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Srebrenica-Massaker: Vucic wird von Steinewerfern verjagt

20 Jahre nach dem Srebrenica-Massaker  

Demonstranten verjagen serbischen Regierungschef von Gedenkfeier

11.07.2015, 14:18 Uhr | AFP, dpa, t-online.de

Srebrenica-Massaker: Vucic wird von Steinewerfern verjagt. Ministerpräsident Aleksandar Vucic (unter dem Schirm) flieht von der Gedenkfeier zum Srebrenica-Massaker. (Quelle: dpa)

Ministerpräsident Aleksandar Vucic (unter dem Schirm) flieht von der Gedenkfeier zum Srebrenica-Massaker. (Quelle: dpa)

Aufgebrachte Demonstranten haben den serbischen Ministerpräsidenten von der Gedenkfeier zum Massaker von Srebrenica vertrieben. Aleksandar Vucic wurde ausgebuht, mit Flaschen und Schuhen beworfen und so massiv bedrängt, dass er den Gedenkort verlassen musste. Dabei hatte der Politiker zuvor versöhnliche Töne angeschlagen.

Heute vor 20 Jahren hatten bosnisch-serbische Streitkräfte die Stadt Srebrenica gestürmt und mehrere tausend Muslime getötet. Vucic - einst selbst Ultra-Nationalist - verurteilte das Massaker anlässlich der Gedenkfeiern. Er sprach von einem "monströsen Verbrechen".

Serbien sei "angewidert von allen, die sich daran beteiligten, und wird sie weiter vor Gericht bringen", schrieb Vucic in einem offenen Brief vor seiner Teilnahme an Veranstaltungen in der bosnischen Stadt. Den Begriff "Völkermord" verwendete der Ministerpräsident aber nicht.

Angebot an Bosnier: "Meine Hand ist ausgestreckt"

"Es gibt keine Worte, um die Trauer und das Bedauern für die Opfer auszudrücken, noch für die Wut gegenüber jenen, die dieses Verbrechen begangen haben", schrieb Vucic. Es sei seine "Pflicht, sich vor den Opfern zu verneigen".

Die serbische Regierung wünsche sich, mit den Bosniern gemeinsam zu leben und das Vertrauen wiederherzustellen. Dies sei eine Pflicht gegenüber den Opfern, und gegenüber den künftigen Generationen. 

"Meine Hand ist ausgestreckt", schrieb Vucic. Seine Geste konnte die Demonstranten auf der Gedenkfeier nicht versöhnen.

Sicherheitskräfte begleiten den fliehenden serbischen Ministerpräsidenten zum Auto. (Quelle: Reuters)Sicherheitskräfte begleiten den fliehenden serbischen Ministerpräsidenten zum Auto. (Quelle: Reuters)

Serbische Regierung: Begriff Völkermord bleibt tabu 

Vucic ist ein früherer serbischer Nationalist, der sich zum überzeugten Europäer wandelte. Schon häufiger kritisierte er das Massaker von Srebrenica scharf. Damals ermordeten bosnische Serben unter Oberbefehlshaber Ratko Mladic rund 8000 muslimische Männer und Jungen.

Die Tat gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Die internationale Justiz stufte es als Völkermord ein. In den vergangenen Jahren nahmen serbische Spitzenpolitiker wiederholt an Gedenkfeiern in Srebrenica teil - jedoch lehnt Belgrad die Bezeichnung "Genozid" in dem Zusammenhang weiter ab.

Der Vorsitzende des Kriegsverbrechertribunals, Theodor Meron, bezeichnete das Massaker als "ein Verbrechen gegen die gesamte Menschheit". Der Bürgermeister von Srebrenica, Camil Durakovic, beschrieb es mit den Worten: "Die meisten meiner damaligen Spielkameraden und damit meine Kindheit liegen heute begraben in der Gedenkstätte Srebrenica."

Opfer-Beisetzung nach 20 Jahren

50.000 Menschen werden zu den Gedenkfeiern zum 20. Jahrestag in Srebrenica erwartet, darunter zahlreiche Angehörige der Opfer. Bei der Zeremonie sollen 136 der Ermordeten feierlich beigesetzt werden. Bisher konnte man die Überreste von 6241 Opfern identifizieren und in der Gedenkstätte in Srebrenica beerdigen, 230 weitere liegen auf anderen Friedhöfen.

Neben Vucic werden zahlreiche weitere Politiker erwartet, unter ihnen auch Bill Clinton. Der frühere US-Präsident war einst am Dayton-Abkommen beteiligt, das im Dezember 1995 den Bosnien-Krieg beendete - das Land ist trotzdem bis heute gespalten.

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