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Insektenschutzpaket: Das Ă€ndert sich fĂŒr HobbygĂ€rtner

Von dpa, t-online, ron

Aktualisiert am 18.02.2021Lesedauer: 3 Min.
SchÀdlingsbekÀmpfung: In Zukunft sollen deutlich weniger Pflanzenschutzmittel angewendet werden.
SchÀdlingsbekÀmpfung: In Zukunft sollen deutlich weniger Pflanzenschutzmittel angewendet werden. (Quelle: blickwinkel/imago-images-bilder)
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Lange ist darum gerungen worden, vor wenigen Tagen wurde es auf den Weg gebracht: das Gesetzespaket zum Insektenschutz. Es soll die Artenvielfalt in Deutschland stĂ€rken. Doch was heißt das fĂŒr KleingĂ€rtner?

Das Wichtigste im Überblick


  • Warum kommt das Insektenschutzgesetz?
  • Was steht in dem Gesetzespaket?
  • Welche Maßnahmen betreffen KleingĂ€rtner?
  • Pflanzenschutzmittel
  • Holzschutzmittel
  • Schutzgebiete
  • GewĂ€sserrandstreifen
  • Insektenfallen

Insektensterben stoppen und Artenvielfalt schĂŒtzen. Das will die Bundesregierung mit ihrem Gesetzespaket zum Insektenschutz. Vor gut einer Woche hat sie es im Kabinett beschlossen. Über die Details gab es ausgiebige GesprĂ€che und auch reichlich Verwirrung: Was soll fĂŒr einen besseren Schutz von Biene und Co. kĂŒnftig gelten? Und vor allem: Welche Maßnahmen betreffen Haus- und KleingĂ€rten? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.


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Insekten, die jeder kennt
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Warum kommt das Insektenschutzgesetz?

Insekten sind ein zentraler Teil der biologischen Vielfalt und spielen in den Ökosystemen eine wichtige Rolle. Ihr Bestand ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten stark zurĂŒckgegangen. Um dem entgegenzuwirken, hat das Bundeskabinett bereits am 4. September 2019 das Aktionsprogramm Insektenschutz verabschiedet. Es ist die Grundlage fĂŒr die jetzt auf den Weg gebrachten Maßnahmen.

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Was steht in dem Gesetzespaket?

Das sogenannte Insektenschutzgesetz heißt eigentlich mittlerweile anders. Es handelt sich dabei um eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes. Es soll in Deutschland fĂŒr mehr gesetzlich geschĂŒtzte Biotope sorgen. Geplant ist, auch artenreiches GrĂŒnland, Streuobstwiesen, Steinriegel und Trockenmauern dazuzuzĂ€hlen. Sie beherbergen viele Insektenarten. Auch der Einsatz von Bioziden – also Chemikalien zur BekĂ€mpfung von SchĂ€dlingen – soll in bestimmten Schutzgebieten eingeschrĂ€nkt werden.

Welche Maßnahmen betreffen KleingĂ€rtner?

Das Insektenschutzpaket betrifft vor allem Landwirte. Gleichzeitig gelten aber auch fĂŒr Haus- und KleingĂ€rtner einige Neuerungen, zum Beispiel in Bezug auf Pflanzenschutzmittel, Herbizide und Insektizide, aber auch sogenannte Insektenfallen. Zwar Ă€ndere sich laut dem Bundesumweltministerium (BMU) "zunĂ€chst verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenig", aber von bestimmten Regelungen seien auch HobbygĂ€rtner betroffen.

Pflanzenschutzmittel

Es ist das umstrittenste Unkrautvernichtungsmittel ĂŒberhaupt: Glyphosat. Der Wirkstoff ist in Pflanzenschutzmitteln enthalten. Diese sollen im Haus- und Kleingartenbereich in Zukunft nicht mehr eingesetzt werden. Aber: Von der neuen Verbotsregelung sind laut BMU alle die Mittel ausgenommen, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Regelung noch ĂŒber eine "unanfechtbare Mittelzulassung" fĂŒr Haus- und KleingĂ€rten verfĂŒgen – und zwar bis zum Ablauf der jeweiligen Zulassung. Diese Verbotsregelung werde also erst nach und nach greifen, sagt das Ministerium auf Anfrage von t-online.

Info
Zurzeit sind noch 43 Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat fĂŒr HobbygĂ€rtner im Handel erhĂ€ltlich (Stand: 17.2.21). Laut einer Liste des Bundesamts fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gehören dazu auch "Roundup", "Vorox" (vorlĂ€ufiges Zulassungsende jeweils 15.12.2021) sowie "Unkraut-Frei" (vorlĂ€ufiges Zulassungsende: 15.12.2021 und 31.10.2022). Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) stuft diese und andere Pflanzenschutzmittel als besonders Bienen und Insekten gefĂ€hrdend ein.

Holzschutzmittel

Nach dem Entwurf zum Insektenschutzgesetz ist es in Haus- und KleingĂ€rten, die in bestimmten Schutzgebieten liegen, kĂŒnftig verboten, Holzschutzmittel im Außenbereich durch SprĂŒhen aufzutragen. Zu den Arealen zĂ€hlen Naturschutzgebiete, Nationalparks, Nationale Naturmonumente, NaturdenkmĂ€ler und gesetzlich geschĂŒtzte Biotope. FĂŒr den HobbygĂ€rtner bedeutet das praktisch: Falls sein Garten in einem solchen Schutzgebiet liegt, darf er HolzzĂ€une, Holzmasten oder Holzschuppen nicht mehr vor Ort mit Holzschutzmitteln besprĂŒhen.

Info
Holzschutzmittel können weiterhin durch Streichen aufgetragen werden. Zudem ist es möglich, die zu behandelnden Teile an einem anderen Ort – beispielsweise in einem GebĂ€ude – zu besprĂŒhen und anschließend im Freien aufzustellen oder zu montieren.

Schutzgebiete

Das Insektenschutzpaket sieht spezielle EinschrĂ€nkungen fĂŒr GĂ€rten vor, die in ausgewĂ€hlten Schutzgebietskategorien liegen. Hier dĂŒrfen bestimmte UnkrautbekĂ€mpfungsmittel (Herbizide) und BestĂ€uber-gefĂ€hrdende Insektenvernichtungsmittel (Insektizide) nicht mehr eingesetzt werden. Zu den Schutzgebieten zĂ€hlen:

  • Nationalparks
  • Naturschutzgebiete
  • europĂ€ische Schutzgebiete (auch: FFH-Gebiete, nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie)
  • Nationale Naturmonumente
  • NaturdenkmĂ€ler
  • gesetzlich geschĂŒtzte Biotope (im Sinne des § 30 Bundesnaturschutzgesetz, kurz: BNatSchG)

Herbizide und Insektizide mit der sogenannten BienengefÀhrdungsklasse B3 werden dann in diesen Schutzgebieten verboten sein.

Info
Insektizide mit den BienengefĂ€hrdungsklassen B1 und B2 sowie mit der Kennzeichnung NN410 (bestĂ€ubergefĂ€hrlich) sollen auch verboten werden. Diese spielen fĂŒr HobbygĂ€rtner aber wohl keine Rolle. Der Grund: Laut BMU gebe es bereits jetzt keine Pflanzenschutzmittel mit diesen Einstufungen fĂŒr die Anwendung im Haus- und Kleingarten.

Insektizide: In Schutzgebieten dĂŒrfen bestimmte Insektenvernichtungsmittel nicht mehr verwendet werden.
Insektizide: In Schutzgebieten dĂŒrfen bestimmte Insektenvernichtungsmittel nicht mehr verwendet werden. (Quelle: Panthermedia/imago-images-bilder)

GewÀsserrandstreifen

Nach dem Insektenschutzpaket dĂŒrfen bestimmte Pflanzenschutzmittel nicht mehr in der NĂ€he von GewĂ€ssern angewendet werden. Und zwar innerhalb eines Abstandes von zehn Metern zum GewĂ€sser, gemessen ab der Böschungsoberkante oder – soweit keine Böschungsoberkante vorhanden ist – ab der Linie des Mittelwasserstandes. Sofern eine ganzjĂ€hrig begrĂŒnte Pflanzendecke vorhanden ist, betrĂ€gt der einzuhaltende Mindestabstand fĂŒnf Meter.

Info
Ausgenommen von dieser Regelung sind kleine GewĂ€sser von wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung. Dazu gehören EntwĂ€sserungsgrĂ€ben an Straßen, die nicht stĂ€ndig Wasser fĂŒhren.

Insektenfallen

Das Prinzip ist einfach: LĂ€stige MĂŒcken oder Wespen werden mit einer UV-Leuchtstoffröhre ins Innere einer sogenannten Insektenvernichtungslampe gelockt und dann mit einer hohen Volt-Zahl getötet. Doch der Nabu kritisiert schon seit Jahren, dass diese – im Handel auch als Insektenvernichter angebotenen Lampen – viele weitere nĂŒtzliche Insekten wie

töten. Laut dem BMU steht auch im neuen Insektenschutzgesetz kein unmittelbares Verbot von Insektenvernichterlampen. Dennoch sei ĂŒber die BeschrĂ€nkung und das Verbot von Insektenfallen außerhalb von geschlossenen RĂ€umen noch nicht abschließend entschieden, sagt eine Sprecherin des Ministeriums.

Info
Der Begriff der Insektenfallen umfasst dabei sowohl solche Fallen, mit denen Insekten lebendig eingefangen werden (Lebendfallen), als auch solche, durch welche Insekten getötet werden – zum Beispiel Insektenvernichterlampen.

Des Weiteren seien Hinweispflichten auf den Produkten im GesprĂ€ch. Diese sollten den Verbraucher in Zukunft ĂŒber Insektenfallen aufklĂ€ren. Das Ministerium weist in diesem Zusammenhang aber auf bereits bestehende gesetzliche Bestimmungen hin.

So sei in der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) festgelegt, dass es verboten ist, Wildtiere mit kĂŒnstlichen Lichtquellen oder anderen beleuchtenden Vorrichtungen anzulocken, zu fangen oder zu töten.

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