Sie sind hier: Home > Politik > Ausland >

Großbritannien – Mord an Sarah Everard: Boris Johnson mächtig unter Druck

Polizei in der Kritik  

Frauenmord setzt Johnson-Regierung unter Druck

16.03.2021, 13:08 Uhr | dpa, mk

Londoner Frauen kritisieren Polizei: "Wer schützt uns vor euch?"

Erneut kam zu Demonstrationen, um gegen Gewalt gegen Frauen zu protestieren. In der Kritik steht auch ein Gesetzentwurf, mit dem Versammlungen stärker reguliert werden könnten. (Quelle: Reuters)

Nach Mord durch mutmaßlichen Polizisten: Während Protesten in London, um gegen Gewalt an Frauen zu protestieren, gab es einige Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern und Polizei. (Quelle: Reuters)


Eine Frau wird auf dem Nachhauseweg entführt und getötet, der mutmaßliche Täter ist Polizist. Eine Mahnwache für das Opfer lösen seine Kollegen rüde auf. Großbritannien ist in Aufruhr.

Für den britischen Premierminister Boris Johnson wird der Fall der getöteten Sarah Everard zu einer Gratwanderung. Nach der teils gewaltsamen Auflösung einer Mahnwache mehrerer Hundert Frauen und angesichts eindrucksvoller Protestbilder vor dem Parlament hat der Regierungschef Verständnis für die Wut der Demonstrantinnen gezeigt. Zugleich darf Johnson aber, aus Rücksicht auf seine konservativen Parteifreunde, die von der Corona-Pandemie ohnehin schwer belastete Polizei nicht bloßstellen.

Der Mord an Sarah Everard wühlt Großbritannien auf

Der Fall hält das Land seit Tagen in Atem: Sarah Everard war am Abend des 3. März in Südlondon spurlos verschwunden, als sie von einer Freundin nach Hause ging. Vermutet wird, dass ein Polizist sie auf dem Rückweg seiner Schicht von der Straße entführte und tötete. Mittlerweile wurde ihre Leiche in einem Waldstück in der südostenglischen Grafschaft Kent gefunden, der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

Seitdem tobt eine Debatte über Gewalt gegen Frauen. In sozialen Netzwerken haben unzählige User über ihre Ängste auf dem abendlichen Nachhauseweg berichtet. Am Samstag legten Tausende – auch Herzogin Kate – Blumen im Südlondoner Park Clapham Common nieder, wo die 33-Jährige zuletzt gesehen worden war.

Rüder Polizeieinsatz gegen Frauen löst Entsetzen aus

Doch am Abend eskalierte die Situation: Weil Abstandsregeln missachtet wurden, schritt die Polizei teils rüde ein, Bilder von zu Boden gedrückten Frauen in Handschellen machten die Runde. "Wie jeder, der sie gesehen hat, war ich von den Bildern vom Clapham Common tief betroffen", sagte Premier Johnson.

Für die Polizei sind es fatale Aufnahmen, zumal der mutmaßliche Mörder ein Kollege ist: Frauen, die für Schutz vor Männern demonstrieren, werden von männlichen Polizisten weggezerrt und zu Boden gestoßen. Die Entrüstung über den harten Einsatz ist groß. Zu verantworten hat das Vorgehen die Londoner Polizeichefin Cressida Dick. Doch von der Regierung erhält sie Rückendeckung. Die Polizeichefin habe einer Prüfung des Einsatzes zugesagt, sagte Johnson. Auch das Innenministerium hat eine Überprüfung angeordnet.

Polizeichefin Dick hat inzwischen neuen Ärger – wieder wegen Fehlverhaltens eines Beamten. So soll ein junger Streifenpolizist, der auch am Fundort der Leiche von Sarah Everard im Einsatz war, abstoßende Bilder über Whatsapp an Kollegen versendet haben. Das berichtet die "Daily Mail". Die Bildmontagen sollen demnach die Entführung einer Frau durch einen Polizisten gezeigt haben. Die Londoner Polizei versichert aber, der Beamte habe keine Fotos von Sarah Everard oder vom Einsatzort verschickt. Er wurde vom Dienst suspendiert.

Mehr Geld für Überwachungskameras

Die britische Regierung gab am Dienstag bekannt, nun mehr Geld in Überwachungskameras und bessere Straßenbeleuchtung zu stecken, um die Sicherheit von Frauen und Mädchen in der Öffentlichkeit zu erhöhen. "Wir müssen alles tun, damit unsere Straßen sicher sind", sagte der britische Premier Boris Johnson und kündigte eine Aufstockung der Ausgaben für bessere Beleuchtung und Überwachungskameras auf 45 Millionen Pfund (gut 52 Millionen Euro) an - das entspricht Berichten zufolge etwas mehr als einer Verdopplung. Zudem will Großbritannien in Zukunft Zivilpolizisten in Bars und Nachtclubs einsetzen. 

Doch Beobachter warnen weiter, das wahre Problem drohe vergessen zu werden. "Es muss sich wieder um die Frauen drehen", sagte Vera Baird, Opferschutzbeauftragte für England und Wales, der BBC. Der Tod von Sarah Everard sei nur die Spitze des Eisbergs. Frauen betrachteten Straßen als gesetzlose Orte. Viele Betroffene hätten den Eindruck, dass ihnen nicht geholfen werde.

"Es ist unbedingt notwendig, dass die Regierung dringend und nachhaltig Maßnahmen ergreift, um das Vertrauen in die Polizei und die Strafjustiz wiederherzustellen – und in die Hälfte der Bevölkerung", sagte Baird.

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal