Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > Terrorismus >

Paris: Innenminister: Angriff ist "eindeutig islamistischer Terrorakt"

Messerattacke in Paris  

Innenminister: Angriff ist "eindeutig islamistischer Terrorakt"

25.09.2020, 20:37 Uhr | AFP, dpa, ds, rtr

Vier Verletzte nach Messerattacke in Paris

Bei einer Messerattacke in der Nähe der früheren Redaktion der Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo in Paris sind am Freitag vier Menschen verletzt worden. (Quelle: Reuters)

Messerattacke mitten am Tag: Nahe der früheren Redaktion von Charlie Hebdo wurden am FReitag mehrere Personen verletzt. (Quelle: Reuters)


Zwei Menschen sind bei einer Messer-Attacke in Paris verletzt worden, die mutmaßlichen Täter festgenommen. Frankreich kämpft gegen den Terror, nur wenige Meter von dem ehemaligen Sitz des Satiremagazins "Charlie Hebdo".

Sirenen, abgesperrte Straßen, laute Rufe von Polizisten: In Paris geht nach monatelanger Pause wieder die Angst vor dem Terror um. Vor dem Gebäude, in dem das Satiremagazin "Charlie Hebdo" einst seine Redaktionsräume hatte, sind am Freitag zwei Journalisten bei einer Messerattacke verletzt worden.

Die Anti-Terror-Fahnder haben die Ermittlungen übernommen. Die Polizei nahm zwei Verdächtige fest. Der Innenminister Frankreichs Gérald Darmanin erklärte nun, es handele sich bei dem Angriff "eindeutig um einen islamistischen Terrorakt".

Journalisten verletzt, aber außer Lebensgefahr

Der Vorfall ereignete sich gegen 12 Uhr mittags in der Rue Nicolas Appert. Eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter der Produktionsfirma "Premières Lignes", die unter anderem für den Sender France 2 arbeitet, sind bei dem Angriff verletzt worden. Sie sollen gerade eine Raucherpause gemacht haben. Die Opfer sind nach Angaben von Premierminister Jean Castex nicht in Lebensgefahr. Die Redaktion von "Charlie Hebdo" ist mittlerweile umgezogen – in den damaligen Redaktionsräumen wurden im Januar 2015 elf Menschen brutal ermordet.

Zwei Verdächtige konnten kurze Zeit später in der Nähe des Tatorts festgenommen werden. Einer von ihnen soll laut Staatsanwaltschaft der Haupttäter sein. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um einen 18-Jährigen, der in Pakistan geboren wurde. Bei dem zweiten Verdächtigen soll es sich um einen 33-Jährigen handeln. Von der Staatsanwaltschaft gab es dazu keine Angaben. Der Sender Franceinfo berichtete von einer Razzia im Großraum Paris, im Département Val-d'Oise. Dort soll der Hauptverdächtige gewohnt haben.

Bislang 250 Todesopfer bei terroristischen Anschlägen

Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert – dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Doch zur Zeit kämpft das Land gegen einen anderen Dämon: Das Coronavirus. Jeden Tag gibt es Tausende Neuinfektionen, die Lage verschlechtert sich zusehends. Auch wenn das die Angst vor dem Terror etwas in den Hintergrund hat rücken lassen – rund sieben Kilometer vom Tatort entfernt erinnert beinahe täglich etwas an die Gefahr.

Französische Polizisten sperren den Bereich des Messerangriffs in Paris ab. Die Bevölkerung soll die Gegend meiden.  (Quelle: dpa/Alain Jocard)Französische Polizisten sperren den Bereich des Messerangriffs in Paris ab. Die Bevölkerung soll die Gegend meiden. (Quelle: Alain Jocard/dpa)

Dort läuft seit Anfang des Monats im Justizpalast der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden. Nur unter hohen Sicherheitsbedingen kann man den Glaspalast überhaupt betreten. Als der Prozess begann, veröffentlichte "Charlie Hebdo" erneut Mohammed-Karikaturen  – und die Redaktion wurde wieder bedroht. In einem offenen Brief stellten sich rund hundert französische Medien hinter das Satiremagazin – und forderten die Menschen im Land auf, sich für Meinungsfreiheit stark zu machen.

Premierminister im Kampf gegen Terrorismus fest entschlossen 

Premierminister Castex eilte am Freitagnachmittag zum Tatort im elften Pariser Arrondissement. Er sprach von einem "symbolischen Ort". "Ich möchte meine Solidarität mit den Familien der Opfer und allen Kollegen dieser beiden Journalisten zum Ausdruck bringen", sagte er. Er bekräftigte seine "feste Entschlossenheit", den Terrorismus mit allen Mitteln zu bekämpfen. Auch die Redaktion von "Charlie Hebdo" reagierte: "Das gesamte Team von Charlie unterstützt seine ehemaligen Nachbarn und Kollegen und ist solidarisch mit ihnen."

Tausende Schülerinnen und Schüler mussten nach dem Angriff an diesem verregneten grauen Freitag über Stunden als Vorsichtsmaßnahme in den Schulen ausharren. Eltern konnte ihre Kleinsten nicht aus der Krippe abholen. Wieder einmal war in Paris ein ganzes Viertel Sperrgebiet – schwer bewaffnete Sicherheitskräfte riegelten das gesamte Gebiet im Pariser Osten rund um den Tatort ab, in den Straßen standen zahlreiche Einsatzfahrzeuge. "Merde, merde", fluchte eine alte Dame, die nicht nach Hause kam.

Das Titelblatt einer "Charlie Hebdo"-Ausgabe: Ob der Angriff etwas mit der Redaktion zu tun hat, ist bislang unklar.  (Quelle: imago images/Riccardo Milani)Das Titelblatt einer "Charlie Hebdo"-Ausgabe: Ob der Angriff etwas mit der Redaktion zu tun hat, ist bislang unklar. (Quelle: Riccardo Milani/imago images)

Frankreich auch in Westafrika gegen Terrormiliz im Einsatz

Die Behörden schätzen die Terrorgefahr im Land weiterhin als sehr hoch ein. Dem Kampf gegen den Terrorismus hat Präsident Emmanuel Macron immer höchste Priorität eingeräumt. Im April hatte ein Mann zwei Menschen in Romans-sur-Isère nahe Valence getötet. Im August fielen sechs Franzosen im Niger einem tödlichen Anschlag zum Opfer – die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte die Verantwortung für die Tat übernommen.

Und Frankreich kämpft nicht nur im eigenen Land gegen den Terror: Als ehemalige Kolonialmacht ist Frankreich in Westafrika massiv im Einsatz gegen Islamistenmilizen. Der Anti-Terror-Einsatz "Barkhane" war erst im Februar auf rund 5.100 Soldaten aufgestockt worden.

EU-Ratschef Charles Michel betonte, dass der Terror auf europäischem Boden keinen Platz habe. "Alle meine Gedanken sind bei den Opfern dieser feigen Gewalttat", schrieb der Belgier auf Twitter. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte bezeichnete die Tat in dem sozialen Netzwerk ebenfalls als "feigen Angriff". Italien stehe an der Seite derer, die alle Formen der Gewalt bekämpften.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal