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Plazenta: Mythen, Fakten und Bräuche rund um den Mutterkuchen

Wissenswertes zum Mutterkuchen  

Mythen und Fakten rund um die Plazenta

02.11.2018, 18:31 Uhr | Simone Blaß, cch, t-online.de, dpa

Plazenta: Mythen, Fakten und Bräuche rund um den Mutterkuchen. Schwangere bei einer Untersuchung: Die Plazenta versorgt das Baby während der Schwangerschaft mit wichtigen Nährstoffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Symbolbild/Zinkevych)

Schwangere bei einer Untersuchung: Die Plazenta versorgt das Baby während der Schwangerschaft mit wichtigen Nährstoffen. (Quelle: Symbolbild/Zinkevych/Thinkstock by Getty-Images)

Welche Aufgabe hat eigentlich die Plazenta? Welche Bräuche gibt es rund um den Mutterkuchen? Und welche Komplikationen können während der Schwangerschaft in Verbindung mit dem Organ auftreten? Antworten gibt es hier.

Über die Plazenta wird das Kind im Mutterleib mitversorgt. Sie filtert zudem Giftstoffe und Keime aus dem mütterlichen Blut. Was Sie sonst noch über den Mutterkuchen wissen sollten, lesen Sie hier.

Diese Funktion hat die Plazenta

Die Plazenta bildet sich bei Beginn der Schwangerschaft. Bestehend aus mütterlichem, aber auch embryonalem Gewebe, ist dieses Organ zehn Monate lang eine Lebensquelle für das Baby. Der Mutterkuchen, dessen Form tatsächlich ein bisschen wie ein Kuchen aussieht, versorgt das Ungeborene über die Nabelschnur mit Sauerstoff und Nahrung. Er dient als natürliche Schranke zwischen dem mütterlichen und dem kindlichen Blutkreislauf und verhindert, dass bestimmte Schadstoffe und Krankheitserreger von der Mutter zum Kind gelangen. Zusätzlich werden durch die Plazenta Stoffwechselprodukte entsorgt und Hormone produziert. Manche Krankheiten, aber auch das Rauchen, können die Funktion der Plazenta stören. Dann wird von Plazentainsuffizienz gesprochen.

Am Ende der Schwangerschaft ist die Plazenta, auch Nachgeburt genannt, etwa ein halbes Kilo schwer, zwei bis vier Zentimeter dick, schwammig und hat einen Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern.

Der Mutterkuchen kann nicht alle Schadstoffe filtern

Das embryonale Blut ist nur durch eine dünne Wand vom mütterlichen Blut getrennt. Was von der Natur durchaus sinnvoll gestaltet ist. Zum Beispiel dann, wenn Mutter und Baby unterschiedliche Blutgruppen haben oder verschiedene Rhesusfaktoren. Durch diese Plazentaschranke werden viele, aber lange nicht alle Gift- und Schadstoffe ausgefiltert, bevor sie zum Baby gelangen können.

Das erklärt, warum einige wenige Medikamente auch in der Schwangerschaft erlaubt sind, Alkohol aber nicht, da er diese Schranke ungehindert passieren kann. Und auch manche Bakterien und Viren schaffen es, sich durch die Membran zu drängen. Rötelnviren zum Beispiel können bei nicht ausreichendem Impfschutz der Mutter über die Plazenta zum ungeborenen Kind gelangen. Was schlimme Folgen haben kann.

So ist die Plazenta aufgebaut

Plazenta: In dem intervillösen Raum zwischen Chorionplatte und Basalplatte befinden sich die Zottenbäume. (Quelle: imago/UIG)Plazenta: In dem intervillösen Raum zwischen Chorionplatte und Basalplatte befinden sich die Zottenbäume. (Quelle: UIG/imago)

Die Plazenta besteht aus der Chorionplatte, einem intervillösem Raum mit Zottenbäumen und der Basalplatte. Die Chorionplatte ist der Bereich der Plazenta, der aus der Anlage des Embryos entspringt. Die Basalplatte hingegen ist der überwiegend mütterliche Anteil der Plazenta, sie bildet sich aus Zellen der Gebärmutterschleimhaut. Der Raum zwischen den beiden Platten ist mit mütterlichem Blut gefüllt; in diesen ragen die sogenannten Zotten hinein.

Wie sieht eine Plazenta aus?

Ein Mutterkuchen, bei dem alles in Ordnung ist, erinnert optisch ein wenig an frische Leber. Doch nicht immer sieht die Plazenta so aus, wie sie aussehen soll. Es kann zu Verkalkungen des Gewebes kommen, sie kann Löcher haben oder an sich ungünstig aufgebaut sein. All dies ist nicht ungefährlich für das ungeborene Kind. Die Plazenta ist Eigentum der Eltern – und die können damit machen, was sie wollen.

Die Nachgeburt ist wichtig

Ist das Baby erst einmal da, ist für die meisten Frauen die Geburt vorbei. Bei ihrem ersten Kind sind sie dann oft überrascht, dass auch die Plazenta noch geboren werden muss und auch das durchaus noch mal schmerzhaft sein kann. Bei der Nachgeburt werden der Mutterkuchen, die Reste der durchschnittenen Nabelschnur sowie die Eihäute vom mütterlichen Körper abgestoßen. Zwei Signale zeigen den Geburtshelfern, dass sich die Lösung der Plazenta ankündigt: zum einen erneute Wehen und zum anderen der Drang zu pressen.

Der Mutterkuchen löst sich von der Gebärmutterwand und gleitet, wenn alles gut läuft, durch den Geburtskanal heraus. Wobei die Hebamme hier oft ein wenig nachhilft, zum Beispiel durch Druck auf den Bauch. Für die Geburtshelfer ist der Zustand des Mutterkuchens sehr aussagekräftig, er wird daher gründlich untersucht. Wird die Plazenta zum Beispiel nicht vollständig ausgeschieden, dann kommt es zu starken, nicht stillbaren Blutungen und es muss eine Ausschabung gemacht werden. Ist der Mutterkuchen angewachsen, wird in der medizinischen Fachsprache von "Placenta accreta" gesprochen.

Was passiert nach der Geburt mit der Plazenta?

Nach der Entbindung in einer Klinik wird die Plazenta dort entsorgt, wenn die frischgebackene Mutter keine Ansprüche daran erhebt. Dass Eltern die Plazenta gerne nach der Geburt mit nach Hause nehmen möchten, um später darauf ein "Lebensbäumchen" zu pflanzen, ist in Deutschland nicht ungewöhnlich. Auch in anderen Kulturen gibt es zahlreiche Bräuche rund um den Mutterkuchen. Völkerkundler wissen längst, dass die Plazenta schon seit Jahrtausenden einen besonderen Stellenwert quer durch die Kulturen hat. Die so genannten "Nachgeburtsbestattungen" waren in Ägypten genauso üblich wie in Australien, China oder eben in unseren Gefilden. Der Grund für diese Bräuche ist die Vermutung, dass in der Plazenta ein Stück der menschlichen Seele verbleibt: ein geistiger Zwilling sozusagen – und man mit diesem achtsam umgehen müsse.

Plazentophagie: Plazenta essen?

Etwas ungewöhnlich ist ein Brauch, der immer mehr um sich zu greifen scheint: das rituelle Verspeisen der Plazenta, das durchaus auch Vegetarier machen. Rezepte von der Plazenta-Lasagne bis hin zum Mutterkuchen im wahrsten Sinne des Wortes finden sich im Internet reichlich. Das Essen der Plazenta soll viele Vorteile mit sich bringen, die allerdings wissenschaftlich nicht belegt sind. Mehr zu diesem Ritual, das Kritikern zufolge ungesund ist, lesen Sie hier.

Plazenta als Kosmetikprodukt und homöopathisches Mittel

Auch im Bereich der Körperpflege wird der Plazenta eine besondere Kraft zugeschrieben. So waren von den 1960ern bis Anfang der 1980er Jahre Kosmetikprodukte mit Plazentasubstanz "in". Man hoffte auf die verjüngende Wirkung der Wachstumshormone und Cremes mit Namen wie Hormocenta oder noch eindeutiger Placentubex fehlten in kaum einem Spiegelschrank. Mit dem Auftreten von AIDS verschwanden diese Produkte vom Markt.

Und dann gibt es da auch noch Plazentanosoden, aus den Zellen der Gebärmutter hergestellte homöopathisch aufbereitete Mittel. Meist werden sie in Form von Globuli genutzt, die man sich aus dem eigenen Mutterkuchen machen lassen kann und die später dem Kind homöopathisch beste Dienste leisten sollen oder auch als Mutterfett oder als vielseitig einsetzbares Plazentapulver.

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Lotusgeburt: Die Plazenta bleibt mit dem Baby verbunden

Eine Lotusgeburt bezeichnet die Praxis, nach der Entbindung die Nabelschnur mitsamt der Plazenta am Kind zu belassen, bis sie von alleine abfällt. Die natürliche Abnabelung dauert in der Regel drei bis zehn Tage. Anhänger dieses Vorgehens sind der Meinung, dass das natürliche Abfallen der Nabelschnur weniger traumatisch ist als das übliche Abklemmen der Schnur.

Bei einer Lotusgeburt wird die Plazenta von der Hebamme nach der Geburt gewaschen und in ein Tuch gewickelt. Im Anschluss wird sie mehrmals täglich mit Salz bestreut und mit ätherischen Ölen oder Kräutern eingerieben. Dies soll der Konservierung dienen.

Da eine Lotusgeburt eine Infektionsgefahr birgt, sollte sie immer von einer erfahrenen Hebamme begleitet werden. Kliniken bieten diese Art der Entbindung in der Regel nicht an.

Plazenta praevia: Eine Fehllage der Plazenta muss gut beobachtet werden

Wenn alles so läuft, wie es soll, dann nistet sich die befruchtete Eizelle und damit auch die daraus entstehende Plazenta im oberen Teil des Uterus ein. Manchmal an der Vorder-, manchmal an der Rückwand. Beides ist völlig normal, hat nur zur Folge, dass man das Kind etwas früher oder später spürt. Bei einer von 200 Schwangeren kommt es aber zu einer ungünstigen Lage. Gründe dafür können bereits durchgeführte Kaiserschnitte oder Ausschabungen sein, Operationen an der Gebärmutter, aber auch eine rasche Schwangerschaftsfolge oder frühere Fehlgeburten.

Eine Fehllage des Mutterkuchens nennt man Placenta praevia, wobei die Fachleute hier noch einmal vier Unterteilungen vornehmen, je nach Sitz. Von einer Plazenta praevia spricht man aber erst nach der 24. Schwangerschaftswoche, denn bis dahin ist ein Wachsen nach oben noch durchaus möglich. Passiert das nicht, so kann die Schwangerschaft trotzdem einen relativ problemlosen Verlauf nehmen. Allerdings mit engmaschigerer Überwachung und einem Kaiserschnitt.

Stürzt eine Frau während der Schwangerschaft oder erleidet sie einen Schlag auf den Bauch, dann kann sich die Plazenta vorzeitig ablösen. Es handelt sich dann um einen lebensgefährlichen Notfall.

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