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Nierensteine selbst entfernen mit Hausmitteln – geht das?


Nierensteine selbst entfernen – geht das?

Von Lydia Klöckner

Aktualisiert am 22.07.2022Lesedauer: 3 Min.
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Eine Frau schaut aus dem Fenster und trinkt Tee.
Viel trinken ist bei Nierensteinen wichtig – idealerweise Wasser oder ungesüßten Tee. (Quelle: Jasmina007/getty-images-bilder)
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Nierensteine gehen oftmals von selbst ab – auch ohne ärztliches Zutun. Hier erfahren Sie, wann das möglich ist und ob Hausmittel dabei helfen können.

Nierensteine bereiten meist erst Beschwerden, wenn sie in den Harnleiter rutschen und den Harnfluss blockieren. Sie werden dann als Harnleitersteine bezeichnet. Damit die Schmerzen nachlassen und der Harn wieder ungehindert abfließen kann, müssen sie raus.

Allerdings ist hierzu nicht zwangsläufig ein medizinischer Eingriff notwendig. Studien zeigen, dass gerade kleinere Steine fast immer von selbst ausgespült werden:

  • Steine mit einem Durchmesser von höchstens vier Millimetern gehen mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 95 Prozent innerhalb von 40 Tagen ab.
  • Bis zu fünf Millimeter große Steine werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent von selbst ausgespült.
  • Für Steine mit einem Durchmesser zwischen fünf und zehn Millimetern beträgt die Chance für einen Spontanabgang noch etwa 47 Prozent.

Ausgehend von diesen Werten sind Fachleute zu der Übereinkunft gekommen, dass ein medizinischer Eingriff erst ab einer Steingröße von sieben Millimetern notwendig ist.

Bei kleineren Steinen können Ärztinnen und Ärzte zunächst zu einer abwartenden Behandlung raten. Diese sieht hauptsächlich unterstützende Maßnahmen vor. Beispielsweise erhalten die Betroffenen Medikamente gegen die Schmerzen und manchmal auch Mittel, die die Ausscheidung erleichtern können. Außerdem kann Wärme kurzfristig gegen die Beschwerden helfen.

  • Beschwerden lindern: Diese Mittel helfen, wenn Nierensteine schmerzen

Dennoch sind die Tage oder Wochen bis zum Steinabgang in vielen Fällen strapaziös. Daher kommt bei Erkrankten oftmals der Wunsch auf, selbst etwas tun zu können, um die Nierensteine (beziehungsweise Harnleitersteine) schneller loszuwerden und der Warterei ein zeitnahes Ende zu bereiten.

Was können Betroffene selbst tun?

Ärztinnen und Ärzte geben meist nur einen Rat: viel trinken. Als optimal gilt eine Trinkmenge von mindestens zweieinhalb Litern, sofern keine andere Erkrankung gegen eine so hohe Trinkmenge spricht.

Diese Empfehlung dient jedoch in erster Linie der Vorbeugung neuer Nierensteine. Je mehr Wasser der Harn enthält, umso besser können sich potenziell steinbildende Stoffe in ihm lösen. Ob bestehende Nierensteine schneller abgehen, wenn Betroffene mehr trinken, ist noch nicht geklärt.

Nierensteine selbst entfernen mit Hausmitteln – geht das wirklich?

Ratgeberseiten im Internet warten neben Trinken mit zahlreichen Tipps auf, die angeblich dabei helfen, Nierensteine loszuwerden. Empfohlen werden unter anderem Apfelessig, Säfte aus Zitrusfrüchten wie Orangen und Zitronen, Olivenöl, Ingwer und Knoblauch.

Der Versuch, Nierensteine mithilfe dieser Hausmittel selbst zu entfernen, ist aber nicht aussichtsreich. Zur Wirkung von Olivenöl, Apfelessig, Ingwer und Knoblauch bei Nierensteinen existieren bislang keine ernstzunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Ob sie den Steinabgang fördern, ist somit fraglich.

Für Zitrussäfte gibt es immerhin eine plausible Annahme dafür, dass sie sich für die Behandlung von Nierensteinen eignen können. Denn Zitrussäfte können den pH-Wert des Harns erhöhen, diesen also weniger sauer machen. Theoretisch könnten sie so zumindest den Arten von Nierensteinen entgegenwirken, die sich in saurer Umgebung bilden. Dazu gehören die Calciumoxalatsteine, welche am weitesten verbreitet sind, sowie die Harnsäuresteine.

Harnsäuresteine können sich sogar auflösen, wenn es gelingt, den Säuregrad des Harns deutlich zu verringern. Dafür muss der pH-Wert allerdings auf mindestens 7 bis 7,2 erhöht werden.

Dies lässt sich durch bestimmte Medikamente erreichen – nicht aber durch Orangen- oder Zitronensaft: Studien zeigen, dass diese Säfte nur einen kleinen Einfluss auf den Säuregehalt des Harns haben. Die gemessenen pH-Werte lagen in den meisten Studien im Bereich von 6,5, also deutlich unter jenem Wert, der für eine Auflösung der Steine erforderlich ist.

Calciumoxalatsteine lösen sich ohnehin nicht auf, wenn der pH-Wert steigt. Bei dieser Art von Steinen könnten sich die Säfte also allenfalls zur Vorbeugung eignen.

Doch auch diese Überlegung hat sich in der Praxis nicht bestätigt. Wie sich zeigte, haben die Säfte nämlich auch eine ungünstige Wirkung auf die Zusammensetzung des Harns: Sie bewirken einen Anstieg des Oxalatgehalts, was Steine aus Calciumoxalat begünstigt. Orangen- und Zitronensaft sind also ebenfalls keine empfehlenswerten Hausmittel gegen Nierensteine.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
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  • Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 21.7.2022)
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  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie: "Urolithiasis: Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe." AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043-025 (Stand: Mai 2019)
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Von Andrea Goesch
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