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Interview
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"Es droht eine dramatische Hungerkrise"

Interview von M. Janssen und J. Wellisch

Aktualisiert am 10.05.2020Lesedauer: 3 Min.
Gerd M├╝ller bef├╝rchtet eine Hungerkrise in 36 L├Ąndern (Archivbild): Neben der Corona-Krise bedrohen in vielen Regionen auch bewaffnete Konflikte und Naturkatastrophen die Lebensmittelversorgung der Menschen.
Gerd M├╝ller bef├╝rchtet eine Hungerkrise in 36 L├Ąndern (Archivbild): Neben der Corona-Krise bedrohen in vielen Regionen auch bewaffnete Konflikte und Naturkatastrophen die Lebensmittelversorgung der Menschen. (Quelle: Urban Zintel f├╝r t-online.de)
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In Ostafrika ist Corona nicht die einzige Krise. Neben Kriegen und jahrelangen D├╝rren plagen Abermillionen Heuschrecken die Region. Es droht eine verheerende Hungersnot, erkl├Ąrt Entwicklungsminister M├╝ller im Interview mit t-online.de.

Weltweit versetzt die Corona-Pandemie Menschen in existentielle N├Âte. In den USA haben seit Beginn der Pandemie 33 Millionen Menschen Arbeitslosenhilfe beantragt und auch in Deutschland reagiert die Politik mit Soforthilfen und Konjunkturma├čnahmen. Doch in zahlreichen Regionen der Welt ist das Virus nur eines von vielen Problemen. Kriege und die Folgen von Naturkatastrophen k├Ânnten in einer verheerenden Hungerkrise gipfeln.

In Ostafrika verlieren Bauern und Viehwirte zudem durch eine Heuschreckenplage ihre Ernte und Weiden f├╝r ihr Vieh. Schon jetzt steigen die Lebensmittelpreise und Hilfsorganisationen warnen, dass sich die Plage bis nach Westafrika ausbreiten wird. Die Krise k├Ânnte jahrelang andauern ÔÇô neben Hunger drohen weitere gewaltt├Ątige Auseinandersetzungen, erkl├Ąrt Bundesentwicklungsminister Gerd M├╝ller (CSU) im Interview mit t-online.de.

t-online.de: Wie schlimm sind die Menschen in Ostafrika betroffen?

Gerd M├╝ller: Die Menschen sind von einer dramatischen Doppel-Krise betroffen: Ostafrika wird von der schlimmsten Heuschreckenplage seit Jahrzehnten heimgesucht. Gleichzeitig ist die Corona-Pandemie l├Ąngst zu einer weltweiten Ern├Ąhrungskrise geworden. ├ťber eine Milliarde Kinder k├Ânnen nicht zur Schule gehen und viele verlieren so die einzige warme Mahlzeit am Tag. Millionen Menschen verlieren von einem Tag auf den anderen ihren Job und stehen auf der Stra├če ohne einen Cent Einkommen oder Grundsicherung. Produkte gelangen nicht mehr auf die M├Ąrkte, Landarbeiter nicht aufs Feld. Ganze Ernten k├Ânnen ausfallen, weil Saatgut knapp wird.

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Welche Folgen bef├╝rchten Sie?

Es droht eine dramatische Hungerkrise. Das Weltern├Ąhrungsprogramm rechnet damit, dass in 36 L├Ąndern Hungersn├Âte ausbrechen, die meisten davon liegen in Afrika. Bereits jetzt hungern dort 250 Millionen Menschen ÔÇô das ist jeder f├╝nfte Mensch! In Ostafrika ist es sogar jeder Dritte.

Diese Krise hat sich in den letzten Jahren bereits aufgebaut ÔÇô der Klimawandel hat dazu gef├╝hrt, dass Millionen Menschen ihre Heimat verloren haben. In der Sahel-Region hat es an manchen Orten jahrelang nicht geregnet. F├╝r viele geht es ums blanke ├ťberleben. Corona versch├Ąrft die Situation weiter. Es kommt zu Hunger, Not und Unruhen. Terroristische Gruppierungen nutzen das im Sahel bereits gezielt aus.

Und jetzt kommen noch Heuschrecken dazu?

Leider ist das so. Im Schatten der Coronakrise droht die Heuschreckenplage zum jahrelangen Problem zu werden. Es k├Ânnen kaum Personal und Material zur Bek├Ąmpfung eingesetzt werden und schon bald sind nicht mehr ausreichend Insektizide vorhanden. In den kommenden Wochen entscheidet auch das Wetter ma├čgeblich mit. Das feuchte Wetter in der Regenzeit schafft gute Brutbedingungen und die Heuschrecken verbreiten sich durch den starken Wind viel leichter.

Gibt es Gebiete, in denen es besonders schwierig ist?

Besonders schwierig ist die Lage in ├äthiopien, Kenia und Somalia. Somalia hat den Notstand ausgerufen. Millionen Heuschrecken fressen dort die Felder kahl. Das hei├čt: Keine Nahrung, kein neues Saatgut, kein Viehfutter. Die Ern├Ąhrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO geht davon aus, dass f├╝nf Millionen Menschen nur aufgrund der Heuschrecken-Plage von Hunger bedroht sind. Insgesamt droht in der Region ├╝ber 25 Millionen Menschen eine Hungersnot. Das ist die Bev├Âlkerung von Bayern, Baden-W├╝rttemberg und Hamburg zusammen.

Was muss passieren, um die Plage jetzt noch einzud├Ąmmen?

Die Weltgemeinschaft hat bereits reagiert und 120 Millionen US-Dollar zus├Ątzlich zur Bek├Ąmpfung der Heuschreckenplage bereitgestellt. Deutschland hat sich mit 20 Millionen Euro beteiligt. Zus├Ątzlich verst├Ąrken wir die Ern├Ąhrungssicherung in Ostafrika mit unseren Entwicklungsma├čnahmen und stellen dieses Jahr daf├╝r fast 70 Millionen Euro bereit. Aus unseren 15 Gr├╝nen Innovationszentren in Afrika und Indien heraus verst├Ąrken wir auch die Bereitstellungen von Saatgut, D├╝nger und Pflanzenschutz f├╝r die kommenden Ernten.

Nun sind viele Menschen aber auch von der Pandemie betroffen...

Parallel setzen wir ein weltweites Corona-Sofortprogramm mit ├╝ber einer Milliarde Euro um. Jeden f├╝nften Euro investieren wir in die Bek├Ąmpfung des Hungers ÔÇô vor allem in den Fl├╝chtlings- und Krisenregionen. Dazu arbeiten wir eng mit dem Weltern├Ąhrungsprogramm und dem Kinderhilfswerk UNICEF zusammen.

Reicht das? Kommt die Hilfe zu sp├Ąt?

Nein, das wird alleine nicht reichen, um der Krise zu begegnen. Gemeinsam mit Hilfsorganisationen haben wir einen weiteren Sofortbedarf von drei Milliarden Euro f├╝r Nothilfen zur Eind├Ąmmung der Corona-Krise ermittelt. Diese Mittel habe ich f├╝r den Nachtragshaushalt 2020 bei Finanzminister Olaf Scholz angemeldet. Uns muss allen klar sein: Jetzt ist die Stunde der internationalen Solidarit├Ąt. Auch die EU und die internationale Gemeinschaft m├╝ssen den am h├Ąrtesten betroffenen Menschen noch viel st├Ąrker helfen. Die Heuschreckenplage und die Corona-Krise d├╝rfen nicht zu Hunger, Not, Vertreibung und am Ende unkontrollierbaren Fl├╝chtlingsbewegungen f├╝hren.

Herr M├╝ller, vielen Dank f├╝r das Interview.

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