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Schmidt-Chanasit: "Wir sind in der Endphase der Pandemie"

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 28.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Jonas Schmidt-Chanasit: Der Virologe prognostiziert ein baldiges Ende der Corona-Pandemie.
Jonas Schmidt-Chanasit: Der Virologe prognostiziert ein baldiges Ende der Corona-Pandemie. (Quelle: IMAGO / teutopress/imago-images-bilder)
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Einige Experten warnen vor neuen schweren Varianten des Coronavirus, die anderen machen Hoffnung auf ein absehbares Ende. Ist Omikron der Ausweg? Ein Experte erkl├Ąrt, was die Durchseuchung bringt.

Zwei Jahre nach dem ersten best├Ątigten Corona-Fall ├╝berrollt die f├╝nfte Infektionswelle das Land ÔÇô mit bislang unvorstellbaren Inzidenzen. t-online sprach mit dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit ├╝ber Fehler, die in der Pandemie gemacht wurden und welche Zukunftsszenarien uns erwarten.


Omikron-Variante: Was wir bisher wissen

Seit November 2021 ist die Omikron-Virus-Variante bekannt. Erstmals nachgewiesen wurde sie in S├╝dafrika. Mittlerweile dominiert Omikron das Pandemiegeschehen weltweit.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Omikron als "besorgniserregend" eingestuft. Diese Klassifizierung ist ein Signal, dass eine Variante ansteckender ist oder zu schwereren Krankheitsverl├Ąufen f├╝hrt. Au├čerdem besteht bei "besorgniserregenden Varianten" die Gefahr, dass herk├Âmmliche Impfungen oder Medikamente weniger wirksam sind.
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t-online: Herr Schmidt-Chanasit, nun besch├Ąftigt uns Corona schon zwei Jahre. Aus Ihrer Sicht: Wie gut sind wir durch die Krise gekommen?

Jonas Schmidt-Chanasit: Da wir leider noch immer mittendrin sind, wird man noch warten m├╝ssen mit einem abschlie├čenden Fazit, einer Bilanz dessen, was gut und was schlecht lief. Gut war auf alle F├Ąlle, dass wir sehr fr├╝h die PCR-Tests hatten, sie sind sehr wichtig, wenn es darum geht, rechtzeitig und aussagef├Ąhig zu handeln. Die Schnelltests waren erst sp├Ąter verf├╝gbar, h├Ątten aber meiner Meinung nach fr├╝her eingesetzt werden m├╝ssen.

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Deutschland hat sich in eine gef├Ąhrliche Lage man├Âvriert
Wladimir Putin 2012 im Kanzleramt in Berlin.


Aber wir hatten in den letzten Jahrzehnten, Gott sei Dank, keine Pandemien dieses Ausma├čes, und zwar in jeder Hinsicht. Das hei├čt, in dieser zeitlichen L├Ąnge und diesem Bedrohungspotenzial unserer Gesundheit. Hinzu kommt, L├Ąndervergleiche sind nicht immer hilfreich bei der ├ťberlegung, welche Ma├čnahmen wir zur Bek├Ąmpfung einsetzen. Die Gesundheitssysteme in den einzelnen L├Ąndern sind sehr verschieden aufgebaut und ausgestattet, auch kulturelle und gesellschaftliche Faktoren variieren.

Jonas Schmidt-Chanasit
Jonas Schmidt-Chanasit (Quelle: IMAGO / Chris Emil Jan├čen/imago-images-bilder)


Professor Jonas Schmidt-Chanasit ist Virologe am Bernhard-Nocht-Institut f├╝r Tropenmedizin in Hamburg.

Was hat nicht funktioniert?

Was von Beginn an ├╝berhaupt nicht funktioniert hat und es auch bis heute nicht zufriedenstellend tut, ist eine aussagekr├Ąftige, eine verl├Ąssliche Datenlage. Wie hoch ist denn die tats├Ąchliche Impfquote in Deutschland? Wie hoch ist der Bev├Âlkerungsanteil der Genesenen? Alles nur gesch├Ątzte Werte, mit denen wir arbeiten. Auf dieser Grundlage ist es dann eben h├Ąufig schwer, die Notwendigkeit bestimmter politischer Entscheidungen zu kommunizieren. Aber das ist eine Grundvoraussetzung, um glaubw├╝rdig zu sein.

Auch dieses st├Ąndige Dividieren von Politikern und Wissenschaftlern in unterschiedliche Teams ist wenig hilfreich. Da ist das Team Vorsicht, auf der anderen Seite steht das Team Augenma├č. Wir spielen doch nicht in der Handball-EM. Insofern sollte es nur ein Team geben, das alles daran setzt, diese Pandemie so pragmatisch und effizient wie nur eben m├Âglich in den Griff zu bekommen.

Aber wenn die Daten das Problem sind, wie kommen wir an solche?

Zum Beispiel ├╝ber die Krankenkassen, die ja viele Informationen zu ihren Mitgliedern sammeln. Dort finden sich Daten ├╝ber Geimpfte und Genesene, die man anonymisiert gut nutzen k├Ânnte.

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Was h├Ąlt uns ab?

Ich w├╝rde sagen, eine fehlende zentrale Koordination.

Die h├Ątte man ja nun l├Ąngst mal schaffen k├ÂnnenÔÇŽ

Das w├Ąre hilfreich gewesen, um zu sehen, ob jetzt 95 Prozent oder erst 90 Prozent der ├╝ber 60-J├Ąhrigen geimpft sind. Gerade in der Gruppe der ├╝ber 60-J├Ąhrigen ist das Nichtwissen der genauen Prozentzahlen ein Problem bei der Entscheidung, welche Ma├čnahmen mit welchem Aufwand notwendig sind. Um Entscheidungen durchsetzen zu k├Ânnen, braucht man verl├Ąssliche Zahlen.

Zum Beispiel w├Ąre es auch interessant zu wissen: Wie viele haben sich denn inzwischen schon zweimal infiziert und mit welchen Varianten des Coronavirus? Wir vermuten, dass diese Menschen ├╝ber eine sehr gute Immunit├Ąt verf├╝gen, sie immunologisch gesehen also nicht "naiv" sind und gut gesch├╝tzt sind vor einem schweren Krankheitsverlauf. Aber, wir kennen ihre Zahl nicht.

Jetzt hatten wir ja zwischenzeitlich den Versuch, die No-Covid-Strategie zu fahren. Und nun gibt man unter Omikron einige Ma├čnahmen, die daf├╝r eingef├╝hrt wurden, sukzessive auf. Ist das eine Kapitulation?

Nein. Erstens haben nicht alle eine No-Covid-Strategie f├╝r die Bek├Ąmpfung der Pandemie favorisiert, und es ist und war glaube ich ein Trugschluss zu glauben, wir k├Ânnten mit dieser Strategie das Virus ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum unterhalb einer sehr niedrigen Meldeinzidenz halten. Kurze tempor├Ąre Erfolge stehen schweren Sch├Ądigungen auf anderen Ebenen gegen├╝ber, auch gesundheitlichen.

Und ÔÇô eine Strategie mit Maximalforderungen in der Breite ist ressourcenaufwendig. Ressourcen sind aber nicht in unendlichem Ma├če vorhanden. Deshalb ist es sinnvoll, bei der Omikron-Variante mit ihrem milderen Verlauf die eingesetzten Mittel zu fokussieren.

Aus Ihren Aussagen h├Âre ich raus: Sie w├Ąren f├╝r eine Impfpflicht f├╝r die ├älteren?

Ich w├╝rde das favorisieren, weil diese Gruppe nach allen Erfahrungswerten der letzten beiden Jahre das Gros auf den Intensivstationen und bei den Verstorbenen ausmacht. Das k├Ânnen wir insofern ├╝berzeugend begr├╝nden und damit die Einsicht in die Notwendigkeit herstellen.

Wie ist Ihr Ausblick? Wird Omikron unser Weg in die Endemie?

Ich glaube, dass wir uns in der Endphase der Pandemie befinden. Die WHO hat bereits prognostiziert, dass sich 60 Prozent der Europ├Ąer mit der Omikron-Variante infizieren werden. Das erh├Âht die Grundimmunit├Ąt in der Bev├Âlkerung rapide. Ich glaube und w├╝rde es uns allen w├╝nschen, dass Omikron unser Ausweg in die Endemie ist.

Auch weltweit? Es wird ja immer gemahnt, dass wir nur dann zur Ruhe kommen, wenn auch die Welt immunisiert ist. Sonst drohen uns neue Varianten?

Man kann nichts ausschlie├čen, aber die bev├Âlkerungsweite Grundimmunisierung durch Impfung oder Infektion, die nun stattfindet, wird die Gefahr neuer problematischer Varianten reduzieren. Ich bin da sehr optimistisch.

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Herr Schmidt-Chanasit, wir danken Ihnen f├╝r das Gespr├Ąch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
  • Sandra Simonsen
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