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Polens Präsident fordert von Deutschland mehr Engagement


Aussöhnung nach NS-Verbrechen
Polens Präsident fordert von Deutschland mehr Engagement

Von afp, dpa
17.06.2021Lesedauer: 2 Min.
Frank-Walter Steinmeier (l.) mit Polens Präsident Andrzej Duda in Warschau: "Die Geschichte wiegt schwer in den deutsch-polnischen Beziehungen".Vergrößern des BildesFrank-Walter Steinmeier (l.) mit Polens Präsident Andrzej Duda in Warschau: "Die Geschichte wiegt schwer in den deutsch-polnischen Beziehungen". (Quelle: Czarek Sokolowski/ap-bilder)
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Der Zweite Weltkrieg prägt das polnisch-deutsche Verhältnis bis heute. Polens Präsident würdigt zwar, dass ihm Bundespräsident Steinmeier entgegenkommt. Duda fordert aber auch konkrete Taten.

Dreißig Jahre nach Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags mit Deutschland hat Polens Präsident Andrzej Duda größere deutsche Anstrengungen zur Aussöhnung und zur Überwindung der schwierigen Vergangenheit gefordert. Bei einer Diskussionsveranstaltung mit deutschen und polnischen Jugendlichen dankte Duda dem deutschen Staatsoberhaupt Frank-Walter Steinmeier dafür, dass dieser bei einem früheren Polen-Besuch für die deutschen Verbrechen in Polen um Vergebung gebeten habe. "Solche Worte bauen Freundschaft und Versöhnung auf", sagte Duda – und fügte hinzu: "Aber wir brauchen auch konkrete Taten."

Konkret forderte Duda den Beginn eines Dialogs über die Rückgabe von Kulturgütern, die während der deutschen Besatzung geraubt worden seien. Duda bezifferte deren Zahl auf eine Million. Zudem wies er darauf hin, dass während der deutschen Besatzung 70 Prozent des Architekturbestands in Polen zerstört worden sei.

Frist für Fertigstellung

Auch den Bau des geplanten Gedenkorts für polnische NS-Opfer forderte Polens Präsident bis spätestens 2024 ein. "Ich möchte gerne, dass wir gemeinsam so ein Denkmal nicht später als 2024 enthüllen, zum 85. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs", sagte Duda.

Ende Oktober hatte sich der Bundestag dafür ausgesprochen, dass es neben dem geplanten Dokumentationszentrum zur Erinnerung an die NS-Besatzungspolitik in Europa einen eigenen Gedenkort für polnische Opfer gibt. Über den Standort gibt es noch Diskussionen. Der deutsche Überfall auf Polen 1939 war der Beginn des Zweiten Weltkriegs mit mindestens 55 Millionen Toten – andere Schätzungen kommen auf bis zu 80 Millionen. Genaue Zahlen gibt es nicht. Allein in Polen kamen nach Schätzungen bis zu sechs Millionen Menschen ums Leben.

Duda erwartet weitere Taten

"Es ist wichtig, dass wir diese Dinge in Ordnung bringen", sagte Duda. "Wir warten auf weitere Taten, so dass wir den Versöhnungsprozess abschließen können." Im deutsch-polnischen Verhältnis dürfe es "keinen Raum für weiße Flecken, Tabuthemen und Verlogenheit geben".

Polens Präsident wiederholte bei dieser Gelegenheit nicht die Forderung nach Zahlung von Reparationen für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, wie sie von der nationalkonservativen Regierungspartei PiS erhoben wurden. Deren Vorsitzender Jaroslaw Kaczynski bezifferte das Volumen auf "mehrere hundert Milliarden Euro".

"Die Geschichte wiegt schwer"

Steinmeier ging in seiner Ansprache vor den deutschen und polnischen Jugendlichen nur kurz auf Dudas Kritik ein. "Die Geschichte wiegt schwer in den deutsch-polnischen Beziehungen", sagte er. Steinmeier warb um Vertrauen und würdigte die vertiefte Zusammenarbeit, die der vor 30 Jahren unterzeichnete Nachbarschaftsvertrag ermöglicht habe.

Der Vertrag sei "vor dem Hintergrund der schwierigen Geschichte unserer Länder ein Geschenk – ein Geschenk, das man aber auch pflegen muss", sagte er. Die Partnerschaft zwischen Deutschland und Polen sei seit Unterzeichnung der Vertrags "förmlich aufgeblüht".

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen AFP, dpa
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