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Geiseldrama in Frankreich: Arnaud Beltrame wurde zum Helden

Polizist opferte sich für Geiseln  

So wurde Arnaud Beltrame zum Helden von Trèbes

Von Tobias Ruf

24.03.2018, 20:49 Uhr
Geiseldrama in Frankreich: Arnaud Beltrame wurde zum Helden. Arnaud Beltrame: Der Polizist ließ sich in Trèbes freiwillig gegen Geiseln eintauschen. (Quelle: dpa/Archivbild/AP/Ouest France)

Arnaud Beltrame: Der Polizist ließ sich in Trèbes freiwillig gegen Geiseln eintauschen. (Quelle: Archivbild/AP/Ouest France/dpa)

Sein selbstloser Einsatz rettete mehrere Geiseln, er selbst kam ums Leben. Wer war Arnaud Beltrame, der Held der Geiselnahme von Trèbes, und was trieb ihn an?

Als ein Terrorist in einem Supermarkt im südfranzösischen Trèbes am Freitag Geiseln nahm, handelte Arnaud Beltrame kurzentschlossen. Der 45-jährige Offizier der Gendarmerie erklärte sich bereit, sich gegen mehrere Menschen, die der islamistische Extremist festhielt, eintauschen zu lassen.

Als er den Supermarkt betrat, hatte Beltrame ein Mobiltelefon mit einer offenen Verbindung zu seinen Kollegen vor der Tür dabei. Als die Mitglieder der Spezialeinheit über das Telefon Schüsse im Inneren des Marktes hörten, schritten sie sofort ein.

Die Einsatzkräfte stürmten den Markt und erschossen den Geiselnehmer. Beltrame fanden sie mit schweren Verletzungen vor. Am Samstagmorgen starb der Offizier an den Folgen der Schussverletzungen, die ihm der Terrorist zugefügt hatte.

"Er wusste, was er tat"

Wer war Beltrame und was bewog den stellvertretenden Kommandanten des Départements Aude dazu, sich für die Rettung der Geiseln in Lebensgefahr zu begeben?

Die Aussagen seiner Mutter gegenüber dem französischen Fernsehsender "RTL" geben Aufschluss über die Hintergründe des selbstlosen Einsatzes. "Ich wusste sofort, dass der Impuls zum Geiselaustausch von ihm ausging. Er wusste, was er tat. Das war schon immer sein Naturell. Er wollte Frankreich dienen und beschützen. Das hat er als den Sinn seines Lebens verstanden", sagte die Mutter am Freitag nach der Geiselnahme.

"Er wusste, dass er kaum eine Überlebenschance hatte"

Für Beltrame selbst war der Einsatz offenbar durch sein Pflichtbewusstsein motiviert. "Ich mache nur meine Arbeit, Mama", soll er gegenüber seiner Mutter regelmäßig betont haben.

Arnaud Beltrame: Der Polizist ließ sich in Trèbes freiwillig gegen Geiseln eintauschen. (Quelle: dpa/Archivbild/AP/Ouest France)Arnaud Beltrame: Der Polizist ließ sich in Trèbes freiwillig gegen Geiseln eintauschen. (Quelle: Archivbild/AP/Ouest France/dpa)

Auch sein Bruder zeigte sich vom Vorgehen des Offiziers nicht überrascht. "Er hat sein Leben für das eines anderen Menschen geopfert. Er war sich mit Sicherheit bewusst, dass er mit diesem Vorgehen ein großes Risiko einging und kaum eine Überlebenschance hatte", beschrieb Cédric Beltrame die Motive seines Bruders gegenüber "RTL".

Ein weiterer Grund, weshalb sich Beltrame für den Austausch meldete, könnte sein, dass der 45-Jährige im Dezember 2017 in Carcassonne eine Polizei-Übung veranlasste, in der eine Geiselnahme in einem Supermarkt simuliert wurde.

Krankensalbung und Ehe-Sakrament am Sterbebett

Der Verstorbene, der sich nach Angaben des französischen Innenminsteriums aus freien Stücken zum Geiselaustausch bereit erklärt hatte, hinterlässt seine Ehefrau Marielle, mit der er standesamtlich verheiratet war. Im Juni diesen Jahres wollte das Paar auch kirchlich heiraten.

Pfarrer Père Jean-Baptiste, der die Eheleute trauen wollte, sagte der französischen Tageszeitung "Le Monde", dass er gemeinsam mit Beltrames Ehefrau die Nacht im Krankenhaus von Carcassonne verbracht habe. "Er erhielt von mir das Sakrament der Ehe und die Krankensalbung", sagte der Pfarrer. Am Samstagvormittag erlag der Oberstleutnant seinen Schussverletzungen, die vor allem die Halspartie betroffen hatten. 

"Er war ein Mensch, der vor nichts Angst hatte"

Der 45-Jährige, der im Département Essonne im Großraum Paris geboren wurde, entschloss sich bereits in jungen Jahren in den Staatsdienst zu gehen. 1999 absolvierte er eine Ausbildung an der "École militaire interarmes", einer französischen Militär-Akademie. 

2001 trat Beltrame in den Polizeidienst ein und absolvierte eine erfolgreiche Laufbahn. Von 2006 bis 2010 gehörte er der Republikanischen Garde an, die mit dem Schutz des Staatspräsidenten beauftragt ist.

Der Supermarkt in der südfranzösischen Stadt Trèbes: Hier spielte sich die Geiselnahme ab. (Quelle: Reuters/Jean-Paul Pelissier)Der Supermarkt in der südfranzösischen Stadt Trèbes: Hier spielte sich die Geiselnahme ab. (Quelle: Jean-Paul Pelissier/Reuters)

"Er war ein Mensch, der vor nichts Angst hatte und keine Konfrontation gescheut hat", sagte Guénaël Huet gegenüber der französischen Zeitung "Ouest-France". Huet ist ehemaliger Abgeordneter des Départements Manche, in dem Beltrame als Polizeikommandant der Kleinstadt Avranches von 2010 bis 2014 tätig war.   

Von 2014 bis 2017 diente Beltrame als Generalstabsoffizier bei der Polizei in Paris, im Jahr 2016 stieg er in den Rang des Oberstleutnant auf.

Vergangenen August wurde Beltrame schließlich zum stellvertretenden Kommandanten des Départements Aude ernannt, in dem sich Trèbes befindet. Eben jene Stadt in der sich die Geiselnahme ereignete und in der Beltrame sein Leben verlor. 

Verwendete Quellen:

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