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Russische Soldaten sollen Geiseln aus Tschernobyl verschleppt haben

Von t-online, afp, mk

01.04.2022Lesedauer: 2 Min.
Russische Soldaten vor der Atomruine in Tschernobyl: Dutzende sollen verstrahlt worden sein, die IAEA schickt Fachleute. (Archivfoto)
Russische Soldaten vor der Atomruine in Tschernobyl: Dutzende sollen verstrahlt worden sein, die IAEA schickt Fachleute. (Archivfoto) (Quelle: Komsomolskaya Pravda/imago-images-bilder)
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Mehr als einen Monat lang hielten russische Soldaten die Atomruine von Tschernobyl besetzt, jetzt hinterlassen sie offenbar Chaos. Internationale Ermittler sollen bald bei der Anlage eintreffen.

Beim Verlassen der Atomruine von Tschernobyl sollen russische Soldaten ukrainische Geiseln mitgenommen haben. "Es sind keine Außenstehenden mehr auf dem Gebiet des Atomkraftwerks Tschernobyl", schrieb die ukrainische Atombehörde Energoatom auf Telegram. "Als sie wegrannten, nahmen die russischen Besatzer Mitglieder der Nationalgarde mit, die sie seit dem 24. Februar als Geiseln gefangen gehalten hatten", hieß es unter Berufung auf Arbeiter in der Anlage. Um wie viele ukrainische Soldaten es sich handelte, war unklar.


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Außerdem hätten die Soldaten Computer, Wasserkocher, Kaffeemaschinen und andere Küchenutensilien aus der Atomruine gestohlen. Ukrainische Spezialisten würden das Gelände nun nach möglichen Sprengkörpern absuchen. Es gebe zudem Hinweise, dass auch russische Soldaten, die die benachbarte Kleinstadt Slawutytsch besetzen, Richtung Belarus abzögen. Slawutytsch ist der Wohnort des Personals der Atomruine Tschernobyl. Laut Energoatom bewegten sich die russischen Soldaten "in zwei Zügen auf die ukrainische Grenze mit Belarus" zu.

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Verstrahlter Konvoi soll Belarus erreicht haben

Das deckt sich mit einem Bericht des Recherchenetzwerks MotolkoHelp, das die Bewegungen russischer Truppen in Belarus dokumentiert. "Ein großer Konvoi mit verstrahlter russischer Ausrüstung aus dem Sperrgebiet von Tschernobyl und Slawutytsch hat Belarus erreicht", schrieb MotolkoHelp am Donnerstagabend auf Twitter. "Bewohner von Brest, Homel, Minsk und der Region Mahiljou könnten erhöhter Strahlung ausgesetzt sein."

Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach Dutzende verstrahlter russischer Soldaten in eine Strahlenklinik im belarussischen Homel gebracht wurden. Die Soldaten sollen mit Panzerfahrzeugen durch den schwer verseuchten Roten Wald westlich der Atomruine gefahren sein und dort auch Gräben ausgehoben haben. Nach Angaben ukrainischer Mitarbeiter der Anlage hätten die russischen Soldaten nicht gewusst, dass sie sich auf kontaminiertem Boden befanden. Radioaktive Strahlung richtet im menschlichen Körper schwere Schäden an.

Atomenergiebehörde IAEA schickt Fachleute nach Tschernobyl

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA schrieb am Donnerstag, dass sie die Berichte über verstrahlte russische Soldaten bislang nicht bestätigen konnte. In den kommenden Tagen sollen Fachleute der Behörde in der Ukraine eintreffen und die Vorfälle untersuchen.

Russische Truppen hatten am ersten Tag des Krieges am 24. Februar die Kontrolle über die Atomruine übernommen. Seither war die Stromversorgung der Anlage mehrfach unterbrochen. In Tschernobyl hatte sich 1986 das schlimmste Atomunglück der Geschichte ereignet. Hunderte Menschen starben, die Radioaktivität breitete sich über weite Teile Europas aus. Das Kraftwerk wurde stillgelegt, ein riesiger Schutzmantel soll den Austritt von Radioaktivität verhindern.

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Von Patrick Diekmann
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