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Coronavirus in den USA: Anthony Fauci stiehlt Donald Trump die Show


Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Von Fabian Reinbold

Aktualisiert am 26.03.2020Lesedauer: 4 Min.
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Donald Trump, Anthony Fauci: In der Corona-Krise heißt es oft Präsident gegen Experten.
Donald Trump, Anthony Fauci: In der Corona-Krise heißt es oft Präsident gegen Experten. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters-bilder)
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Donald Trump verharmlost die Coronavirus-Krise noch immer. Ein Mann, der täglich mit ihm auf der Bühne steht, versucht den Präsidenten zu korrigieren – das bleibt nicht ohne Folgen.

Während die USA drohen, zum globalen Epizentrum der Corona-Krise zu werden, will Donald Trump Wirtschaft und öffentliches Leben so rasch wie möglich wieder hochfahren. "Wir beginnen, jetzt das Licht am Ende des Tunnels zu sehen", behauptete der US-Präsident Trump am Dienstag.

Er will schon zum Osterwochenende Teile des Landes "wieder öffnen", sagte Trump auf dem Podium im kleinen Presseraum des Weißen Hauses. Er nannte den 12. April als Stichtag.

Hinter ihm stand dabei ein kleiner Mann, der einige Minuten später das Wort ergriff und dabei – wie immer vorsichtig, aber bestimmt – ein völlig anderes Bild der Lage malte: Zeitpläne, wie sie von Trump geäußert wurden, müsse man "sehr flexibel" sehen, sagte Anthony Fauci. Er gab zu bedenken, dass sehr viel mehr Tests durchgeführt werden müssten, um für scheinbar weniger betroffene Landesteile wirklich eine Art Entwarnung zu geben.

Schließlich sagte er: Wo die Infektionen rasch ansteigen, verbiete es der gesunde Menschenverstand, das Leben wieder hochzufahren. So weit, so deutlich.

Der Mediziner Anthony Fauci bemühte sich wieder einmal, Aussagen des Präsidenten zur Coronakrise zu korrigieren. Das ist mittlerweile ein Muster, das sich tagtäglich vor den Augen der amerikanischen Nation abspielt: Bei den Auftritten im Weißen Haus heißt es oft: Trump gegen seine Experten.

Versprechungen, die Fachleute einfangen müssen

Der US-Präsident sorgt sich vor allem um die wirtschaftlichen Verwerfungen und steht mit seinen Aussagen oft im kaum aufzulösenden Widerspruch zu dem, was seine eigenen Gesundheitsfachleute sagen. Während die Zahlen der Infizierten und Toten in den USA steil ansteigen – und insbesondere die Lage in New York dramatisch ist – passiert dies: Trump beschwichtigt und macht Versprechungen, die seine Fachleute wieder einzufangen versuchen.

Während andere Teilnehmer die gemeinsamen täglichen Auftritte von Trumps Corona-Taskforce auch nutzen, um den Präsidenten ausgiebig zu loben, fällt die Rolle des Richtigstellers immer wieder Anthony Fauci zu. Der 79-jährige Infektionsexperte wurde in den vergangenen Wochen vielen Amerikanern zur vertrauten Stimme in diesen unsicheren Zeiten.

Er tritt nicht nur beinahe täglich im Weißen Haus auf, sondern auch unablässig in den Medien von CNN bis Fox News. Er besitzt überparteiliche Glaubwürdigkeit.

Sechs Präsidenten beraten – aber keinen wie Trump

Fauci hat sein Amt als Leiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases bereits seit 35 Jahren inne. In den Achtzigerjahren trieb der Immunologe den damaligen Präsidenten Ronald Reagan dazu an, die Forschung gegen die Aids-Epidemie auszuweiten. Seitdem hat er alle folgenden Präsidenten beraten und den Kampf gegen Epidemien wie Schweinegrippe und Ebola geführt. Doch eine Konstellation wie den Umgang mit Trump in der Corona-Krise dürfte er noch nicht erlebt haben.

Er stand neben Trump, als dieser Ende Februar behauptete, bald würde es keine Corona-Fälle mehr in den USA geben (aktuell sind mehr als 60.000 Fälle nachgewiesen). Er stand neben Trump, als dieser die Grippe als gefährlicher als Covid-19 bezeichnete. Er stand neben Trump, als dieser in der vergangenen Woche die Wirkung eines Malaria-Medikaments auf der Basis von Chloroquin pries und behauptete, es sei schon für die Behandlung von Covid-19-Kranken zugelassen.

Interessieren Sie sich für US-Politik? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Fauci ergreift dann im Nachhinein das Wort und gibt eine andere Einschätzung der Lage ab oder nennt einfach nur die Fakten – zum Medikament gibt es zur Covid-19-Behandlung weder Studien noch eine offizielle Freigabe.

Einmal verriet Faucis Blick das Entsetzen

Fauci geht dabei meist behutsam vor, ohne den Präsidenten, der bekanntlich keinen Widerspruch duldet, vor den Kopf zu stoßen. Doch zuletzt rückte Fauci mit seinem Verhalten stärker ins Rampenlicht. Als Trump vergangenen Freitag von einer Verschwörung gegen sich fabulierte, verrieten Faucis Gestik und Mimik sein Entsetzen – ein Moment, der durch die sozialen Netzwerke rauschte.

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Zugleich wagte sich Fauci auch in mehreren Interviews weiter hervor. Dabei zeigt der Mediziner einen gewieften Umgang mit den Medien. Während er in konservativen Medien wie Fox News den Präsidenten allgemein lobt, hat er woanders zuletzt deutlichere Kritik geäußert.

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"Okay, er hat es gesagt"

Dem Wissenschaftsmagazin "Science" sagte er über Falschinformationen Trumps auf dem Podium: "Ich kann nicht vors Mikrofon springen und ihn herunter schubsen." Faucis Motto sei dieses: "Okay, er hat es gesagt. Lass uns jetzt versuchen, es für das kommende Mal zu korrigieren."

Der "New York Times"-Kolumnistin Maureen Dowd, die er seit den Achtzigerjahren kennt, vertraute er an, er wolle den Präsidenten "nicht in Verlegenheit bringen". "Anstatt zu sagen, Sie irren sich, ist alles was man tun kann: Fortlaufend über das zu sprechen, was die Daten zeigen und was die Belege sind."

Für jene, die Trumps Behauptungen über die Coronakrise mit Entsetzen verfolgen, wurde Fauci damit gar zu einer Art Held. Es entstand ein regelrechter Hype über den "Hüter der Wahrheit". Schon machten Berichte die Runde, dass Trump den Experten wegen seiner kritischen Äußerungen verbannt habe. Doch nach einer Abwesenheit von drei Tagen auf der Bühne des Briefings stand Fauci am Dienstagabend wieder hinter Trump.

Der Präsident kürzte die gesamte Pressekonferenz ab. Doch seine Redezeit von rund zwei Minuten genügte Anthony Fauci, um der Nation klarzumachen, was er von Trumps gewünschter Öffnung des Landes zum 12. April hält: nicht viel.

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Verwendete Quellen
  • eigene Recherchen
  • New York Times: Thank God the Doctor Is In
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  • Rahel Zahlmann
Von Rahel Zahlmann, Iliza Farukshina
Von Wladimir Kaminer
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