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"Endemisch heißt nicht, dass dann alles gut ist"

  • Melanie Rannow
  • Sandra Simonsen
Von Melanie Rannow, Sandra Simonsen

Aktualisiert am 21.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Szene vor einem Berliner Testzentrum: Omikron verbreitet sich schnell, verursacht aber offensichtlich weniger schwere Erkrankungen.
Szene vor einem Berliner Testzentrum: Omikron verbreitet sich schnell, verursacht aber offensichtlich weniger schwere Erkrankungen. (Quelle: Stefan Zeitz/imago-images-bilder)
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Die Omikron-Welle ist noch lange nicht gebrochen. Dennoch könnte die Variante den Weg hinein in die Endemie ebnen. Was das bedeutet und warum wir das Virus trotzdem nicht loswerden.

Durch die rasante Verbreitung der Omikron-Variante könnte das Coronavirus Experten zufolge endemisch werden. Während sich eine Pandemie über Länder und Kontinente hinweg ausbreitet, werden Krankheiten oder Erreger als endemisch bezeichnet, die dauerhaft und gehäuft in einer begrenzten Region oder in Teilen der Bevölkerung vorkommen. Dabei kann es saisonale Schwankungen geben. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Malaria.


Die gefährlichsten Viren im 21. Jahrhundert

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MERS-Coronavirus: MERS steht für das 2012 erstmals identifizierte Middle East Respiratory Syndrome und bezeichnet eine schwere bis tödliche Infektion der Atemwege.
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Endemie: Das Virus bleibt, wir müssen damit leben

Im Fall von Corona bedeutet der Eintritt in eine Endemie, dass das Virus bleibt – die Menschen müssen damit leben, es wird aber für die Gesamtbevölkerung weniger gefährlich.

Das erklärt auch der Virologe Hendrik Streeck in einem Gastbeitrag in der "Zeit": "Tatsache ist: Es wird nur ein Leben mit Corona geben. Wir können das Virus nicht eradizieren, nicht auslöschen. Im Gegenteil: Es ist heimisch geworden. Das bedeutet, wir müssen pragmatische Wege finden, mit dem Risiko stetig wiederkehrender Corona-Infektionen umzugehen. Persönlich, als Einzelne. Aber auch als Gesellschaft." Es sei wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass das Virus für einige Bevölkerungsteile gefährlich bleibe.

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Der Virologe Christian Drosten bezeichnete die Omikron-Variante als "ein Nachdurchseuchungsvirus" und im Grunde "perfektes erstes endemisches Virus". Denn Omikron verbreitet sich schnell, verursacht aber offensichtlich weniger schwere Erkrankungen.

Andere Länder erreichen die Endemie schneller

Allerdings ist Deutschland auf dem Weg in eine endemische Lage noch nicht so weit wie etwa Großbritannien oder Spanien. Denn ein breiter Impfschutz gilt als ein wichtiger Schritt in die Endemie, und hierzulande gibt es diesbezüglich noch erhebliche Lücken. Diese Immunitätslücken schließt das Virus, indem Ungeimpfte, aber auch Geimpfte infiziert werden.

In einer endemischen Situation wird die Immunität dann durch immer wiederkehrende Kontakte mit dem Virus aufgefrischt. In einer Übergangszeit kann es aber nötig sein, zumindest Risikopatienten noch über Jahre immer wieder Auffrischungsimpfungen zu verabreichen.

Auch Streeck erklärt, die Endemie sei in der Praxis in ihrer Definition schwerer zu greifen. "Die endemische Lage ist erreicht, wenn es eine genügend hohe Grundimmunität in der Bevölkerung gibt, Kliniken und Intensivstationen nicht überlastet zu werden drohen."

"Endemisch heißt nicht gut"

Perspektivisch könnte dann SARS-CoV-2 wie andere bekannte Coronaviren auch am Ende harmlose Erkältungskrankheiten verursachen. Dennoch warnen Experten davor, die Gesundheitsrisiken durch Covid-19 zu unterschätzen.

"Die Leute stellen Pandemie und Endemie einander gegenüber, aber endemische Malaria tötet Hunderttausende Menschen, HIV ist endemisch, Gewalt in unseren Städten ist endemisch", sagte WHO-Experte Michael Ryan bei einer Online-Veranstaltung des Weltwirtschaftsforums. "Endemisch heißt nicht gut, endemisch heißt nur, dass es für immer da ist."

"Wir werden das Virus in diesem Jahr nicht loswerden", sagte Ryan weiter. "Wir werden das Virus vielleicht nie ausrotten. Viren, die Pandemien auslösen, neigen dazu, Teil des Ökosystems zu werden." Aber der öffentliche Gesundheitsnotstand könne durch niedrige Inzidenzzahlen mit zugleich möglichst vielen Impfungen beendet werden, "damit niemand sterben muss". "Das wird das Ende der Pandemie sein", versicherte der Mediziner.

Folgen weitere Corona-Varianten und wieder hohe Fallzahlen?

Und auch Streeck betont: "Mit dem zu erwartenden Abfall der Infektionszahlen im Frühjahr darf nicht der Eindruck entstehen, es sei vorbei. Im Herbst und Winter werden aller Voraussicht nach die Fallzahlen wieder steigen."

Der Modellierer Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes stellt im Interview mit t-online zudem klar: "Zunächst mal: Endemisch heißt nicht, dass dann alles gut ist. Wir sind nicht am Ende mit diesem Virus, und solange keine Grundimmunität in der Weltbevölkerung erreicht ist, werden wir immer wieder die Gefahr von neuen Mutanten haben. Wir brauchen eine globale Strategie, um das in den Griff zu bekommen. Der Impfstoff muss die ganze Welt erreichen."

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist ebenfalls weniger hoffnungsvoll, was die Omikron-Variante angeht. Laut MDR glaubt er nicht, dass die neue Variante das Ende der Pandemie bedeuten könnte, vielmehr fürchtet er weitere Mutationen der Delta-Variante des Virus, sodass die Pandemie erneut Fahrt aufnehmen könnte.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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