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Coronavirus – China: Ausbruch auf dem Xinfadi-Markt – droht jetzt eine zweite Welle?

Corona-Ausbruch in Peking  

Wieder wird ein Großmarkt zur Virus-Drehscheibe

15.06.2020, 13:36 Uhr
 (Quelle: dpa/Mark Schiefelbein/AP/dpa)
Corona-Krise: Peking riegelt mehr Wohngebiete ab

In China sind weitere Wohnviertel unter Quarantäne gestellt worden. In Paris sind Restaurants jetzt wieder geöffnet. Und in Barcelona waren erstmals seit den Lockerungen zu viele Menschen am Strand. (Quelle: Euronews German)

Peking riegelt weiter ab: So steht es weltweit um die Corona-Maßnahmen zum Wochenstart. (Quelle: Euronews German)


In China hat die Corona-Pandemie begonnen. Der Xinfadi-Großmarkt in Peking könnte nun zum neuen chinesischen Hotspot werden. Die Behörden reagieren drastisch und schnell. Trotzdem wächst die Angst.

Auf mehreren Großmärkten in der chinesischen Hauptstadt sind in den vergangenen Tagen neue Corona-Infektionen festgestellt worden. Die chinesischen Behörden sind in höchster Alarmbereitschaft. Ganze Stadtviertel wurden abgeriegelt, Schulen geschlossen, das Militär und die Polizei sind verstärkt im Einsatz und kontrollieren die Anwohner. Tausende Menschen dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen. Was wissen wir über den neuesten Ausbruch? Wie stehen die Chancen, dass China ihn vor Ort unter Kontrolle bekommt? Antworten auf die wichtigsten Fragen. 

Was wissen wir von der aktuellen Situation in Peking in dem abgesperrten Stadtteil?

In Peking leben knapp 21 Millionen Menschen. Vor allem zwei Stadtbezirke sind aktuell von dem erneuten Corona-Ausbruch betroffen: der südwestliche Stadtteil Fengtai, in dem der Xinfadi-Großmarkt für Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch liegt. Dort war am Donnerstag der erste neue Corona-Fall bekannt geworden. Inzwischen gibt es aber auch Fälle auf dem Großmarkt Yuquandong im nordwestlichen Stadtteil Haidian. Auch dort dürfen Menschen aus zehn Gebäudekomplexen mittlerweile nicht mehr ihre Wohnungen verlassen. Schulen in der näheren Umgebung wurden geschlossen. Auf dem Honglian-Markt im Stadtteil Xicheng wurde am Montag ein weiterer Fall bekannt. Der Markt wurde sofort geschlossen.

Offizielle in Peking sprechen von einem "Kriegszustand", dessen Maßnahmen an den Beginn der Pandemie im Dezember erinnerten. Dazu gehören Massentests, Ausgangssperren, Reisebeschränkungen und die massenhafte Mobilisierung von Nachbarschaftstrupps, die bei Anwohnern Fieber messen und die Einhaltung einer verhängten Quarantäne überwachen. 

Rund um den geschlossenen Xinfadi-Markt herrscht eine gespenstische Ruhe. Paramilitärische Einheiten und Polizisten bewachen den Markt, viele von ihnen tragen Masken und Handschuhe. Bislang wurden mehr als 76.000 Menschen mit einer Verbindung zum Xinfadi-Markt getestet, darunter auch 13.000 von insgesamt 29.000, die den Großmarkt bekanntermaßen zuletzt besucht hatten. 

Allein am Montag registrierten die Behörden landesweit 49 Neuinfektionen, 36 davon nur in Peking. Alle stehen in Verbindung mit dem Xinfadi-Markt. Bis zur Entdeckung des Falls am Donnerstag waren 56 Tage lang in ganz Peking keine neuen Infektionen aufgetreten. Der erneute Ausbruch hat auch personelle Konsequenzen: Der Leiter des Großmarkts sowie zwei örtliche Beamte mussten ihren Posten niederlegen. Chinas Führung kommt es jetzt darauf an, Stärke im Kampf gegen das Virus zu zeigen.

Was genau ist auf dem Großmarkt passiert?

Der erste Fall geht zurück auf ein Schneidebrett auf dem Xinfadi-Markt, auf dem Händler importierten Lachs geschnitten hatten. Dort hatten Prüfer das Coronavirus zuerst nachgewiesen. Mehrere Supermarktketten und Restaurants nahmen Lachs daraufhin aus ihrem Sortiment. Eine Theorie ist, dass das Virus durch importierten Fisch oder Fleisch nach Xinfadi gelangt sein könnte. Einen Beleg dafür gibt es aber noch nicht.

Manche Experten widersprechen bereits: "Ein Virus braucht den Virusempfänger an der Oberfläche der Wirtszelle", sagt Cheng Gong der kommunistischen "Global Times". Ohne den Virusempfänger könne das Virus nicht in die Zelle eindringen. Cheng ist Virologe an der Tsinghua University. Nach allem, was man bislang wisse, verfügten aber nur Säugetiere über diese Virusempfänger, Fische dagegen nicht.

Ein anderer Forscher wies darauf hin, dass der Fisch durchaus beim Verpacken mit dem Virus in Berührung gekommen sein könnte. Ersten Erkenntnissen zufolge könnten sich die ersten Patienten durch den engen Kontakt mit einer infizierten Person angesteckt haben oder indem sie sich in Teilen des Marktes aufgehalten haben, in denen das Virus bereits grassierte.

Die "Global Times" berichtete, es gebe Hinweise darauf, dass der Erreger diesmal aus Europa stamme. Dies zeige die Genomsequenz des Virus in den bislang getesteten Personen. Wie genau das Virus nach China gekommen sei, sei aber noch unklar. 

Wie sieht der Großmarkt genau aus?

Der Kern des Xinfadi-Marktes ist eine riesige Halle, die teilweise an den Seiten offen ist. Es gibt mehrere Zugänge zu dem Areal. Es umfasst rund 1,15 Quadratkilometer, das entspricht einer Fläche von etwa 160 Fußballfeldern. Xinfadi ist nach Umsatz der größte Fleisch- und Gemüsemarkt in ganz Asien, heißt es auf der Website des Marktes. Jeden Tag besuchen Tausende Menschen aus dem ganzen Land den Markt. 

Dass er jetzt dichtgemacht wurde, dürfte die Versorgung der Stadt und des Pekinger Umlands beeinträchtigen: 80 Prozent des frischen Obstes, Gemüses, Fleisches und Fisches in der Stadt stammen von diesem Großmarkt. Jeden Tag werden hier 18.000 Tonnen Gemüse und 20.000 Tonnen Obst verkauft. Die Stadtverwaltung versucht, Versorgungsengpässe zu vermeiden, indem sie Verkaufsstände unter freiem Himmel öffnen lässt. Fünf provisorische Supermärkte wurden errichtet. 

Was machen die Chinesen jetzt, um die Situation unter Kontrolle zu bringen?

Die Behörden sperrten am Wochenende auch fünf weitere Märkte in Peking ab. Mehrere Schulen und elf Wohnkomplexe nahe dem Xinfadi-Markt wurden abgeriegelt. In vier der 16 Stadtbezirke wurde das Pandemierisiko von "niedrig" auf "mittelhoch" heraufgestuft. Am Freitag untersagten die Behörden in Peking den Schulbesuch für mehr als eine halbe Million Grundschüler, die eigentlich ab Montag wieder in die Schule gehen sollten. Auch Sportveranstaltungen wurden abgesagt, Reisegruppen von außerhalb dürfen die Stadt nicht betreten.

Manche Städte fordern ihre Bewohner auf, nur nach Peking zu reisen, wenn es unbedingt erforderlich ist. Wer in den vergangenen zwei Wochen auf dem Xinfadi-Markt gewesen ist, soll sich in manchen Städten bei den Gesundheitsbehörden melden. Pekings Stadtverwaltung ordnete umfassende Kontrollen für Frisch- und Tiefkühlfleisch und -fisch an, sowohl in Supermärkten als auch in Lagern und bei Cateringdiensten. Die Stadtverwaltung gibt an, jeden Tag könnten die 100 Labore und andere Testcenter bis zu 90.000 Menschen auf das Coronavirus testen. 

Ist das, was dort gerade passiert, die zweite Welle für China?

Schwierig ist die Situation vor allem deshalb, weil Xinfadi ein riesiges Drehkreuz für chinesische Händler aus dem ganzen Land ist. Tatsächlich könnten sich also zahlreiche Menschen auf dem Markt in Peking infiziert und das Virus bereits vor der Entdeckung des ersten Falls am Donnerstag in ihre Heimatregionen getragen haben. Von dort aus könnte es sich erneut ausbreiten. Insgesamt sind in China wieder 177 Menschen an Covid-19 erkrankt – so viele wie seit Anfang Mai nicht mehr. Noch läuft die Inkubationszeit für diejenigen, die sich möglicherweise auf dem Markt von Xinfadi angesteckt haben. In den kommenden zwei Wochen dürfte sich an den Infektionszahlen zeigen, ob eine zweite Welle in China beginnt. 

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