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Omikron-Ausbreitung: Testlabore am Limit – wer darf noch PCR-getestet werden?

Experten schlagen Alarm  

Wer darf noch PCR-getestet werden?

Von Melanie Rannow und Sandra Simonsen

14.01.2022, 15:00 Uhr
Omikron-Ausbreitung: Testlabore am Limit – wer darf noch PCR-getestet werden?. Auswertung von Corona-Tests (Symbolbild): Die Testkapazitäten sind durch Omikron nahezu ausgeschöpft.  (Quelle: imago images/Bihlmayerfotografie)

Auswertung von Corona-Tests (Symbolbild): Die Testkapazitäten sind durch Omikron nahezu ausgeschöpft. (Quelle: Bihlmayerfotografie/imago images)

Omikron breitet sich immer weiter aus. Doch wirklich überprüft werden kann das nicht mehr: Die Labore sind überlastet. Wer darf überhaupt noch PCR-getestet werden?

Die Medizinlabore in Deutschland nähern sich nach Angaben eines Branchenverbands in der Corona-Krise zunehmend den Grenzen ihrer Auslastung. Durch Omikron schnellen die Infektionszahlen derart in die Höhe, dass die Kapazitäten aufgebraucht sind. Vor den Testzentren bilden sich lange Schlangen, wer einen PCR-Test bekommt, muss noch einmal sehr lange auf das Ergebnis warten. Wie ernst ist die Lage wirklich? Und was wäre die Lösung?

Labore stoßen an Kapazitätsgrenzen

"Die hohen Infektionszahlen gehen mit vielen Tests einher. Weil derzeit kaum priorisiert wird bei PCR-Tests, stoßen die Labore in Deutschland zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen", sagte der Vorsitzende des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM), Michael Müller, der "Rheinischen Post". Das sei für Kranke und Krankenhäuser kritisch.

In der ersten Januarwoche habe es rund 56 Prozent mehr PCR-Test-Anfragen gegeben als noch im Dezember, heißt es von der ALM. Insgesamt seien rund 1,4 Millionen Tests durchgeführt worden – und das, obwohl der 6. Januar ein regionaler Feiertag war und in zahlreichen Bundesländern noch Schulferien waren.

"Dieser explosionsartige Anstieg ist vor allem bedingt durch die sehr dynamische Ausbreitung der Omikron-Variante", so Müller. Für die laufende Woche wurde von den teilnehmenden Laboren eine SARS-CoV-2-PCR-Testkapazität von rund 2,28 Millionen Tests ermittelt (Zunahme von 4,7 Prozent zur Vorwoche).

Es sei jedoch "zwingend, dass insbesondere die Arztpraxen und Testzentren dazu angehalten werden, sich an der Nationalen Teststrategie auszurichten", forderte Müller. Bei knappen Kapazitäten müssten PCR-Tests entsprechend den dortigen Empfehlungen erfolgen. "Dass man sich bald aus der Quarantäne freitesten lassen kann, wird unweigerlich zu einem Mehraufwand der Labore führen." Von Bundesregierung und Ländern habe es keine Prognosen gegeben, "auf wie viel mehr Tests wir uns einstellen müssen". "Die Labore werden dem Ansturm nun weitgehend unvorbereitet begegnen müssen."

Teststrategie muss streng umgesetzt werden

Am Dienstag hatte der Verband die Auslastung der Testkapazität noch auf 64 Prozent beziffert. Zur Diskussion über Kapazitätsengpässe sagte Müller einer Mitteilung zufolge: "Die Belastung in den Laboren ist zwar erheblich, aber ich sehe keinen Grund für zu große Sorgen." Vielmehr komme es bei zunehmendem Testgeschehen und begrenzten Testkapazitäten darauf an, die Teststrategie tatsächlich umzusetzen.

Der Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung, Generalmajor Carsten Breuer, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Wir werden mit Sicherheit wie bei allen knappen Ressourcen Kapazitäten bündeln müssen, wo es erforderlich ist. Das gilt auch für Tests." Sobald es irgendwo eng werde, müsse priorisiert werden. "Da haben Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur Vorrang", sagte er. Das Ziel sei aber, das bisherige Testregime so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. "Wir brauchen möglichst genaue Daten, um zu sehen, wie sich die Welle bei uns auswirkt", sagte Breuer.

Wer darf noch PCR-getestet werden? 

Laut der Nationalen Teststrategie des Robert Koch-Instituts (RKI) gibt es eine klare Priorisierung bei PCR-Tests: 

  1. Höchste Priorität gilt für Menschen mit Symptomen. 
  2. An zweiter Stelle stehen jene, die zwar keine Symptome haben, aber Kontakt zu nachweislich Infizierten hatten. 
  3. Die dritte Priorität gilt für Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen oder -unterkünften, in denen es einen bestätigten Covid-Fall gab. 

Auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek sprach sich bei der PCR-Testung für eine klare Priorisierung bestimmter Gruppen aus. Symptomatische Fälle sowie Personal im Gesundheitswesen und in systemrelevanten Berufen sollten Vorrang erhalten, sagte sie der "Tagesschau".

Sandra Ciesek: Die Corona-Expertin hält eine Priorisierung bei PCR-Tests für nötig. (Quelle: imago images/IPON)Sandra Ciesek: Die Corona-Expertin hält eine Priorisierung bei PCR-Tests für nötig. (Quelle: IPON/imago images)

Verhalten der Menschen weiterhin hohe Priorität

ALM-Vorsitzender Müller betonte: "Wir werden uns nicht aus der Pandemie heraustesten können." Vielmehr komme es jetzt auf das Verhalten der Menschen an: Impfen, AHA-Regeln und Kontaktbeschränkungen seien ein "wesentlicher Beitrag, den jede Person leisten kann." 

Zudem hätten die Labore ihre Testkapazitäten bereits seit Oktober um mehr als zehn Prozent gesteigert. In den nächsten Wochen solle dies noch weiter vorangetrieben werden, da auch mit noch höheren Zahlen gerechnet werde.

Omikron sorgt auch in Laboren für Personalmangel

Doch: Auch die Labore gehören zur kritischen Infrastruktur und könnten in ihrer Arbeit durch eine Omikron-Ausbreitung zusätzlich eingeschränkt werden. "Die Pandemie macht leider keinen Bogen um die Beschäftigten in den Laboren. Sie sind seit zwei Jahren im Dauerstress und haben auch über die Feiertage die fachärztliche Versorgung aufrechterhalten. Mit großer Sorge sehen wir daher auf die aktuell hohe Dynamik beim Infektionsgeschehen", sagt dazu Prof. Jan Kramer, stellvertretender Vorsitzender der ALM.

"Man darf dabei nicht vergessen, dass wir in den Laboren nicht nur die Versorgung mit SARS-CoV-2-Diagnostik sichern, sondern auch alle anderen relevanten Untersuchungen zur Versorgung der Bevölkerung mit medizinisch-ärztlicher Labordiagnostik durchführen, ohne die in den meisten Fällen keine Diagnose und Behandlung möglich ist", betont Kramer weiter. Die Labore seien ein wichtiger Teil des Gesundheitswesens und der kritischen Infrastruktur. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Pressemitteilung ALM vom 11. Januar 2022
  • Nationale Teststrategie RKI
  • tagesschau: "Die Limits der Labore", 13. Januar 2022
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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