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Skandal in Österreich: In dieser Luxusvilla auf Ibiza ging Strache in die Falle

Vermieter mauert  

In dieser Luxusvilla ging Strache in die Falle

Von Lars Wienand

19.05.2019, 13:05 Uhr
Austria Far Right (Quelle: AP/dpa/Reuters)
Video-Skandal um Strache: Kanzler Kurz setzt auf Neuwahlen in Österreich

Die Veröffentlichung eines Videos von Juli 2017 mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat eine Regierungskrise ausgelöst. Es soll ein Treffen mit einer vermeintlichen russischen Investorin zeigen. (Quelle: Reuters)

"Genug ist genug": Nach dem Video-Skandal um FPÖ-Chef Strache begründet Kanzler Kurz seine Entscheidung, auf Neuwahlen zu setzen. (Quelle: Reuters)


Ein Video bringt Österreichs Regierung zu Fall. t-online.de hat das Luxusanwesen ausfindig gemacht, in dem die Aufnahmen entstanden sind. Der Vermieter war wenig hilfreich.

Der Tag, der den Untergang von Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache einleitet, war der 24. Juli 2017. Der Ort des Geschehens: Mitten auf Ibiza, sechs Kilometer vom Meer und sieben Kilometer von Ibiza-Stadt entfernt. Wer zwei Jahre später das Anwesen, die “Villa Can Mass” mieten will, muss dafür 7.671 Euro bezahlen. Es war ein gerade erst renoviertes Luxus-Anwesen, in dem der Politiker heimlich gefilmt worden ist.

Die eingeschossige weiße Villa ist für bis zu zehn Gäste ausgelegt. Sie hat vier Schlafzimmer, ist mit Wurzelholz eingerichtet, offener Kamin, der Pool wird im Winter beheizt. Hinter dem Sofa, auf dem Heinz-Christian Strache angeregt geplaudert hatte, sind Nischen in der Wand zur angrenzenden offenen Küche. Hier muss die Kamera gestanden haben.

So ist es zu sehen auf Fotos auf einschlägiger Buchungsportale und Bildern auf Facebook. Alles gleicht der Kulisse im Video: Der gleiche Stuhl mit der markanten geschwungenen Rückenlehne vor dem identischen Regal, Stufen in einen angrenzenden Raum, die identischen Lampen, das identische Sofa. Auch ein Twitternutzer war am Samstagnachmittag darauf gestoßen.

In der Wand hinter dem Sofa sind regalartige Nischen. Aus dieser Richtung wurde das Gespräch von Heinz-Christian Strache mit der vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen gefilmt. (Quelle: Screenshot Facebook, Screenshot Twitter/@Kurzschluss14)In der Wand hinter dem Sofa sind regalartige Nischen. Aus dieser Richtung wurde das Gespräch von Heinz-Christian Strache mit der vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen gefilmt. (Quelle: Screenshot Facebook, Screenshot Twitter/@Kurzschluss14)

Strache muss einer der ersten Gäste in der Villa nach der Renovierung gewesen sein. Nach Bauarbeiten ist sie der Buchungsplattform booking.com zufolge seit dem 3. Juli 2017 zu mieten. Die erste Bewertung eines Gastes kommt von einem vorgeblichen Österreicher. Im August 2017 schreibt Jimmy zu den von ihm vergebenen 10 Punkten: "Der ganze Aufenthalt war zutiefst erholsam und schuf Erinnerungen, die man sich merken sollte. Vielen Dank."

Vermieter will mehr wissen

Der namenlose ungeteerte Weg, der zum Haus führt, endet an einem Tor: Dahinter ist die langgezogene Zufahrt zu einer weiteren Villa. Hier kommt kaum mal ein Auto vorbei. Als das Google-Street-View-Fahrzeug 2012 seine Aufnahmen von der “Villa Can Mass” machte, schaute vom Grundstück aus ein Mann nach dem Rechten – im Adamskostüm, wie die Aufnahme erahnen lässt. Dort hat Heinz-Christian Strache im übertragenen Sinn die Hüllen fallen lassen.

Erinnert sich der Vermieter auch daran, wer das luxuriöse Anwesen über den 24. Juli 2017 gemietet hat? t-online.de hat über Facebook den Mann erreicht, der als Vermieter auftritt, und mit ihm geschrieben. Er hat die Aufregung längst mitbekommen. Was er wisse, könnte helfen, "großes Aufsehen zu erregen", schreibt er auf Italienisch. Doch sagen will er zunächst nichts.

Man könne sich ja in der Villa einmieten und sich dann unterhalten, schreibt er. Mit Reinigungs- und Servicegebühr würde das aktuell 1.660 Euro kosten für eine Nacht. Wer Ende Juli 2019 die Zeit dort verbringen will, muss mindestens sechs Nächte buchen. Kostenpunkt: 7.671 Euro.
 

 
So viel haben laut Spiegel die Mieter nicht zahlen müssen, als sie den FPÖ-Politiker in die Falle gelockt haben. Es gibt demnach eine Rechnung über 2.936 Euro für einen Aufenthalt vom 22. bis 25 Juli 2017. Eine Investition, die sich aus Sicht von Strache-Gegnern gelohnt haben dürfte.

Verwendete Quellen:

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