur besorgniserregenden Variante – zu Recht. Delta konnte sich als weltweit dominante Variante durchsetzen. In Deutschland verursacht sie aktuell 99 Prozent der Corona-Neuinfektionen.

Die Variante gilt als sehr ansteckend und "zeichnet sich durch Mutationen aus, die [...] mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht werden", so das RKI. Delta scheint der Impfung teilweise ausweichen zu können, möglicherweise durch die enormen Viruslasten, die sie erzeugen kann. Die bisher verfügbaren Corona-Impfstoffe schützen jedoch vor schweren Covid-19-Verläufen.

Corona-Pandemie: Viren verändern sich ständig, das gilt auch für SARS-CoV-2.  (Quelle: dpa/Francisco Seco/AP)Corona-Pandemie: Viren verändern sich ständig, das gilt auch für SARS-CoV-2. (Quelle: Francisco Seco/AP/dpa)

Wie unterscheidet sich Omikron von den anderen?

Die WHO hat Omikron am 26. November zur fünften besorgniserregenden Variante erklärt, das aber vor allem aus Vorsicht. Denn wie ansteckend sie ist, wie schwer Menschen an ihr erkranken und wie es um die Wirksamkeit der Vakzine gegen diesen Virustyp steht, kann noch nicht eindeutig beantwortet werden.

Experten gehen aber schon jetzt davon aus, dass es sich bei Omikron tatsächlich um eine Escape-Variante handeln könnte. Auffällig ist demnach, dass sich das Genom von Omikron an rund 50 Stellen vom ursprünglichen Wildtyp von SARS-CoV-2 unterscheidet. Mehr als 30 Mutationen davon wurden am Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus ausgemacht. Dieses Spike-Protein spielt eine wichtige Rolle, damit das Virus in die menschlichen Zellen eindringen und sie so infizieren kann.

Das bedeutet also, die neue Variante weist zahlreiche genetische Veränderungen auf, die das Virus gefährlicher machen könnten. Viele davon sind bereits von Beta, Gamma und Delta bekannt. Es spricht daher einiges dafür, dass auch Omikron sowohl extrem ansteckend sein könnte, als auch dem Immunsystem leichter entkommen und die Wirksamkeit der Impfstoffe verringern könnte.

Die Datenlage ist noch sehr dünn, dennoch haben die Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer und Moderna angekündigt, vorsorglich eine Anpassung ihrer mRNA-Impfstoffe vorzunehmen. Diese neuen Vakzine könnten nötig werden, wenn sich der Verdacht erhärtet, dass es unter Omikron deutlich häufiger zu Reinfektionen beziehungsweise Impfdurchbrüchen kommen kann.

Anzeichen dafür liegen bereits vor: So waren alle bislang bestätigten Omikron-Fälle in Deutschland doppelt geimpfte Reiserückkehrer.

Verwendete Quellen:
  • Robert Koch-Institut: Übersicht zu besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvarianten (VOC)
  • Pharmazeutische Zeitung
  • MDR: "Omikron, Delta, Alpha und Beta: Die Corona-Varianten", 1. Dezember 2021
  • BR: "Welche Corona-Varianten gibt es und wie gefährlich sind sie?", 30. November 2021
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Madeleinetchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deKlingel

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: