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Das sollten Trennungseltern ├╝ber das Sorgerecht wissen

t-online, dpa, Claudia Staub

Aktualisiert am 03.02.2018Lesedauer: 4 Min.
Trennung
Trennung: Bei einer Scheidung leiden vor allem die Kinder. (Symbolbild) (Quelle: Mukhina1/getty-images-bilder)
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Auch bei getrennten Eltern ist es mittlerweile ├╝blich, dass Mutter und Vater das Sorgerecht gemeinsam aus├╝ben. Doch was ist, wenn sich die Eltern bei wichtigen Entscheidungen, die das Kind betreffen, nicht einig sind? Wir haben nachgefragt.

Das Wichtigste im ├ťberblick


Sind Mutter und Vater verheiratet, haben sie automatisch das gemeinsame Sorgerecht und hierdurch das Recht und die Pflicht, f├╝r ihr minderj├Ąhriges Kind zu sorgen. Das hei├čt, die Eltern k├╝mmern sich um Erziehung und Pflege, medizinische Versorgung, bestimmen seinen Aufenthaltsort und verwalten sein Verm├Âgen. So ist es im B├╝rgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert.

Alleiniges Sorgerecht

Ein alleiniges Sorgerecht erhalten Mutter oder Vater auf Antrag beim Familiengericht. Um dem anderen Elternteil das Sorgerecht gegen dessen Willen zu entziehen, muss das Kindeswohl durch das gemeinsame Sorgerecht gef├Ąhrdet sein. Den Angaben nach ist das zum Beispiel der Fall, wenn es st├Ąndig Streit um das Kind gibt oder ein Elternteil zu krank ist, um seiner Verantwortung gerecht zu werden.

Sorgerecht bei unverheirateten Eltern

Auch unverheiratete Paare k├Ânnen das gemeinsame Sorgerecht bekommen. Das ist m├Âglich, indem sie nach der Geburt heiraten, vom Familiengericht das gemeinsame Sorgerecht ├╝bertragen bekommen oder gemeinsam eine Sorgeerkl├Ąrung abgeben. Die Sorgeerkl├Ąrung muss ├Âffentlich beurkundet werden, zum Beispiel beim Jugendamt oder einem Notar, und kann auch schon vor der Geburt des Kindes abgegeben werden.

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Das Sorgerecht f├╝r minderj├Ąhrige Kinder bleibt in Deutschland nach fast allen Ehescheidungen bei beiden Elternteilen. Seit der ├änderung der familiengesetzlichen Regelungen 2009 liege dieser Anteil konstant bei 95 Prozent.

2013 waren dies 96 Prozent der Scheidungen oder 63.425 Verfahren. 2.808 Mal ├╝bertrugen Familiengerichte das Sorgerecht auf einen Elternteil. In fast drei Viertel der Verfahren (2.065) war dies die Mutter. Neuere Zahlen liegen dem Statistischen Bundesamt nicht vor.

Gemeinsames Sorgerecht gegen den Willen der Mutter

Bei unverheirateten Paaren war das gemeinsame Sorgerecht lange Zeit nur mit der Zustimmung der Mutter m├Âglich. Nach der Reform des Sorgerechts 2013 d├╝rfen nun V├Ąter auch gegen den Willen der Mutter die gemeinsame Sorge beim Familiengericht beantragen. Die Mutter kann dem widersprechen, muss dann aber begr├╝nden, warum eine gemeinsame Sorge dem Kindeswohl schadet. Daf├╝r hat sie eine Frist von sechs Wochen ab dem Zeitpunkt der Geburt. Ist die Frist verstrichen oder die Begr├╝ndung nicht ├╝berzeugend, entscheidet das Gericht nach Aktenlage.

Gemeinsames Sorgerecht nach Scheidung

Bei einer Scheidung der Eltern bleibt das gemeinsame Sorgerecht grunds├Ątzlich bestehen. Im besten Fall einigen sich die Eltern dar├╝ber, bei wem das Kind ├╝berwiegend lebt, und wie und wann der andere Elternteil das Kind sehen darf. Bei Meinungsverschiedenheiten kann das Jugendamt den Eltern beratend zur Seite stehen.

Entscheidungen treffen beim gemeinsamen Sorgerecht

Der Elternteil, bei dem das Kind ├╝berwiegend und mit Zustimmung des anderen Elternteils oder aufgrund eines Gerichtsbeschlusses lebt, kann die Angelegenheiten des Kindes im Bereich des allt├Ąglichen Lebens allein regeln. Das betrifft zum Beispiel Essgewohnheiten, Schlafenszeiten, Nachhilfeunterricht, Besuch bei Freunden und Verwandten, Mitgliedschaft im Sportverein, Taschengeld oder die normale medizinische Versorgung.

Bei Angelegenheiten, die f├╝r ein Kind von erheblicher Bedeutung sind, ist das Einverst├Ąndnis beider Elternteile n├Âtig. Dazu z├Ąhlen zum Beispiel die Bestimmung oder ├änderung des Lebensmittelpunktes des Kindes, das An- und Abmelden von Schule oder Kindergarten, Entscheidungen, die die Berufswahl betreffen, eine Unterbringung des Kindes im Heim oder Internat, schwere medizinische Eingriffe oder religi├Âse Erziehung.

Rechte und Pflichten von Stiefeltern und nicht sorgeberechtige Eltern

H├Ąlt sich das Kind beim nicht sorgeberechtigten Elternteil auf, darf dieser ebenfalls Entscheidungen des allt├Ąglichen Lebens treffen. Voraussetzung ist allerdings, dass sich das Kind rechtm├Ą├čig dort aufh├Ąlt. Sogar weiterreichende Entscheidungen d├╝rfen als Notvertretung getroffen werden, zum Beispiel die Zustimmung zu einer Operation, dann muss jedoch Gefahr in Verzug sein. ├ähnliche Befugnisse gelten f├╝r den Ehepartner des sorgeberechtigten Elternteils, also Stiefvater oder -mutter, allerdings nur im Einvernehmen mit dem Ehepartner.

Wechselmodell und Entscheidungsbefugnis

Teilen sich getrennte Eltern die Betreuung und Pflege der Kinder nahezu h├Ąlftig auf, spricht man vom Wechselmodell. In diesem besonderen Fall gibt es keinen Elternteil, bei dem das Kind ├╝berwiegend lebt und damit als Hauptbezugsperson gelten k├Ânnte. Eventuell m├╝ssen in dieser Variante auch Dinge des allt├Ąglichen Leben gemeinsam entscheiden werden, wenn sie den Alltag des anderen Elternteils betreffen.

Wann das Gericht entscheidet

K├Ânnen sich die Eltern nicht einigen, bei wem das Kind leben soll, oder bei Angelegenheiten, die f├╝r das Kind von erheblicher Bedeutung sind, beantragt meist ein Elternteil das alleinige Sorgerecht oder Teile davon (beispielsweise das Aufenthaltsbestimmungsrecht).

Ein h├Ąufiger Streitfall ist beispielsweise, dass ein Elternteil mit dem Kind weit weg oder ins Ausland ziehen will. Bei gemeinsamem Sorgerecht m├╝ssen sich die Eltern einigen oder das Gericht entscheiden lassen. Bis zur Kl├Ąrung darf die Situation des Kindes nicht ver├Ąndert werden. Das Familiengericht muss dann zum Wohle des Kindes entscheiden. Dabei werden eventuell auch Stellungnahmen vom Jugendamt oder familienpsychologische Gutachten ber├╝cksichtigt.

Derartige Auseinandersetzungen sind f├╝r alle Beteiligten, vor allem aber f├╝r die Kinder, sehr belastend. Weil weitreichende Entscheidungen getroffen werden, stehen alle unter enormen Druck. Zudem wurde im Rahmen einer Studie aufgedeckt, dass die Gutachten, auf die sich die Familiengericht bei ihren Entscheidungen beziehen, oft mangelhaft sind. Eltern sollten sich im Vorfeld von gerichtlichen Auseinandersetzungen unbedingt beraten lassen.

Auch das Kind selbst darf sich ├Ąu├čern. Je ├Ąlter es ist, desto eher wird das Gericht dessen W├╝nsche ber├╝cksichtigen. Grunds├Ątzlich steht immer das Kindeswohl im Vordergrund.

Das Umgangsrecht

Der Elternteil, bei dem das Kind nicht dauerhaft lebt, hat ein Umgangsrecht. Im BGB hei├čt es im Paragraf 1684 dazu: "Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt." Der sorgeberechtigte Elternteil sollte den Umgang nicht erschweren oder verhindern.

Die Entscheidung ├╝ber den Umgang k├Ânnen die Eltern selbst regeln. Ist eine Einigung nicht m├Âglich, muss auch hier das Familiengericht eingreifen. Ein Verbot oder Ausschluss des Umgangs ist nur in schwerwiegenden F├Ąllen, zum Beispiel Kindesmisshandlung, m├Âglich.

Entzug des Sorgerechts

Wenn das k├Ârperliche oder seelische Wohl von Kindern gef├Ąhrdet ist, darf der Staat einem oder beiden Elternteilen das Sorgerecht entziehen. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurde dies in Deutschland 2013 in rund 15.000 F├Ąllen notwendig. Das Sorgerecht kann ganz oder teilweise entzogen werden und geht dann auf einen Amtsvormund ├╝ber. Dieser sorgt f├╝r die Unterbringung des Kindes bei Pflegeeltern oder im Heim. In der Regel ist der Entzug des Sorgerechts der letzte Schritt einer Reihe von Ma├čnahmen, die der Familie helfen sollen.

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