Test-Doku enttäuscht  

WDR unterzieht Obi erneut dem "Markencheck"

07.04.2014, 17:39 Uhr | rw, zuhause.de

Obi im WDR Markencheck. Der WDR hat Obi schon zum zweiten Mal seinem "Markencheck" unterzogen. (Quelle: imago images/Rust)

Der WDR hat Obi schon zum zweiten Mal seinem "Markencheck" unterzogen. (Quelle: Rust/imago images)

"Wer schlägt Obi?" Dieser Herausforderung stellten sich im WDR-"Markencheck extra" drei Bielefelder Fachhändler, die es mit der örtlichen Obi-Filiale aufnahmen. Damit unterzog der WDR die Obi-Baumärkte zum zweiten Mal seinem "Markecheck". Das Ergebnis allerdings enttäuschte. Weniger, weil Obi schlecht abschnitt, sondern weil die Sendung an sich nicht überzeugte.

Im Test wurden die Produkte und der Service der Bielefelder Obi-Niederlassung mit den Angeboten von einem lokal ansässigen Bad- und Sanitärausstatter, einem Farben-Fachhandel und einem Geräte-Händler verglichen. "Ich schlage Obi, weil bei mir die Qualität und die Beratung besser sind", gab sich Torsten Bäumer, Inhaber des gleichnamigen Geräte-Fachhandels, zu Beginn der Sendung selbstbewusst.

Qualitäts-Check mit ungleichen Mitteln

Viel Neues hatte die Doku dann allerdings nicht zu bieten. Stattdessen offenbarte sie selbst einige handwerkliche Mängel: So ließen die Macher einen Hochdruckreiniger der Obi-Eigenmarke LUX im Qualitäts-Check gegen ein dreimal teureres Gerät aus dem Fachhandel antreten, das – Überraschung – am Ende besser abschnitt. "Wenn ich den Preis sehe, ist das selbsterklärend", lautete dann auch das Fazit des hinterher zu Rate gezogenen Sachverständigen Heinz-Georg Mors. Von einer Ein-Euro-Lasagne aus dem Supermarkt könne man schließlich auch nicht erwarten, dass sie Filetspitzen enthalte.

Trotzdem fiel der Praxistest des Obi-Geräts außergewöhnlich schlecht aus. Von Hochdruck konnte bei dem leise heraus plätschernden Wasser keine Rede sein. Der Sachverständige entdeckte später, dass das Gerät undicht war und Wasser in die Elektronik lief. An eine effektive Terrassenreinigung war nicht zu denken. "Meine persönliche Meinung: 'Das Gerät sofort nehmen und in die Tonne werfen'", so Mors. Trotzdem hätte man sich etwas mehr "Waffengleichheit" bei der Auswahl der getesteten Geräte gewünscht.

Obi selbst gab sich gegenüber dem WDR dennoch selbstkritisch und versprach schriftlich, seine Hochdruckreiniger inzwischen nachgebessert zu haben. Generell unterlägen die Eigenmarken "einem intensiven Test- und Qualitätssicherungsverfahren". Tatsächlich wurden gerade die Eigenmarken von Obi in der jüngst veröffentlichten umfangreichen Baumarkt-Studie "ServiceAtlas Bau- und Heimwerkermärkte 2014" besonders gut bewertet.

Ergebnis ist nur wenig aussagekräftig

Neben Hochdruckreinigern wurden für den Qualitäts-Check noch je eine Säge, ein kleiner Akku-Heckentrimmer sowie Pinsel, Farbrollen und Abklebeband getestet. Bei den Sägen wählten die WDR-Reporter Produkte aus demselben Preissegment aus. Hier schnitt die Obi-Säge sowohl bei den Testern – frisch vermählte Hochzeitspaare, die vor dem Bielefelder Standesamt einen Baumstamm durchsägen sollten – als auch beim Sachverständigen besser ab als das Produkt aus dem Fachhandel. Bei den Heckentrimmern setzte sich dann wieder das Gerät aus dem Fachhandel durch, ebenso beim Malerbedarf. Pinsel, Farbrollen und Co. durfte eine Grundschulklasse testen.

Wie immer vergab der "Markencheck" am Ende Punkte. Für den Qualitäts-Check landeten beide bei den örtlichen Fachhändlern. Warum bei vier getesteten Produkten nur zwei Punkte vergeben wurden und vor allem, warum überhaupt gerade die getesteten Produkte ausgewählt wurden, erfuhr der Zuschauer nicht.

Bei Obi kauft man 30 nicht näher bezeichnete Produkte 65 Prozent günstiger

Punkten konnte Obi im "Markencheck" durch sein niedriges Preisniveau. Insgesamt 30 Produkte jeweils vergleichbarer Qualität wurden einmal bei den drei Fachhändlern und einmal im Bielefelder Obi eingekauft. Auch an dieser Stelle verzichteten die Reporter darauf zu erklären, nach welchen Kriterien die Produkte ausgesucht wurden und welche es überhaupt waren. Am Ende steht das Ergebnis, dass Obi diese Produkte im Schnitt 65 Prozent günstiger anbietet als die drei Fachhändler. Ein echter Mehrwert für den Zuschauer entsteht wegen der fehlenden Einordnung dadurch aber leider nicht.

Regio-Check wirft mehr Fragen als Antworten auf

Anders als im "Markencheck" des letzten Sommers widmeten sich die Macher dieses Mal auch der Frage, wer mehr für den örtlichen Arbeitsmarkt tut: der große Baumarkt oder die kleinen Fachhändler? Hier erwähnte die Doku ein "Optimierungskonzept" bei Obi und berief sich dabei auf einen Mitarbeiter, der anonym bleiben wolle. Das Konzept sähe vor, dass ein einziger Mitarbeiter für 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche verantwortlich sein soll. Für ein Zehntel dieser Verkaufsfläche beschäftigt Geräte-Fachhändler Bäumer zwei Verkäufer.

Ob es das in Rede stehende "Optimierungskonzept" aber überhaupt gibt, blieb im Unklaren. Entweder haben es die Journalisten versäumt, Obi mit ihren Recherche-Ergebnissen zu konfrontieren oder sie verzichteten einfach darauf, die Reaktion des Unternehmens zu veröffentlichen.

Regio-Check kann eigene Ziele nicht erreichen

Dafür wurde erwähnt, dass der Bielefelder Obi neun Auszubildende beschäftigt. Zwei der drei am "Markencheck" teilnehmenden Fachhändler konnten jeweils mit zwei Azubis aufwarten, einer bildete gar nicht aus. Deshalb ging der zweite Punkt im "Regio-Check" an Obi. Warum man hier aufs Hochrechnen der Verkaufsflächen verzichten konnte, das für die Vergabe des ersten Punkts noch ausschlaggebend war, bleibt rätselhaft. Im Regio-Check zu enthüllen, wer "in puncto Steuerzahlungen und Kaufkraft mehr für Stadt und Umland" tue, gelang der Sendung nicht zufriedenstellend. Das aber versprach der WDR im offiziellen Pressetext zum "Markencheck".

Beratungs- und Servicequalität könnte auf beiden Seiten besser sein

Unterschiede in der Beratungsqualität von Obi und dem Fachhandel zeigten sich beim Kauf eines Rasentraktors. Hier verkaufte Obi ein Ausstellungsstück. Einen anderen Rasentraktor habe man gerade nicht da. Der Schlüssel des Mähers setzte bereits Rost an und die Maschine wurde den Testkundinnen, Spielerinnen einer Damen-Fußballmannschaft, nicht weiter erklärt. Der Gipfel: Das Gerät funktionierte nicht einmal.

"Ein untypischer Verkaufsvorgang", so Obis schriftliche Reaktion gegenüber dem WDR. Am nächsten Tag wurde der defekte Mäher telefonisch reklamiert, doch am selben Tag konnte kein Mitarbeiter zur Reparatur ausrücken. Man werde am Montag alles regeln und ein Ersatz-Gerät bestellen, so die Antwort des Händlers.

Besser der Mäher vom Fachhändler, der einwandfrei funktionierte. Um den Kundenservice zu testen, ließen die Reporter ihn von einem Fachmann manipulieren, so dass er nicht mehr ansprang. Noch am selben Tag kam ein Mitarbeiter vorbei und fand nach 20 Minuten den Fehler.

"Markencheck" mit viel Luft nach oben

Insgesamt wirkten die Testabläufe wie auch die ausgewählten Testpersonen bei diesem "Markencheck" beliebig – ebenso die Produktauswahl. Wichtige Informationen zur Einordnung und zum Zustandekommen einiger Testergebnisse wurden nicht genannt. Auch erscheint fraglich, ob das Ergebnis in einer anderen Stadt mit einer anderen Obi-Filiale und anderen Fachhändlern ähnlich ausfallen würde. Zumindest eine größere Stichprobe in beispielsweise drei Städten hätte man sich gewünscht.

Zumindest bei der Berichterstattung über das angebliche "Optimierungskonzept", wonach bei Obi nur noch ein Verkäufer auf 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche kommen soll, hat das WDR-Team auch journalistische Sorgfaltspflichten verletzt. Die Aussage einer einzigen anonymen Quelle als wahr voraussetzen, ohne Obi Gelegenheit zu geben, diesem Vorwurf zu begegnen, ist unsauber. Als Zuschauer wünschte man sich, der WDR würde sein eigenes Format einmal einem gründlichen "Markencheck" unterziehen.

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