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"Irma" traf vor allem die Ärmsten der Armen

ap, Jay Reeves

15.09.2017Lesedauer: 4 Min.
Der Hurrikan "Irma" traf mit seinen gewaltigen Zerstörungen vor allem die Armen.
Der Hurrikan "Irma" traf mit seinen gewaltigen Zerstörungen vor allem die Armen. (Quelle: Curtis Compton/Atlanta Journal-Constitution via AP/ap-bilder)
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Der Hurrikan "Irma" hat Florida hart getroffen. Am meisten leiden die Armen unter seinen Folgen. Wer vorher schon mittellos war, steht nun vor dem Nichts.

Larry und Elida Dimas konnten noch nie viel als ihr Eigentum bezeichnen. Nachdem Hurrikan "Irma" über Florida hinweggefegt ist, steht das Paar nun mit vollends leeren Händen da. Der Sturm schälte das Dach des alten Wohnwagens ab, in dem die Dimas mit ihren 18-jährigen Zwillingen in Immokalee leben, einer der ärmsten Gemeinden des US-Staates.

Ein weiterer Wohnwagen, den das Paar an Wanderarbeiter vermietet hatte, wurde gänzlich zerstört. Ein Beamter hat bereits Hilfe versprochen, doch Larry Dimas sträubt sich dagegen, sie anzunehmen. "Ich will die Hilfe nicht", sagt der 55-Jährige. "Aber ich brauche sie."

Er gehört zu mehreren Millionen Menschen in Florida, die in Armut leben. Viele von ihnen stehen nach "Irma" vor dem Nichts. Ihre ohnehin begrenzten Möglichkeiten schrumpften weiter zusammen durch den Sturm, der ihre Habseligkeiten zerstörte, ihre Ausgaben in die Höhe trieb und sie aus dem Arbeitsleben katapultierte.

Nicht weit von den Dimas entfernt im verarmten Immokalee am Rande der Everglades lebt der 17-jährige haitianische Einwanderer Woody Darius. Er weiß nicht, ob er in die Schule zurückkehren kann, wenn die wieder öffnet, oder ob er Geld als Feldarbeiter verdienen soll, sobald die Äcker wieder trocken genug sind.

Floridas Vergnügungsstätten sind Armen verwehrt

"Die Miete kostet 375 Dollar (315 Euro), und wenn ich das Geld nicht habe, werfen sie uns raus", sagt Darius. Er lebt in einem heruntergekommenen Wohnblock mit nackten Betonböden, einbruchsicheren Türen und Ziegelsteinwänden, die das Gebäude eher wie ein Gefängnis als wie ein Zuhause wirken lassen.

Nach Schätzung der US-Statistikbehörde leben in Florida etwa 3,3 Millionen Menschen in Armut und damit fast 16 Prozent der insgesamt 20,6 Millionen Einwohner des Staates. Die berühmten Vergnügungsparks in Orlando oder der Mar-a-Lago-Club von Präsident Donald Trump in Palm Beach sind für sie so unerreichbar als lägen sie auf dem Mars.

Flucht war für die Armen keine Option

Viele von ihnen arbeiten stundenweise in Restaurants, Hotels, Geschäften oder an Tankstellen, die aber wegen "Irma" jetzt vielfach tagelang geschlossen waren. Damit fehlt den Arbeitern ein wichtiger Teil ihres Einkommens. Andere sind Tagelöhner oder Migranten, die als Obstpflücker tätig sind, oder Rentner, deren Geld schon vor dem Hurrikan knapp war.

Vor dem Unwetter zu fliehen, das war für die meisten Armen keine Option. Entweder haben sie kein Auto, um in eine Notunterkunft zu gelangen, oder sie können sich weder das Benzin für eine Fahrt in den sicheren Norden noch ein Hotelzimmer dort leisten. Die mutmaßlichen Kosten für die Instandsetzung ihres Zuhauses oder für die Suche nach einer neuen Bleibe bringen sie nun noch weiter an den Rand des Ruins.

"Der schlimmste, den ich je erlebt habe"

Auch Gwen Bush gehört zu den Betroffenen. Die Mitarbeiterin eines Sicherheitsdienstes ist seit Tagen ohne Arbeit, weil in der Sport- und Veranstaltungshalle Amway Center in Orlando, in der sie arbeitet, schon vor dem Hurrikan alle Konzerte und anderen Events abgesagt wurden. Wann die Arena wieder öffnen wird, ist noch völlig unklar.

"Ich habe schon einige Hurrikane und einige Stürme durchgemacht, aber das war der schlimmste, den ich je erlebt habe", sagt die 50-Jährige, die schon immer in Orlando lebt. "Wie soll man sich davon erholen, wenn man sein ganzes Hab und Gut verloren hat?"

Job bei den Reparaturarbeiten

David und Andrea Jewell leben von Behindertenrente. Ihr Zuhause ist ein altes Segelboot, das sie vor Jahren für 1000 Dollar auf Ebay ersteigert haben. Nach dem Sturm kam das Paar zunächst in Feldbetten in der Turnhalle eines Gemeindezentrums in Jacksonville unter. Verzweifelt überlegten die Jewells schon, wie es weitergehen sollte, falls ihr Boot zerstört würde. Doch glücklicherweise erfuhren sie wenig später, dass es den Hurrikan überstanden hatte.

Auch für andere gibt es inmitten von Chaos und Verwüstung noch Lichtblicke. So wurde dem guatemaltekischen Einwanderer Juan Francisco ein Job bei den Aufräumarbeiten nach dem Sturm in Fort Myers und Naples angeboten. Er verdient damit nun 320 Dollar wöchentlich. Seine Familie mit vier Kindern, darunter ein zwei Wochen altes Baby, kann das Geld gut gebrauchen. Denn um das Haus vor "Irma" zu schützen, hatte die Familie Ausgaben von etwa 600 Dollar, wie Franciscos 28-jährige Frau Aura Gaspar schätzt.

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"Viele Leute hier arbeiten hart"

Auch Larry Dimas versucht, wieder auf die Füße zu kommen, doch es fällt schwer. Er verdient wenig mit seinem Imbisswagen, in dem er Hamburger und Hähnchen brät. Kunden, die noch ärmer sind als er selbst, bietet er das Essen vergünstigt oder umsonst an. Nun aber muss Dimas auch noch den Mietausfall von seinem zweiten Wohnwagen ausgleichen, der vom Sturm aufgerissen wurde. Mit den Einnahmen hatte er seine beiden jugendlichen Kinder unterstützt und seine Asthma-Medikamente finanziert.

"Irma" habe die mittellosen Bewohner von Immokalee hart getroffen, klagt Dimas. "Viele Leute hier arbeiten hart. Sie stellen keine Forderungen", sagt er. "Sie gehen nur zur Arbeit, kommen nach Hause und dann passiert so etwas. Mir fehlen die Worte."

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