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Konferenz ohne Macht: Braucht es die COP überhaupt noch?


Es wird immer absurder

Von Lucas Maier

Aktualisiert am 30.11.2023Lesedauer: 3 Min.
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70.000 Teilnehmer: So startete die Weltklimakonferenz in Dubai. (Quelle: Reuters)

Die Welt-Klimakonferenz COP28 findet in Dubai statt. Viel erreicht hat sie bisher nicht. Abschaffen ist trotzdem keine Alternative.

Krieg in Nahost, Krieg in der Ukraine und dann verbockt die Ampel auch noch den Haushalt: Eigentlich gibt es mehr als genug Probleme, die uns derzeit beschäftigen. Dass die wohl schwerste aller Krisen wie ein Fallbeil über allem schwebt, gerät dabei schnell in Vergessenheit.

Die Klimakrise bedroht das Leben von Millionen von Menschen weltweit. Vom 30. November bis zum 12. Dezember werden sich nun 200 Staaten in Dubai dieser Krise widmen.

Konferenzpräsident Sultan Ahmed al-Dschaber ist davon überzeugt, dass der diesjährige Klimagipfel der folgenreichste seit dem legendären Treffen in Paris wird. Dort einigte sich die Welt 2015 auf das Ziel, die Erderwärmung dürfe um nicht mehr als 1,5 Grad ansteigen. Dieses Ziel ist längst nicht mehr zu erreichen. Nicht zuletzt deswegen zweifeln viele am Sinn der Weltklimakonferenz und fragen sich: Sollten wir uns die COP28 nicht besser sparen? Die Antwort ist simpel: Abschaffen ist keine Lösung.

COP28: Für die USA keine Chefsache

Sicher, dass Joe Biden nicht teilnimmt, ist ein schwerer Schlag. Der US-Präsident hält den Gipfel offenbar für nicht wichtig genug, um selbst dort aufzutauchen. Offiziell heißt es aus Washington, die Lage in Nahost fordere ihn derzeit zu sehr.

Video | Animation zeigt: Diese Länder sind die größten Klimasünder
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Quelle: t-online

Aber mitnichten dürfte Joe Biden der Klimaschutz egal sein. Mit seiner Wirtschaftspolitik "Bidenomics" läuft er der EU in Sachen Nachhaltigkeit den Rang ab. Sein milliardenschweres Investitionspaket, das einen starken Fokus auf grüne Technologien legt, hält nicht nur Biden für eine "Revolution".

Der Unterschied: Die COP28 kann keine so konkreten Ergebnisse erzielen, und beschlussfähig ist sie ebenfalls nicht. Sie ist in ihrer derzeitigen Verfassung vielmehr ein zahnloser Tiger.

Der Moment, als der Tiger seine Zähne verlor

Dabei hatte die Kyoto-Konferenz 1997 große Hoffnungen geweckt. Das Kyoto-Protokoll enthielt verbindliche Ziele und hohe Strafzahlungen, sollten die Ziele nicht eingehalten werden. Allerdings unterzeichneten deshalb einige Staaten das Protokoll gar nicht erst oder traten aus, als es zu brenzlig wurde. Dem Pariser Abkommen von 2015 fehlte dann von Beginn an der Biss. Es sah nie Sanktionen vor, und die Ziele durften sich die Staaten selbst setzen. Das war eine Bankrotterklärung der Weltgemeinschaft.

Als wäre das nicht schon traurig genug, setzte der Vorsitzende der COP28, Sultan Ahmed al-Dschaber, dem zahnlosen Tiger noch eine Clownsnase ins Gesicht. Anscheinend ohne Scham nutzte er den Vorsitz seines Landes aus, um Deals für den staatlichen Ölkonzern Adnoc einzufädeln, wie Recherchen des britischen Senders "BBC" zeigen.

 
 
 
 
 
 
 

Welchen Einfluss reiche Ölstaaten auf Klimaentscheidungen haben, zeigte sich zuletzt auch in Nairobi, als eine Schwemme an Lobbyisten den Wissenschaftlern bei der Plastikkonferenz das Leben schwermachte. Am Ende sorgten Staaten wie Saudi-Arabien dafür, dass das dringend notwendige Abkommen blockiert wurde.

COP28: Braucht es das Treffen noch?

Angesichts all dessen erscheint die Situation ausweglos. Trotzdem sollte man dem zahnlosen Tiger in Dubai auf keinen Fall den Gnadenstoß versetzen. Das wohl eher zahme Kätzchen der COP28 rettet vielleicht nicht die Welt und es könnte so ganz nebenbei ein paar wenige, wie den Ölkonzern Adnoc, noch reicher machen, als sie es schon sind.

Aber die Weltklimakonferenz ist nun mal das einzige Forum, in dem das Klimaproblem global bearbeitet wird. Allzu oft fokussieren sich die Industriestaaten auf sich selbst und auf ihre "Vorzeigeprojekte" in puncto Klimaschutz. Dass die Zukunft unseres Planeten mehr braucht als aufs grüne Image abzielende Projekte der reichsten Staaten der Welt, liegt auf der Hand.

Deswegen ist es umso wichtiger, dass beim Klimagipfel die Länder der Südhalbkugel die Gelegenheit bekommen, auf die Verursacher des Großteils der Emissionen Druck auszuüben. Sie brauchen beispielsweise dringend Geld für den ökologischen Umbau. Die bereits vorhandenen selbstgesteckten Zahlungsziele der vergangenen Konferenz in Ägypten einzuhalten, wäre hier ein erster Schritt.

Aber dem Klimagipfel kommt noch eine andere wichtige Aufgabe zu. Neben den Absprachen und der Diskussion um den richtigen Weg, wie unser aller Zukunft zu sichern ist, hat die COP28 erstmals auch die Aufgabe, den Istzustand festzuhalten. In Dubai wird aus allen Teilen der Welt zusammengetragen, wie es um den Klimaschutz steht. Mit Daten von NGOs, der Vereinten Nationen, dem Weltklimarat und den Staaten dieser Welt wird eine Bestandsaufnahme gemacht. Allein dafür lohnt sich die Zusammenkunft in den Vereinten Arabischen Emiraten. Denn wenn wir nicht wissen, wo wir stehen, wissen wir auch nicht, wohin wir gehen müssen. Daher, liebe Weltgemeinschaft: Tötet den Tiger nicht, sondern schützt ihn und gebt ihm endlich Biss!

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