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Viele rechtliche Fragen zur Samenspende sind ungekl├Ąrt

t-online, Nicola Wilbrand-Donzelli

Aktualisiert am 15.07.2014Lesedauer: 5 Min.
Noch immer wird das Thema Samenspenden in der deutschen Gesellschaft tabuisiert.
Noch immer wird das Thema Samenspenden in der deutschen Gesellschaft tabuisiert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Obwohl seit den 70er Jahren mehr als 100.000 Menschen in Deutschland durch Samenspenden gezeugt wurden, ist das Thema gesellschaftlich immer noch stigmatisiert. Die Folge: Rechtliche Fragen sind unzureichend gekl├Ąrt und belasten nicht nur die betroffenen Familien und die Spender, sondern erschweren auch die Arbeit von Reproduktionsmedizinern. Eine Expertin erkl├Ąrt, welche rechtlichen Aspekte angepackt werden m├╝ssten.

Anfang 2013 machte ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm Schlagzeilen, als der Tochter eines anonymen Samenspenders, das Recht zugesprochen wurde, die Identit├Ąt ihres leiblichen Vaters zu erfahren. Damit war die junge Frau das erste "Samenspenderkind", das in Deutschland seinen Auskunftsanspruch eingeklagt hatte. Dabei gibt es diesen Rechtsanspruch eigentlich schon seit 1989. Damals best├Ątigte das Bundesverfassungsgericht, dass das im Artikel 2 des Grundgesetzes formulierte Recht auf die freie Entfaltung der Pers├Ânlichkeit auch das Recht auf die Kenntnis der eigenen Abstammung umfasst.

Ein sensibles Thema in der Tabuzone

Seit dem Urteil ist das Thema allerdings wieder aus dem ├Âffentlichen Fokus verschwunden. "Seit jeher wird das Thema tabuisiert", kommentiert Sozial- und Familientherapeutin Petra Thorn, die seit 20 Jahren Eltern von "Spenderkindern" ber├Ąt und die Vorsitzende des "Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch" ist, gegen├╝ber der Elternredaktion von t-online.de. "Schon Ende des 19. Jahrhunderts - so lange ist die sogenannte 'Donogene Insemination' medizinisch schon m├Âglich - galt diese Art der Familiengr├╝ndung, bei der Spermien eines unbekannten Spenders direkt in die Geb├Ąrmutter ├╝bertragen werden, als Versto├č gegen Normen und Moral, wurde sogar als medizinisch unterst├╝tzter Seitensprung wahrgenommen."

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Spendersamen-Kinder wissen oft nichts ├╝ber ihre Herkunft

Auch heute sei Samenspende mit vielen Vorurteilen behaftet, sagt die Expertin. Unfruchtbarkeit und Zeugungsunf├Ąhigkeit w├╝rden f├Ąlschlicherweise mit mangelnder M├Ąnnlichkeit und Sexualit├Ąt assoziiert und w├╝rden damit automatisch mit den Attributen ungesund und impotent gleichgesetzt. "Dieses Image stigmatisiert die Thematik und verhindert, dass Samensende in der ├ľffentlichkeit eine gr├Â├čere Akzeptanz erf├Ąhrt und mit mehr Offenheit behandelt wird."

Dies hat auch zur Folge, dass in Familien mit Kindern, die durch eine Samenspende gezeugt wurden, sehr oft nicht ├╝ber die biologische Herkunft des Nachwuchses gesprochen wird. Nach Sch├Ątzungen des "Vereins Spenderkinder" werden nur f├╝nf bis zehn Prozent der betroffenen Kinder von ihren Eltern dar├╝ber aufgekl├Ąrt. Die gro├če Mehrheit schweigt - f├╝r Petra Thorn der falsche Weg: "Kinder gehen immer davon aus, dass sie von den Eltern abstammen, mit denen sie zusammen leben. Darauf basiert ihr Selbstbild. Wenn sie erst sp├Ąt erfahren, sei es etwa per Zufall oder ├╝ber Umwege, dass ihre Abstammung eine andere ist, kann das zu einem tiefen Identit├Ątsbruch f├╝hren und das Grundvertrauen zu den Eltern fundamental st├Âren."

Kinder m├╝ssen fr├╝h von ihrer Herkunft erfahren

Um dies zu verhindern, r├Ąt die Therapeutin Eltern, ihre Kinder bereits im Kindergartenalter ├╝ber ihre Herkunft aufzukl├Ąren, so dass sie dieses Wissen sch├Ân fr├╝h in ihre Identit├Ąt integrieren k├Ânnen. Fachleute k├Ânnen V├Ąter und M├╝tter dabei unterst├╝tzen und begleiten. Solche Angebote werden mittlerweile immer h├Ąufiger wahrgenommen, so die Erfahrungen von Thorn.

Kindgerecht aufbereitete B├╝cher wie etwa die Titel "Offen gesprochen - ├╝ber die Familienbildung mit Spendersamen reden - mit Kindern bis 7 Jahre" oder "Die Geschichte unserer Familie - ein Buch f├╝r Familien, die sich mit Hilfe der Spendersamenbehandlung gebildet haben" machten es Eltern leichter, ihrem Nachwuchs die besonderen Umst├Ąnde ihrer Abstammung anschaulich zu vermitteln und offener damit umgehen zu lernen.

Die anonymen Spender sind gesetzlich nicht ausreichend gesch├╝tzt

Rund 100 Euro bekommen Samenspender f├╝r ihre kostbare Gabe. Nicht viel, bedenkt man, dass die M├Ąnner in Anbetracht m├Âglicher sp├Ąterer Unterhaltsforderungen ein unkalkulierbares Risiko eingehen. Klare gesetzliche Regelungen gibt es dazu noch nicht. Das gelte auch f├╝r andere Aspekte k├╝nstlicher Befruchtung, so Petra Thorn. Es bestehe deshalb dringender Handlungsbedarf, um die rechtliche Grauzone zu verlassen.

Dieses Ziel hatte sich auch das Symposium "Familienbildung durch Spendersamen" auf seine Fahnen geschrieben, das gerade in Erlangen zu Ende ging. Zum ersten Mal trafen sich bei einer Veranstaltung dieser Art Samenspender, unfruchtbare Paare, Wunschkinder, ├ärzte und Juristen, um ├╝ber rechtliche, soziale und psychologische Aspekte der Zeugung eines Kindes mit Hilfe von Spendersamen zu diskutieren. "Wir hoffen nun", berichtet Expertin Thorn, die dieses Symposium mit organisiert hat, "dass dieser Dialog zwischen den verschiedenen Gruppen dazu f├╝hrt, dass wir mehr Einfluss nehmen k├Ânnen und die Politik endlich solide rechtliche Grundlagen schafft."

Mit klaren Regelungen rechtliche Grauzone verlassen

Dazu geh├Âre laut Thorn, dass Spendersamenkinder ihr Auskunftsrecht nicht mehr einklagen m├╝ssten, dass Spenderdaten nicht mehr nur 30 Jahre, sondern - angepasst an das Adoptionsrecht - mindestens 60 Jahre aufbewahrt werden m├╝ssten und dass ein zentrales Register erstellt werden m├╝sse, wo alle relevanten Daten f├╝r alle Beteiligten zug├Ąnglich zusammenflie├čen. So k├Ânnten zum Beispiel Kinder, gleichg├╝ltig ob aus der Familie des biologischen oder sozialen Vaters, herausfinden, ob es Halbgeschwister gibt: "Wir wissen, dass das Interesse an solchen verwandtschaftlichen Verbindungen gro├č ist", erkl├Ąrt die Familientherapeutin.

Besonders dringend ist ein ausreichender gesetzlicher Schutz der Spender vor finanziellen Forderungen ihrer Kinder. So k├Ânnte das Verh├Ąltnis zwischen Spenderkindern und Samenspendern ebenfalls analog zum Adoptionsrecht geregelt werden, wo das Verwandtschaftsverh├Ąltnis zur Herkunftsfamilie mit allen Rechten und Pflichten mit der Adoption erlischt, so dass Adoptivkinder von ihren leiblichen Eltern keinen Unterhalt beziehungsweise ein Erbe beanspruchen k├Ânnen.

Noch komplizierter sind die Regelungen, die bei lesbischen Partnerschaften n├Âtig sind. Hier k├Ânnte der Samenspender rechtlich mit einer Stiefkindadoption abgesichert werden. Das hei├čt, die soziale "zweite" Mutter m├╝sste das leibliche Kind ihrer Lebensgef├Ąhrtin adoptieren. W├╝rden sich die beiden allerdings noch w├Ąhrend der Schwangerschaft trennen, ist das Ungeborene noch nicht adoptiert und der Samenspender damit nicht vor Anspr├╝chen des Kindes gesch├╝tzt. "Hier ist es besonders wichtig, bald Klarheit und Transparenz zu schaffen", fordert Petra Thorn, "denn die Gruppe der lesbischen Paare und auch der Alleinstehenden, die ├╝ber den Weg der Samenspende eine Familie gr├╝nden, steigt in letzter Zeit rasant an."

Bis zu 700 Euro kostet eine Samenspende

Etwa 1000 bis 1200 Kinder j├Ąhrlich werden in Deutschland aufgrund einer Behandlung mit Spendersamen geboren. F├╝r die Durchf├╝hrung von reproduktionsmedizinischen Ma├čnahmen sind in Deutschland rund ein Dutzend Samenbanken verantwortlich, die eng mit ├ärzten und Kinderwunschzentren kooperieren.

├ťber die Anzahl der Spender gibt es keine ├╝bergreifende Statistik. Die einzelnen Samenbanken f├╝hren nur ├╝ber ihren eigenen Betrieb Buch. So erl├Ąuterte der Leiter des Kinderwunschzentrums Erlangen, Andreas Hammel, gegen├╝ber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", dass in seiner Praxis schon mehr als 1000 M├Ąnner ein Probespende abgegeben h├Ątten. Etwa 80 k├Ąmen regelm├Ą├čig. Wenn die Insemination erfolgreich verlaufe, so der Mediziner weiter, erfahre jeder Spender, wie viele Jungen und M├Ądchen entstanden sind. Wo sie leben, erf├Ąhrt er aber nicht. Insgesamt d├╝rfe ein Spender h├Âchstens 15 Kinder haben.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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