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Werden Quallen das neue Superfood?

Von dpa
Aktualisiert am 14.06.2021Lesedauer: 2 Min.
Qualle: Mehrere Arten kommen als Nahrung infrage.
Qualle: Mehrere Arten kommen als Nahrung infrage. (Quelle: Viajar Buceando/getty-images-bilder)
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Manche schüttelt es beim Baden, wenn sie gegen eine glibberige Qualle stoßen. Andere sehen in ihnen eine neue Nahrungsquelle. Doch nicht nur auf dem Teller könnten die Tiere punkten.

Quallen werden in Europa nicht gegessen; den Badegästen an Nord- und Ostsee gelten die Medusen als unangenehme, manchmal sogar giftige Plage. Trotzdem erforscht das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen, ob nicht künftig die vermehrungsfreudigen Quallen als Nahrung genutzt werden können.


Superfood: Die 15 gesündesten Lebensmittel

Rosenkohl: Er zählt zu den gesündesten Lebensmitteln. Er entschärft etwa Schadstoffe aus gegrilltem Fleisch, was vor Krebs schützen kann.
Blaubeeren: Die kleinen Nährstoffbomben sind besonders reich an so genannten Antioxidantien. Das sind Schutzstoffe, die schädliche Stoffwechselprodukte abfangen und so vor Gefäßverkalkung und Krebs schützen. Alternativen sind andere dunkle Beeren- und Obstsorten, zum Beispiel Preiselbeeren, Brombeeren, Kirschen oder rote Trauben.
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"Zwar bestehen Quallen zu rund 97 Prozent aus Wasser, ihre Trockenmasse hat aber ein interessantes Nährwertprofil, das dem anderer Meeresfrüchte gleicht", sagt der Meeresbiologe Holger Kühnhold vom ZMT. Quallen seien fettarm, ihr Eiweiß habe einen hohen Anteil an essenziellen Aminosäuren. "Sie enthalten außerdem viele Mineralstoffe und mehrfach ungesättigte Fettsäuren."

Mehrere Arten kommen infrage

Im Prinzip komme auch die einheimische Ohrenqualle als Nahrung infrage und sogar die Nesselqualle nach Entfernung der Nesseln, sagt Kühnhold. In seinen Aquarien am ZMT züchtet er aber die tropische Mangrovenqualle. "Sie ist einfach zu halten, man braucht keine Strömung im Tank." Auch zu Seegurken und einer Algenart namens Meerestraube wird geforscht.

Italienische Forscher haben schon ein Kochbuch verfasst, wie Qualle in ihre Küche passen könnte – Tagliatelle mit Qualle zum Beispiel. Kühnhold erwartet eher, dass die Meerestiere für Europäer "als kalorienarmes Superfood in Form von Chips oder Proteinpulver attraktiv werden".

Qualle als Nahrung: Im Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) werden Mangrovenquallen gezüchtet.
Qualle als Nahrung: Im Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) werden Mangrovenquallen gezüchtet. (Quelle: Sina Schuldt/dpa-bilder)

Quallen könnten nicht nur Nahrung sein

Zur Nutzung von Quallen lässt auch die EU in dem Projekt GoJelly forschen. Daran arbeiten das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und die Universität Kiel mit. "Qualle wird in Ostasien seit Tausenden Jahren gegessen", sagt Jamileh Javidpour, Wissenschaftlerin am Geomar und Professorin in Odense (Dänemark).

Man könne Stoffe der Qualle aber auch in Kosmetika nutzen oder in der Medizin. "Die Qualle ist nicht nur ein gutes Düngemittel, sie kann generell zur Verbesserung der Bodenqualität beitragen", sagt Javidpour.

Außerdem seien Quallen Futter für viele Fische. Und sie filterten Mikroplastik aus dem Wasser. Die Biologin warnt aber vor einer nicht nachhaltigen Nutzung der Qualle. "Man muss beachten, dass wir über ihre Rolle im maritimen Ökosystem noch sehr wenig wissen."

Gründe für die Forschung an Quallen

Für Kühnholds Forschungen spielen zwei Überlegungen eine Rolle. Zum einen gedeihen Quallen dort besonders gut, wo der Mensch das maritime Ökosystem bereits geschädigt hat. "Im Vergleich zu vielen anderen Meeresbewohnern kommen Quallen generell mit sehr geringen Sauerstoffkonzentrationen zurecht." Die Erwärmung von Gewässern rege ihre Vermehrung an. Für die Zukunft seien also mehr Quallen in den Meeren zu erwarten.

Zum anderen gewinne der Mensch Nahrung aus dem Meer sehr ineffizient. "Im Meer ist es so, dass wir von oben her die Nahrungskette nutzen", sagt Kühnhold. Gefangen werden zum Beispiel große Raubfische wie Lachs oder Thunfisch. Sie müssen viele kleine Fische fressen, um zu wachsen.

Die Quallen weit unten in der Kette brauche keine Nahrung, die auch für Menschen nutzbar wäre. Je knapper Nahrungsressourcen an Land künftig werden, desto besser müssten die Möglichkeiten aus dem Meer genutzt werden.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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