Sie sind hier: Home > Leben >

Tag gegen Kinderarbeit: Diese Produkte werden oft mithilfe von Kinderarbeit gefertigt

Kosmetik, Kaffee, Kleidung  

In diesen Produkten steckt häufig Kinderarbeit

17.10.2019, 14:20 Uhr | cch, t-online.de, AFP

Tag gegen Kinderarbeit: Diese Produkte werden oft mithilfe von Kinderarbeit gefertigt. Ein zehnjähriger Junge arbeitet in einer Fabrik in Bangladesch: In vielen Ländern gehen Kinder arbeiten, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. (Quelle: dpa/Md Mehedi Hasan/ZUMA Wire)

Ein zehnjähriger Junge arbeitet in einer Fabrik in Bangladesch: In vielen Ländern gehen Kinder arbeiten, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. (Quelle: Md Mehedi Hasan/ZUMA Wire/dpa)

Kinderarbeit ist in vielen Ländern Alltag. 152 Millionen Kinder weltweit müssen arbeiten gehen. In der Produktion welcher Produkte sie mitarbeiten und welche Dienstleistungen sie oft übernehmen müssen, lesen Sie hier.

Kinderarbeit raube Kindern ihre Kindheit und zerstöre ihre Zukunftschancen, kritisiert das UN-Kinderhilfswerk Unicef. Trotzdem müssten immer noch 152 Millionen Kinder – fast jedes zehnte Kind weltweit – arbeiten, um zum Überleben ihrer Familien beizutragen. Fast die Hälfte von ihnen leidet demnach unter gefährlichen oder ausbeuterischen Arbeitsbedingungen.

Die meisten arbeitenden Kinder leben in Afrika und Asien

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der arbeitenden Kinder nach Angaben von Unicef zwar stark gesunken, von 246 Millionen im Jahr 2000 auf 152 Millionen 2016. Zuletzt sei der Rückgang aber langsamer geworden. Wenn der Fortschritt lediglich im aktuellen Tempo weitergeht, werden den Angaben zufolge auch im Jahr 2025 noch 121 Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarbeit betroffen sein.

Die meisten von Kinderarbeit betroffenen Jungen und Mädchen leben nach Angaben von Unicef in Afrika (72 Millionen), gefolgt von Asien (62 Millionen). Die Kinderarbeit schädigt ihre körperliche und seelische Entwicklung, hält die Kinder vom Schulbesuch ab und lässt ihnen kaum Zeit zum Spielen. Als Ursachen für Kinderarbeit nennt die Hilfsorganisation Terre des Hommes Armut, Diskriminierung, schlechte oder keine Schulen, große Nachfrage nach billigen Arbeitskräften und untätige Behörden.

In diesen Produkten kann Kinderarbeit stecken

In folgenden Produkten kann laut Terre des Hommes und der Kampagne "Aktiv gegen Kinderarbeit" Kinderarbeit stecken:

  • Autos
  • Bleistifte
  • Blumen
  • Computer, Laptops
  • Diamanten, Edelsteine
  • Elektronik
  • Feuerwerkskörper
  • Gewürze
  • Glas
  • Grabsteine
  • Haselnüsse
  • Lederbälle
  • Heimtextilien
  • Kaffee
  • Kakao
  • Kleidung
  • Kosmetik
  • Korbwaren
  • Lederwaren
  • Natursteine
  • Saft (Smoothies)
  • Schnittblumen
  • Schuhe
  • Schokolade
  • Smartphones
  • Spielzeug
  • Streichhölzer
  • Tabak
  • Tee
  • handgeknüpfte Teppiche

Nicht in allen Fällen fertigen Kinder die Produkte. Zum Teil arbeiten sie auch bei der Rohstoffgewinnung für ein Produkt mit oder bei seiner Verarbeitung. Nur etwa fünf Prozent der Kinderarbeiter arbeiten für den Export, also für die oben genannten Produkte. Die meisten (etwa 70 Prozent) arbeiten in der Landwirtschaft (für die heimischen Märkte). "Vieles findet im familiären Kontext statt, Kinder helfen in Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien etwa bei der Ernte mit", sagt Christina Margenfeld, Projektkoordinatorin des Hilfswerks Brot für die Welt, zu t-online.de.

Zudem übernehmen Kinder oft Dienstleistungen, zum Beispiel im Tourismus und in der Gastronomie. Sie putzen, kochen, spülen, verkaufen Produkte auf der Straße, putzen Schuhe, waschen Autos, sammeln Müll, tragen Gepäck, kellnern, laden auf Märkten aus und tragen Lasten.

Unicef definiert Kinderarbeit als jede Tätigkeit, für die Minderjährige zu jung sind oder die gefährlich beziehungsweise ausbeuterisch ist. Auch Arbeiten, die körperliche oder seelische Schäden hervorrufen, sowie Tätigkeiten, die Kinder vom Schulbesuch abhalten, gelten laut Unicef als Kinderarbeit.

Wie finden Verbraucher Produkte, die frei von Kinderarbeit sind?

"In ganz vielen Produkten – von Schokolade bis Kleidung – steckt Kinderarbeit", sagt Christina Margenfeld. Für Verbraucher sei es aber oft unmöglich, zu erkennen, in welchen genau. Die Lieferketten könnten meist nicht komplett nachvollzogen werden. Die Hilfsorganisationen raten dazu, Produkte zu kaufen, die fair gehandelt wurden. Verschiedene Siegel des sogenannten fairen Handels und Bio-Kennzeichnungen setzen voraus, dass die Händler ausbeuterische Kinderarbeit ausschließen.

Fairtrade- und Sozialsiegel sind etwa:

  • Fairtrade
  • Gepa
  • El Puente
  • Kleinbauernsiegel SPP
  • Naturland Fair
  • Fair for Life
  • Rainforest Alliance
  • dwp
  • Rapunzel Hand in Hand
  • Transfair
  • GoodWeave
  • Xertifix
  • FairStone

Für Produkte, die aus mehreren Komponenten bestehen, wie etwa Autos oder Laptops gibt es allerdings keine Siegel. Für den Konsumenten bleibe dann nur die Möglichkeit, sich an Produkte zu halten, die von Unternehmen stammen, die sich klar gegen Kinderarbeit aufstellen, so Margenfeld. "Kinderarbeit ist ein Skandal. Dass wir durch den Kauf von Produkten ungefragt und ungewollt daran mitwirken, ebenso", sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt.

Brot für die Welt fordert Unternehmen auf, sicherzustellen, dass Kinderarbeit in ihren Produkten nicht vorkommt. Hierzu hat das Hilfswerk zusammen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auch einen Online-Appell gestartet. Die Unterzeichner sollen den Bundestag auffordern, ein Gesetz zu beschließen, das Unternehmen in Deutschland wirksam dazu verpflichtet, für die Einhaltung der Menschenrechte entlang der gesamten Lieferkette zu sorgen. Der Appell ist Teil der globalen Kampagne "100 Million".


Lebensbedingungen der Kinder müssen sich ändern

Auch der Vorstandssprecher von terre des hommes, Albert Recknagel, fordert global verbindliche Regelungen für die Wirtschaft, "damit den Familien existenzsichernde Löhne gezahlt und faire Arbeitsbedingungen zugestanden werden".

Recknagel fordert zudem die Bundesregierung auf, das Ausmaß ausbeuterischer Kinderarbeit in Deutschland zu untersuchen. Bisher seien Einzelfälle bekannt, es gebe aber keinen Überblick.

"Es reicht nicht, Kinderarbeit zu verurteilen und zu verbieten", fügt der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, hinzu. Um Kinder wirksam vor Ausbeutung zu schützen, müssten sich auch ihre Lebensbedingungen ändern. Nötig seien mehr Investitionen in Bildung, Gesundheits- und Sozialsysteme, aber auch faire Arbeitsbedingungen für Eltern.

Verwendete Quellen:

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal