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Alternatives Schlachten soll Fleischindustrie retten

Von dpa
Aktualisiert am 06.07.2020Lesedauer: 4 Min.
Schlachten: Rinder laufen auf einer Weide. Sie werden dort geboren und sie werden dort auch getötet.
Schlachten: Rinder laufen auf einer Weide. Sie werden dort geboren und sie werden dort auch getötet. (Quelle: Harald Tittel/dpa-bilder)
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Große Schlachthöfe und Massentierhaltung sind aktuell wieder stĂ€rker in den Fokus und in die Kritik gerĂŒckt. Denn es geht auch anders. Bei manchen Bauern sterben die Rinder genau da, wo sie gelebt haben: auf der Weide.

Bei Familie Grommes verbringen die Rinder ihr ganzes Leben auf der Weide. Sie werden dort geboren und sie werden dort auch getötet. Christian Grommes ist einer der wenigen Landwirte in Deutschland, der seine Tiere direkt auf der Wiese schießt. "Damit wird dem Tier der ganze Stress vor dem Schlachten erspart", sagt der 40-JĂ€hrige in Bescheid (Kreis Trier-Saarburg). Und meint damit: Kein vorheriges Einfangen, kein Verladen, keine lange Fahrt zum Schlachthof. "FĂŒr mich kommt nichts anderes in Frage als der Weideschuss. Es ist das Beste fĂŒr das Tier."

Wenn es wieder mal soweit ist, nimmt er sein Jagdgewehr und setzt sich auf den Hochsitz. Ehefrau Sarah Grommes lockt die Rinder mit Brötchen an: "Na, komm, komm!" ruft sie und pfeift. Die kleine Herde setzt sich in Bewegung, an einer bestimmten Stelle liegt Futter und Getreide bereit. Wenn die Tiere dann ruhig fressen und die Position des anvisierten Rindes stimmt, fÀllt der Schuss und trifft das Tier in den Kopf. "Das Tier sackt dann sofort zusammen", sagt Grommes.

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Mit dem SchalldÀmpfer am Gewehr ist der Schuss nicht allzu laut. "Man hört es aber trotzdem", sagt sie. Die anderen Tiere der Herde erschreckten sich aber dadurch nicht. "Sie gucken ein bisschen, weil ja einer umgefallen ist, fressen dann aber weiter." Das tote Rind werde dann mit einem AnhÀnger zum hofeigenen Schlachthaus ganz in der NÀhe gebracht. In ihrem Betrieb "Highland Cattle Hochwald" haben die Grommes' 50 bis 60 Rinder verschiedener Rassen: Neben dem schottischen Hochlandrind auch Brahmousin und Aubrac.

Christian Grommes, der einen Jagdschein besitzt, schĂ€tzt, dass es bundesweit um die 100 Landwirte gibt, die ihre Tiere regelmĂ€ĂŸig per Weideschuss töten. In Rheinland-Pfalz sei er einer von nur wenigen.

Eine bundesweite Statistik dazu gibt es nicht. Agrarwissenschaftlerin Lea Trampenau in LĂŒneburg, die Landwirte bundesweit zu der alternativen Schlachtungsmethode berĂ€t, hat auch keine Zahlen, ist aber sicher: "Es sind auf jeden Fall in den letzten Jahren sehr viel mehr geworden." Aber dennoch handele es sich bezogen auf die gesamte Rinderhaltung vor allem in großen MaststĂ€llen nur "um einen verschwindend geringen Teil".

Christian Grommes deutet in einer gestellten Szene an, wie er mit dem "Weideschuss" ein Tier direkt auf der Weide schießt: Er ist einer der wenigen Landwirte in Deutschland, die das Tier auf diese Weise töten.
Christian Grommes deutet in einer gestellten Szene an, wie er mit dem "Weideschuss" ein Tier direkt auf der Weide schießt: Er ist einer der wenigen Landwirte in Deutschland, die das Tier auf diese Weise töten. (Quelle: Harald Tittel)

Langer Weg bis zur Genehmigung

Auch fĂŒr sie gehört der Kugelschuss auf der Weide zur artgerechten Nutztierhaltung. "Die Tiere sterben dort, wo sie gelebt haben – in der Herde." Und auch fĂŒr den Bauern bedeute die Methode weniger Stress, betont sie. "Kein Landwirt schlĂ€ft in der Nacht vor dem Schlachten gut, wenn er weiß, dass er am nĂ€chsten Tag das Tier verladen und zum Schlachthof bringen muss." Allerdings sei es nach wie vor aufwendig, eine Genehmigung fĂŒr den Weideschuss zu bekommen.

"Bei uns hat es vom ersten Antrag bis zum ersten Schuss fĂŒnf Jahre gedauert", erzĂ€hlt Sarah Grommes. Dabei ging es um Fragen, wo der Hochsitz hinkommt, welche Weiden SchießflĂ€chen sein sollen und um die Einhaltung von Hygienevorschriften. Sie haben dafĂŒr gekĂ€mpft: "FĂŒr uns ist das die Existenzgrundlage. Uns war klar: Wenn wir den Weideschuss nicht erlaubt bekommen, dann ist Schluss."

Die Tiere irgendwo in ein Schlachthaus fahren zu mĂŒssen, gehe fĂŒr sie gar nicht. "Wir bekommen ja was von dem Tier, und wir möchten ihm etwas zurĂŒckgeben", sagt die 36-JĂ€hrige. Dazu gehörten eben drei schöne Jahre auf der Weide. Aus WertschĂ€tzung fĂŒr die Tiere verkauft sie ungern nur Filets und Steaks an ihre Kunden. "Bei uns gibt es gemischte Pakete, da sind auch Braten und Kochfleisch drin." Die Nachfrage sei groß, ihre Kunden kĂ€men auch von weiter her: aus Köln, Koblenz, Mainz oder der Pfalz.

Sarah Wiener: "Eine der humansten Schlachtungsmethoden"

Auch Fernsehköchin Sarah Wiener, die fĂŒr die österreichischen GrĂŒnen im EU-Parlament sitzt, bezieht klar Position. "Wer sich mit dem Thema Schlachtung beschĂ€ftigt, wird zu dem Schluss kommen, dass Weideschuss eine der humansten Schlachtungsmethoden ist, die wir befördern mĂŒssen und sollten", sagt sie. Leider gebe es keine gesetzlichen Vorgaben fĂŒr eine flĂ€chendeckende Erleichterung des Weideschusses. "Ganz klar ist aber: Wir mĂŒssen weg von den wenigen Monopolschlachtfabriken!"

Eine "wesensgemĂ€ĂŸe Haltung" der Tiere sei "nicht nur aus ethischen GrĂŒnden notwendig und wĂŒnschenswert, sondern auch aus GrĂŒnden der Gesundheit fĂŒr Mensch und Tier unerlĂ€sslich. "Wir sind vom rechten Weg abgekommen", sagt sie. Es brauche wieder dezentrale regionale Strukturen, um die Lebensmittelproduktion zu kontrollieren.

Schlachten auf der Weide bisher nur Ausnahme

Auch der Bundesrat setzt sich jetzt dafĂŒr ein, dass Landwirte ihre Tiere vermehrt direkt auf der Weide schlachten dĂŒrfen. Bisher geht das nur in Betrieben mit einer Ausnahmegenehmigung bei Rindern, die das ganze Jahr ĂŒber draußen leben. Auf einen Vorschlag aus Bayern hin, den die LĂ€nderkammer Anfang Juni annahm, soll die Weideschlachtung ausgeweitet werden. Dann soll sie auch fĂŒr Rinder und Schweine gelten, die etwa nur im Sommer im Freien gehalten werden.

Landwirt Grommes weiß aber auch, dass der Weideschuss nicht fĂŒr jeden Betrieb in Frage kommt. "Das geht nur, wenn man wenige Tiere hat und ein eigenes oder mobiles Schlachthaus." Massentierhaltung und Großschlachthöfe, die in der Corona-Krise wieder in die Schlagzeilen geraten sind, werde es auch weiterhin geben: "So lange die Leute dafĂŒr Geld ausgeben, wird sich das nicht Ă€ndern."

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